Stand: 24.08.2020 13:18 Uhr

Was Sie über die Corona-Zahlen wissen müssen

Das Interesse an den tagesaktuellen Corona-Fallzahlen ist hoch. Allerdings erreichen uns immer wieder Nachfragen zu den Zahlen. Vielen Menschen sind bestimmte Zusammenhänge nicht klar. Steigt die Anzahl der Neuinfizierten durch mehr Tests? Wie ist der Weg der Meldekette? NDR Schleswig-Holstein gibt Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen.

Woher kommen die Corona-Zahlen?

Jeden Tag veröffentlicht das Land Schleswig-Holstein neue Zahlen zur Corona-Pandemie. Die Statistik der Landesregierung zeigt, wie viele bestätigte Corona-Fälle den Behörden bekannt sind und auf dem vorgesehenen Weg gemeldet wurden. Die Daten kommen von der Landesmeldestelle, dem Institut für Infektionsmedizin der Universität Kiel.

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Eine Karte von Schleswig-Holstein vor einer 3D Animation eines Corona-Vrius. © Colourbox Foto: Hannu Viitanen

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Wie ist der Weg der Meldekette?

Ärzte kündigen einen Krankheitsverdacht beim Gesundheitsamt an und veranlassen einen Corona-Test. Ein positives Ergebnis meldet das auswertende Labor an das zuständige Gesundheitsamt. Die Gesundheitsämter melden die Positivfälle an die Landesmeldestelle - in Schleswig-Holstein das Institut für Infektionsmedizin der Kieler Universität. Dort laufen die Zahlen aus allen Kreisen und kreisfreien Städten zusammen und werden ausgewertet. Außerdem gibt die Landesmeldestelle die Zahlen an das Robert-Koch-Institut (RKI) weiter, das die Zahlen aus allen Bundesländern zusammenfasst.

Wie aktuell sind die Corona-Zahlen?

Die Corona-Zahlen bilden nicht die wirkliche Dynamik der Pandemie ab, denn durch einen zeitlichen Verzug in der Meldekette trifft die Information über Neuerkrankungen teils erst Tage später an offizieller Stelle ein. Auch Wochenenden oder Feiertage können ein Grund für eine Verzögerung sein. Manchmal kann die verspätete Meldung beispielsweise auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Gesundheitsämter bei einem positiven Fall von Corona zunächst notwendige Maßnahmen wie die Ermittlung von Kontaktpersonen ergreifen, bevor sie die Zahlen an die Landesmeldestelle weiterleiten. Der Gesundheitsschutz hat im Zweifel Vorrang vor der Eingabe statistischer Zahlen.

Warum werden Genesene nicht abgezogen?

Die Darstellung der Corona-Zahlen erfolgt kumulativ, also seit Beginn der Pandemie aufsummierend. Die Anzahl inzwischen genesener Personen ist nicht meldepflichtig und wird daher nicht statistisch bei der Landesmeldestelle erfasst. Es liegen also keine konkreten Daten vor, um die Anzahl der Genesenen wieder aus der Anzahl der Infizierten herauszurechnen. Das RKI gibt deshalb unter anderem in seinem täglichen Lagebericht eine Schätzung über die Anzahl der Genesenen ab.

Warum gibt es zu den Genesenen nur Schätzungen?

Personen, die genesen sind, müssen nicht gemeldet werden. Daher werden sie auch nicht statistisch bei der Landesmeldestelle erfasst. Außerdem liegt für die meisten Fälle kein genaues Datum der Genesung vor. Das RKI kann daher lediglich schätzen, wie viele Personen in Deutschland inzwischen wieder genesen sind. Das passiert nach Angaben des Instituts mittels eines Algorithmus.

Was ist der Unterschied zwischen Infizierten und Kranken?

