Long-Covid: Erste Erkenntnisse bei Studie an Uniklinik Kiel

Stand: 11.09.2021 17:29 Uhr

Die COVIDOM-Studie ist eine große Bevölkerungsstudie zu den Langzeit-Folgen einer Corona-Infektion. Es gibt drei Studienzentren an den Universitätskliniken in Kiel, Würzburg und Berlin.

Mehr als 1.000 Patienten wurden in der Studie bislang seit dem Sommer vergangenen Jahres untersucht. Dabei wird beispielsweise neun Monate nach überstandener Corona-Infektion der Geruchssinn getestet. Das ist Teil einer vierstündigen Untersuchung im Rahmen der COVIDOM-Studie am Universitätsklinikum in Kiel. Damit sollen die Langzeitfolgen des Virus erforscht werden.

Symptome sprechen für eigenen Krankheitsprozess

Studienleiter ist Prof. Stefan Schreiber, der schon von ersten Erkenntnissen berichten kann: "Interessanterweise sehen wir bei diesem Post-Covid-Syndrom, wie wir das nennen, dass es nicht nur einfach eine Verlängerung von Covid ist, also ein Long-Covid. Wir denken, dass es ein eigener Krankheitsprozess ist, der durch Covid gestartet ist, sich entwickelt und zu doch teilweise deutlichen Beschwerden führt."

Die Studie zeigt, welche Symptome besonders häufig sind: anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und ein eingeschränkter Geruchs- und Geschmackssinn. Doch bei wem diese Langzeitfolgen auftreten, das können die Forscher bisher nicht vorhersagen.

Unklar, wie lange die Symptome anhalten

"Wir kennen Menschen, die nur minimal krank gewesen sind", erklärt Schreiber. "Die sind dann drei Monate später plötzlich aus ihrer Selbstständigkeit oder Unternehmertätigkeit rausgefallen. Die haben sich dann gefragt, was geht mit mir vor?" Irgendwann seien sie darauf gekommen, dass das wohl tatsächlich ein Post-Covid-Syndrom ist. Wie lange die Symptome anhalten und wovon das abhängt, ist ebenfalls noch nicht bekannt.

Es dauert einige Zeit, eine belastbare Datengrundlage zu schaffen. Die Forscher in Kiel untersuchen etwa zehn Probanden pro Tag. Die Auswahl erfolgt zufällig, damit die Ergebnisse für das ganze Land repräsentativ sind.

Fortschritt in der Altersforschung

Aktuell haben die Forscher laut Prof. Stefan Schreiber Erkenntnisse dafür, dass der normale Alterungsprozess durch die Infektion beeinflusst wird: "Möglicherweise hängt ein typisches Altersleiden mit dem Viruseinschlag zusammen." Wenn es gelänge, das an Covid festzumachen, gebe es auch die Möglichkeit, andere Alterungserscheinungen zu beeinflussen. Nach den Worten von Schreiber könnten auch andere Viren, die krank machen, ähnliche Folgen haben. Schreiber glaubt fest daran, dass das Post-Covid-Syndrom in etwa fünf Jahren behandelbar sein wird.

Die aktuelle Studie läuft bis zum kommenden Jahr. Danach hoffen die Kieler Forscher auf weitere Fördergelder.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.09.2021 | 19:30 Uhr

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