Sendedatum: 30.08.2019 06:20 Uhr

Der Traum vom Schlaf

Der Trend geht zu weniger Schlaf - das besagt die aktuelle Schlafforschung. Doch wie wichtig ist unser Schlaf eigentlich? Welches Bild prägt unsere Gesellschaft von ihm und wie beurteilt die Wissenschaft, was guter Schlaf überhaupt ist? Darum ging es beim 57. Herrenhäuser Gespräch im Schloss Herrenhausen.

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Auf dem Podium: Peter Spork, Hannah Ahlheim, Henrik Oster, Kneginja Richter und NDR Kultur Moderator Ulrich Kühn.

Schlafbedürfnis gab es nicht, das Auditorium von Schloß Herrenhausen war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. Vielleicht waren es eher Schlafprobleme, die die Zuhörerschaft anlockten. Denn es gibt einen Trend zu weniger Schlaf, berichtete der Wissenschaftsjournalist Peter Spork. Verglichen mit der Situation vor dreißig bis vierzig Jahren würden wir heute eine Stunde weniger schlafen. Das hänge aber nicht an erster Stelle mit Schlafproblemen zusammen. In einer Gesellschaft, in der Menschen mehr arbeiten, aber nicht auf Freizeit verzichten möchten, werde schlussendlich an den Ruhestunden gekürzt.

Schlafratgeber gibt es seit der Industrialisierung

Unsere Arbeitszeit bestimmt die Dauer unseres Schlafes - und deshalb ist die Geschichte der Arbeit auch die Geschichte des Schlafes, gibt die Historikerin Hannah Ahlheim von der Justus-Liebig-Universität Gießen zu bedenken. In ihrem Buch "Der Traum vom Schlaf im 20. Jahrhundert" thematisiert sie, wie leistungsfähigere Maschinen und die Entwicklung synthetischer Schlafmittel die Grenzen zwischen Tag und Nacht aufgeweicht haben. Eine Entwicklung, die von der Industrialisierung beeinflusst zu sein scheint. Schon im späten 19. Jahrhundert gab es die ersten Schlafratgeber. Eine Zeit in der auch das elektrische Licht dazu führte, die Grenzen zwischen Tag und Nacht aufzuweichen.

Herrenhäuser Gespräche

Mit den Herrenhäuser Gesprächen präsentieren die VolkswagenStiftung und NDR Kultur aktuelle Themen aus Wissenschaft und Kultur, die unsere Gesellschaft bewegen. Ganz im Sinne von Gottfried Wilhelm Leibniz positioniert sich Herrenhausen damit als ein Ort des intellektuellen Diskurses, der weit über die Grenzen der Stadt Hannover hinaus eine breite Öffentlichkeit zum Mit- und Nachdenken anregt. 

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Regelmäßig finden die Herrenhäuser Gespräche von NDR Kultur im Schloss Herrenhausen in Hannover anklang.

Doch wieviel sollte man schlafen - und vor allem, was bestimmt die Qualität unseres Schlafes? Ist es die Bettgehzeit, wie der Volksmund, der die Zeit vor Mitternacht für die Beste hält, sagt? Henrik Oster, Leiter des Instituts für Neurobiologie an der Universität Lübeck, berichtet, dass dabei auch der Chronotyp eine Rolle spielt, die sogenannte innere Uhr. Daneben hat erholsamer Schlaf mit Tiefschlafphasen zu tun, die die leichteren REM-Phasen mit starken Augenbewegungen ablösen. Wer die Tiefschlafphasen verpasse, habe einen weniger erholsamen Schlaf.

Eulen und Lärchen

Und dann ist da noch die Frage, ob wir zur Gruppe der Eulen oder Lärchen gehören, lieber früh oder spät wach sind. Teenager gehören definitiv in die letzte Kategorie, entwicklungsbedingt, sagt die Schlafmedizinerin Kneginja Richter, die am Klinikum Nürnberg Menschen mit Schlafstörungen behandelt. Sie erzählt, wie sie einst ein Elternpaar beruhigen musste, dessen 17-Jähriger Sohn am Sonntag nicht um neun Uhr beim Frühstück saß. Allen anderen, die tatsächlich selbst an Schlafstörungen leiden, gibt sie am Ende des Abends den Rat zu versuchen, beim Zubettgehen gedanklich abzuschalten. Falls man in der Nacht aufwache, solle man es außerdem vermeiden auf die Uhr zu schauen - das mache unruhig und emotional und wirke kontraproduktiv.

Und Henrik Oster hält einen regelmäßigen und täglich wiederkehrenden Schlaf-Wachrhythmus für wichtig und formuliert dies in vier Ratschlägen: "Routine, Routine, Routine - und Licht aus!"

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Dieses Thema im Programm:

Klassisch in den Tag | 30.08.2019 | 06:20 Uhr

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