Infizierte Personen sind diejenigen, die mittels PCR-Test positiv auf eine SARS-CoV-2-Infektion getestet worden sind und entsprechend in den Statistiken berücksichtigt werden. Nicht alle von ihnen erkranken aber an Covid-19 beziehungsweise nicht alle Erkrankten zeigen schwere Symptome. Ist jemand infiziert ("angesteckt"), bedeutet das zunächst einmal nur: Das Virus hat es geschafft, in den Körper zu gelangen und sich dort zu vermehren. Nicht alle, die sich angesteckt haben, werden krank. Bleiben Symptome aus, sprechen Ärzte von einer asymptomatischen Infektion.

Nach Angaben des RKI verläuft die Erkrankung in den meisten Fällen mild. Die Wahrscheinlichkeit für schwere und auch tödliche Verläufe nehme aber mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu.

Warum ist die Erfassung der Infizierten so wichtig?

Die Erfassung der Infizierten ist nach dem Infektionsschutzgesetz vorgegeben. Sie dient der Transparenz und der Einordnung der benötigten Kapazitäten des Gesundheitssystems und liefert bundesweit einen Anhaltspunkt für die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie.

Wie werden Corona-Todesfälle gezählt?

Jeden Tag meldet das RKI auch die Todesfälle. Diese sind mit dem Zusatz "im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben" definiert, es liegt also ein laborbestätigter Nachweis von SARS-CoV-2 vor.

Das Risiko an Covid-19 zu versterben ist bei Personen mit bestimmten Vorerkrankungen höher. Daher ist es in der Praxis häufig schwierig zu entscheiden, inwieweit die SARS-CoV-2 Infektion direkt zum Tode beigetragen hat. Laut RKI werden sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung gestorben sind ("gestorben an") als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren und bei denen nicht abschließend nachweisbar ist, was die Todesursache war ("gestorben mit"), derzeit erfasst.

Das heißt: Wer mit dem aktuellen Coronavirus infiziert war und stirbt, zählt laut RKI als Corona-Todesfall. Die Zählung der Todesfälle des RKI kann von der Zählung der Bundesländer abweichen, da einige Bundesländer - wie zum Beispiel Hamburg - nur Fälle zählen, bei denen Covid-19 als Todesursache festgestellt wurde.

Wie viele aktive Fälle gibt es?

Die Zahl der aktiven Fälle zeigt an, wie viele Personen derzeit eine Covid-19-Infektion haben. Diese errechnet sich, indem man von der Gesamtzahl der Infektionen die Todesfälle und die Anzahl der Genesenen abzieht. Die aktiven Fälle sind für viele Menschen interessant, weil sie in etwa die Gruppe widerspiegeln, von der Neuinfektionen ausgehen können.

Gleichzeitig handelt es sich aber um keine valide Zahl, denn meldepflichtig sind nur der Verdacht einer Infektion, die laborbestätigte Infektion sowie der Tod in Zusammenhang mit einer laborbestätigten Infektion. Wissenschaftler gehen von einer weitaus größeren Dunkelziffer an Corona-Infektionen aus. Zudem handelt es sich bei der Anzahl der Genesenen nur um eine geschätzte Größe, was die Angabe der aktiven Fälle zusätzlich ungenau macht.

Gibt es mehr Corona-Fälle, weil mehr getestet wird?

Eine Ausweitung der Tests kann logischerweise zu einem Anstieg der Fallzahlen führen. Das heißt aber nicht, dass umgekehrt steigende Fallzahlen nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären sind. Nach Einschätzung von Virologe Helmut Fickenscher von der Uni Kiel spielen Reisende derzeit eine große Rolle. Das deckt sich mit den Angaben des RKI, dass SARS-CoV-2-positive Personen zunehmend unter Reiserückkehrern identifiziert würden. Auch Zusammenkünfte größerer Menschengruppen wie zum Beispiel bei Familienfeiern scheinen laut Fickenscher zu einem Anstieg der Fallzahlen beizutragen.

Auch das Personal von Medizin- oder Pflegeeinrichtungen, Schulen oder etwa der Fleischindustrie wird nun regelmäßig und systematisch auf Corona untersucht. Deshalb gelten vermehrte Tests als ein Grund für den Anstieg der Neuinfektionen - aber nicht der dominierende.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.08.2020 | 19:30 Uhr

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