Die Mitglieder des Ponticulus Quartetts posieren in einem Garten. © NDR Foto: Anina Pommerenke

"Kultur hält zusammen": Die Wichtelkinder des Ponticulus Quartetts

Sendedatum: 08.01.2021 06:40 Uhr

Das Ponticulus Quartett spielt in Gartenzaunkonzerten für Kitas "Die Wichtelkinder". Bei dem Programm wechseln sich kleine Musikstücke mit Textpassagen ab.

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von Anina Pommerenke

Unter dem Motto "Kultur hält zusammen" hat die Dorit & Alexander Otto Stiftung gemeinsam mit der Hamburgischen Kulturstiftung einen Hilfsfond für freie Künstlerinnen und Künstler aufgesetzt. Das Geld soll es den Kulturschaffenden möglich machen, auch in der Krise weiterzuarbeiten. Eine Million Euro steht dafür zur Verfügung. Und etwas mehr als die Hälfte des Geldes wurde bereits vor Weihnachten ganz unterschiedlichen Projekten zugesprochen. So hat das Ponticulus Quartett beispielsweise ein Gartenzaunkonzert für Kitas konzipiert.

Unter Wichtelkindern

Zwei Mitglieder des Ponticulus Quartetts posieren mit dem Buch "Die Wichtelkinder". © NDR Foto: Anina Pommerenke
Paulina Pospieszny (l.) und Christine Philippsen (r.) lieben es, Kinder für Musik zu begeistern.

Eine Probe unter außergewöhnlichen Bedingungen: In warme Klamotten eingemummelt, hat sich das Ponticulus Quartett bei Prim-Violinistin Paulina Pospieszny im Wintergarten versammelt. Um ausreichen Abstand zu halten, verliest Sprecher Holger Philippsen von einer Holztreppe herab Passagen aus dem Kinderbuch "Die Wichtelkinder". In dem Buch der schwedischen Kinderbuchautorin Elsa Beskow aus dem Jahr 1910 geht es um eine Wichtelfamilie, die unter den Wurzeln einer alten Pinie lebt und im Wald auf Trolle, Elfen und viele andere Tiere trifft.

Für die zweite Violinistin Christine Philippsen hat das Buch einen ganz eigenen Charme: "Ich habe mich an meine Kindheit zurückerinnert, ich bin viel im Wald aufgewachsen. Und dieses Bild oder diese Idee zu haben, wenn ich das nächste Mal durch den Wald gehe zu gucken, ob da nicht doch irgendwo so ein kleines Wichtelkind ist, das finde ich einfach unglaublich spannend. Und am Ende regen wird dazu an, die Geschichte auch weiterzudenken, dass sie nie zu Ende ist. Dass es eine Geschichte ist, die immer weiter geht und dass sie das ganze Jahr über immer was Neues erleben, im Wald, in der Natur."

Ponticulus Quartett verfolgt pädagogischen Ansatz

In einem Waldkindergarten hat das Quartett im vergangenen Oktober bereits einen Probedurchlauf gewagt. Bei dem Programm wechseln sich kleine Musikstücke mit Textpassagen ab.

"Wir haben auf Bierbänken unter so einer Jurte gesessen. Und die Kinder haben auf ihren Sitzkissen auf dem Fußboden gesessen - die sind ja so von oben bis unten in Waldkleidung eingepackt. Und da passte das Stück noch mal besser hin, weil wir wirklich mitten im Wald waren. Ich habe viele Kinder hinterher noch getroffen und viele Eltern. Ganz viele haben sich bei uns bedankt und haben uns erzählt, dass die Kinder zu Hause die Geschichte ganz haarklein erzählt haben."

Die musikalische Bearbeitung der Geschichte stammt ursprünglich vom Bremer Kantor Jürgen Blendermann. Das Ponticulus Quartett hat daraus ein Programm entwickelt, das sich je nach Aufmerksamkeitsspanne und Interesse der Kita-Kinder von zwanzig bis sechzig Minuten variieren lässt. Der Erzähler bindet die Kinder mit ein und stellt die Instrumente vor. Der pädagogische Ansatz überrascht nicht, haben doch alle Quartett-Mitglieder ein zweites Standbein in der Lehre.

Ein Highlight in Corona-Zeiten

"Also wir sind natürlich Musiker, wir leben davon. Es ist aber auch unsere Passion und wir lieben es, Kinder für Musik zu begeistern", erzählt Christine Philippsen. Und Prim-Violinistin Paulina Pospieszny fügt hinzu: "Die waren total fasziniert von der Geschichte. Manche haben wahrscheinlich solche klassischen Instrumente zum ersten Mal im Leben gehört - der Applaus war groß."

Paulina Pospieszny ist vor zwei Jahren zum Ponticulus Quartett hinzugestoßen, das seit 2010 existiert. Das Gartenzaunkonzert für Kitas ist das einzige Projekt, mit dem das Quartett zurzeit überhaupt auftreten kann. "Normal gedacht, ist das natürlich nicht so groß. Aber unter diesen Umständen ist es unser Highlight in der Corona-Zeit", berichtet Pospieszny.

Mithilfe der Förderung der Hamburgischen Kulturstiftung wird das Ponticulus Quartett sechsmal in Kitas spielen. Eines von vielen tollen Projekten, das mithilfe der Hamburgischen Kulturstiftung gefördert werden konnte. Noch im ersten Quartal des neuen Jahres soll eine weitere Förderrunde für freischaffende Künstlerinnen und Künstler starten. Infos dazu finden Sie direkt bei der Hamburgischen Kulturstiftung.

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