Zwei schwer bewaffnete Polizisten stehen hinter einem Tisch, auf dem eine Menge Drogen und Waffen liegen. © NDR

"Wie im Drogenkrimi" - Details zum Polizei-Einsatz in Lübeck

Stand: 01.12.2020 12:10 Uhr

Fünf Tage nachdem Ermittlern in Lübeck ein Schlag gegen die organisierte Drogenkriminalität gelungen ist, hat die Polizei Einzelheiten zu dem Einsatz bekanntgegeben.

Am Abend des 26. November schlug sie zu: die Ermittlungsgruppe des Kommissariats 17 der Lübecker Bezirkskriminalinspektion. Mit dabei war auch Oberstaatsanwalt Hans-Peter Lofing. "Das hat mich an einen schlechten Drogenkrimi erinnert", erzählt er. In der Wohnung eines Ehepaars im Lübecker Stadtteil Kücknitz seien überall Drogen verteilt gewesen. Auf Tischen und in Vitrinen habe jede Menge Bargeld in Bündeln gelegen. Das Paar war schon lange im Visier der Polizei.

Ermittler wussten von Drogenlieferung

Nach Angaben von Oberstaatsanwältin Ulla Hingst wurde schon seit Anfang des Jahres gegen das Ehepaar ermittelt. Es gab Hinweise darauf, dass der 30-jährige Mann mindestens seit 2014 in Lübeck mit Cannabis, Kokain und Amphitaminen handelte. Später soll auch seine Frau eingestiegen sein. Offensichtlich, so glauben die Ermittler, haben die beiden so ihren Lebensunterhalt gesichert. Die eigens für diesen Fall eingerichtete Ermittlungsgruppe erfuhr im November, dass eine große Drogenlieferung bevor stand. Am Donnerstag war es dann soweit: ein Lkw hielt vor dem Haus, diverse Umzugskartons wurden abgeladen und ins Haus getragen. Bei dem Zugriff der Polizei wurde das Ehepaar, ein mutmaßlicher Helfer der beiden und die beiden Männer, die im Lkw saßen, festgenommen.

Straßenverkaufswert: 1,5 Millionen Euro

In den Wohnungen und Kellern des Ehepaars und des Helfers sowie im Lkw wurden insgesamt 160 Kilogramm Marihuana, eine Cannabis-Plantage, 22,5 Kilogramm Amphetamin und 500 Gramm Kokain sichergestellt. Der Verkaufswert liegt laut Polizei bei rund 1,5 Millionen Euro. Zusätzlich beschlagnahmten die Ermittler Vermögenswerte im Wert von etwa einer Million Euro sowie diverse Waffen, wie Pistolen, Messer, Wurfsterne und eine Armbrust. Die fünf Tatverdächtigen müssen sich nun vor Gericht verantworten: Dem Ehepaar drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis. An den Ermittlungen und am Einsatz waren insgesamt 110 Polizeibeamte beteiligt.

Norbert Trabs, Leiter der Polizeidirektion Lübeck sagte, es sei ein außergewöhnliches Ereignis gewesen. Er freue sich sehr über den polizeilichen Erfolg: "Ich erwarte auch spürbare Auswirkungen auf die Versorgung der Lübecker Dealer. Unser Ziel ist ja, die Auflösung der offenen Drogenszene in Lübeck."

Weitere Informationen
Hanf-Pflanze wächst in einem Garten © dpa/PA Foto: Oliver Berg

Lübeck: Polizei beschlagnahmt mehr als 180 Kilogramm Drogen

Der Schwarzmarktwert der Drogen liegt nach Polizeiangaben bei bis zu einer Million Euro. Fünf Tatverdächtige wurden festgenommen. mehr

Schmerzmittel Fentanyl wird in der Hand gehalten. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder/dpa

Drogentote in SH: Fentanyl macht Experten Sorgen

Infolge von Drogenkonsum sind in Schleswig-Holstein 2019 so viele Menschen gestorben wie nie zuvor im zurückliegenden Jahrzehnt. Vor allem ein Medikament gerät in den Fokus. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.12.2020 | 13:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Ein Schüler hält ein Tablet in der Hand, während er Hausaufgaben macht. © picture alliance Foto: Britta Pedersen

Der lange Weg zur digitalisierten Schule

Das Berufsbildungszentrum in Norderstedt ist in Sachen Digitalisierung bereits gut aufgestellt. Trotzdem gibt es zahlreiche Hürden. mehr

Christian Kuhnt © dpa Foto: Carsten Rehder

SHMF: Christian Kuhnt bleibt fünf weitere Jahre Intendant

Intendant Christian Kuhnt leitet seit 2013 das Schleswig-Holstein Musik Festival. Nun wurde sein Vertrag verlängert. mehr

Justitia. © imago Foto: Ralph Peters

Prozessauftakt: Schlägerei auf Pfingstfest in Stemwarde

Drei Männer müssen sich heute vor dem Amtsgericht Reinbek wegen schwerer Körperverletzung verantworten. mehr

Ein Kind mit blauer Taucherbrille unter Wasser. © photocase.de Foto: jockelo

Intensivkurse als Lösung für ausgefallenen Schwimmunterricht?

Wegen des anhaltenden Corona-Lockdowns kann nach Verbandsangaben ein ganzer Jahrgang - rund 20.000 Kinder - nicht schwimmen lernen. mehr

Videos