Penthouse und Sauna für die Rettungsschwimmer in Schönhagen

Stand: 14.07.2022 05:00 Uhr

Das Ostseebad Schönhagen buhlt mit Annehmlichkeiten um Rettungsschwimmer und muss dafür noch nicht mal etwas zahlen. Der Plan ist aufgegangen.

Ein Sommertag in Schönhagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde). In einer Bude an der schmalen Promenade brummt die Softeis-Maschine, auf dem langen Sandstrand spielen Kinder Frisbee - Badeidyll an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Tanja Kliche-Gehrau passt auf, dass hier nichts passiert. Sie ist Wachführerin der DLRG-Rettungsstation und steht im organge-gelben T-Shirt auf dem Wachturm. "Es ist schon schön hier", sagt die Hessin, die mit ihrer Familie extra zum Rettungsdienst nach Schönhagen gekommen ist.

An der Küste fehlen ehrenamtliche Rettungsschwimmer

Rettungsschwimmer vom DLRG überwachen einen Badestrand. © NDR
Rettungsschwimmerin Tanja Kliche-Gehrau passt auf Badegäste auf und macht nebenbei Urlaub.

Doch dass Tanja Kliche-Gehrau hier auf Badegäste aufpasst, ist nicht selbstverständlich. Denn bis vor kurzem ging es Schönhagen wie vielen Küstenorten im Land: Es fehlten Rettungsschwimmer. "Das war der Supergau", erzählt Nicole Brüggen vom Schönhagener Tourismus-Service vom Schockmoment im Sommer 2016: "Es gab zu wenig Wachgänger am Strand und das Ordnungsamt hat gesagt: Wenn es zu wenig Wachgänger gibt, machen wir den Strand zu." In den folgenden zwei Tagen mussten Sicherheitsleute die Urlauber vom Badespaß abhalten. Ein riesiger Imageschaden, gibt Brüggen zu.

Schönhagen investiert in den Rettungsdienst

Strandsperrungen sollte es in Zukunft nie wieder geben, beschloss die Gemeinde Brodersby, zu der Schönhagen gehört. Der Plan: den Rettungsdienst für die Ehrenamtler der DLRG attraktiver machen, mit einer neuen Rettungsstation. Das Konzept: Die Retter sollen sich wohlfühlen, der Rettungsdienst soll auch Urlaub sein.

Penthouse, Privatsphäre, Sauna

Penthouse-Wohnung für Rettungsschwimmer © NDR
Wer in Schönhagen die Strandwacht übernimmt, kann in einem schicken Penthouse wohnen.

Tanja Kliche-Gehrau führt durch das dreistöckige Gebäude. Unten ein großzügiger Aufentaltsbereich mit Sanitätsraum. Doch die eigentlichen Highlights liegen in den Stockwerken darüber. Es sind die vier Wohnungen für die Rettungsschwimmer. Drei sind 40 Quadratmeter groß und die Penthouse-Wohnung ganz oben ist sogar 60 Quadratmeter groß -  das Reich von Familie Gehrau. "Das ist die grandiose Wohnung, wo ich damals, als ich das erste Mal hier reinkam, gedacht habe: Hier gehst du nicht mehr raus!"

Die Familie hat hier ihre Ruhe und das sei wichtig im anstrengenden Rettungsalltag, sagt Tanja Gehrau. In anderen Stationen müssten die Retter in Holzverschlägen oder Containern schlafen. "Aber hier wird man morgens von der Sonne geweckt, die einem direkt ins Bett scheint", schwärmt die Retterin. Auch für Freizeitbeschäftigung ist gesorgt: Neben mehreren Balkonen gibt es für die Retter im Haus auch eine Sauna.

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Urlauber finanzieren Rettungsstation

Für die Luxusunterkunft hat die Gemeinde Brodersby ordentlich investiert. Doch die Rettungsstation trägt sich selbst. Denn zwischen Mitte September und Mitte Mai, wenn die DLRG in Schönhagen keine Wache schiebt, werden die schicken Appartements an Urlauber vermietet. "Das wird sehr, sehr gut angenommen", meint Nicole Brüggen. Auch in der Übergangzeit sei das Haus fast immer ausgebucht.

Kein Rettungsschwimmer-Mangel mehr

Auch an Rettungsschwimmern gibt es in Schönhagen nun genug, erklärt die Touristikerin. Und auch Familie Gehrau will unbedingt wiederkommen. Der Wachdienst für das nächste Jahr ist schon geplant. "Ich habe schon einige Stationen gesehen. Das ist hier schon wirklich so, dass man sich wohlfühlt und auch gerne wiederkommt“, sagt Tanja Gehrau. Und dann muss sie wieder auf den Aussichtsturm, Wachdienst schieben.

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