Eine Person steht im Hintergrund auf dem Strand in der Kieler Förde, der sich über das gesamte Bild von linksunten bis rechtsoben zieht. Die Stimmung ist herbstlich grau. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Schutz der Ostsee: Experten beschließen in Lübeck Zehnjahresplan

Stand: 20.10.2021 16:14 Uhr

Hochrangige Vertreter der Ostsee-Anrainerstaaten haben auf einer internationalen Konferenz in Lübeck ein Maßnahmenpaket zum Schutz der Ostsee vorgelegt. Der Aktionsplan ist für zehn Jahre angelegt.

Bei der sogenannten Helsinki-Konferenz (Helcom) in Lübeck haben Fachleute und Politiker ein Maßnahmenpaket zum Schutz der Ostsee vorgelegt. Der Aktionsplan sieht vor, Müll, Lärm und Düngebelastung für das Meer zu reduzieren. Er ist auf zehn Jahre angelegt. Bis 2030 sollen rund 200 verschiedene Maßnahmen zum Meeresschutz umgesetzt werden. Den Aktionsplan verabschiedet haben Vertreter aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen sowie Vertreter der EU.

Zum Beispiel soll zusammen mit der Landwirtschaft mehr gegen die Überdüngung des Meeres getan werden. Außerdem wollen sich die Umweltminister dafür einsetzen, dass weniger Mikroplastik ins Meer gelangt. Auch Schutzgebiete sollen ausgeweitet werden, um etwa gefährdete Arten wie Schweinswale zu schützen. Außerdem wollen sich die Anrainerstaaten verstärkt darüber austauschen, wie sie mit Kriegsmunition am Meeresboden umgehen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SDP) betonte, wie wichtig diese Maßnahmen ihrer Meinung nach für uns alle sind. Denn, so Schulze wörtlich, "wenn die Meere krank sind, geht es auch den Menschen schlecht".

Keine neue Obergrenzen beim Nährstoffeintrag für Landwirte

Neue Obergrenzen beim Nährstoffeintrag wird es für Landwirte aber nicht geben, machte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) klar. "Wir haben in Deutschland und Europa schon einiges getan beim Düngerecht. Und da sind die Landwirtinnen und Landwirte schon auf einem guten Weg", sagte er. Klar sei, dass man gerade mit Blick auf die Meeresökologie bei den Nähstoffen deutlich besser werden müsse. "Dafür soll es vor allem einen Austausch über die besten Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele geben, so wie wir es zum Beispiel in der Region um die Schlei gerade machen, wo wir eine angepasste Nutzung durch die Landwirtschaft fördern und Beratungen in die Hand nehmen, um den Nährstoffeintrag deutlich zu verringern."

Kritik: Maßnahmen für Länder nicht bindend

Umweltschützer vom BUND und Greenpeace kritisieren, dass die Maßnahmen nicht konkret genug und für die Länder rechtlich nicht bindend sind. Sie bezeichnen die Ziele und Vorhaben als "Lippenbekenntnisse". Meeres-Experte Thilo Maack von Greenpeace sagte: "Solche Konferenzen setzen sich Ziele, die ohnehin nicht erreicht werden. Das ist nicht die Schuld der Teilnehmer. Das Problem ist, dass die gesetzten Ziele nicht umgesetzt werden." Das liege an nationalen Strukturen, bemängelte er. "Man beschließt jetzt auf Ebene von Helcom die Fischbestände in einen gesunden Zustand zu bringen, aber es scheitert an nationalen Ministerien, die für Fangquoten und die nationale Kontrolle verantwortlich sind. Und so dreht es sich immer im Kreis."

Seiner Meinung nach bräuchte das Umweltministerium so etwas wie ein Vetorecht im Sinne des Naturschutzes. "Wenn Gesetze beschlossen werden sollen, dann braucht das Umweltministerium die Möglichkeit, zu sagen: Nein, wenn wir das so beschließen, dann werden wir die Ziele, die wir uns gesetzt haben nicht erreichen können", erklärt der Experte von Greenpeace. Einen positiven Effekt der Konferenz sieht Thilo Maack trotzdem, denn es werde der mahnende Zeigefinger erhoben.

Videos
Eine alte Mine unter Wasser, bewachsen mit Algen.
3 Min

Weltkriegs-Bomben in der Ostsee - ein Umweltproblem

Wie stark sind Muscheln und andere Meerestiere mit Gift belastet? 3 Min

Experte: Kritisch - aber nicht hoffnungslos

Experten wie der Meeresbiologe Thorsten Reusch vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel machen sich ebenfalls große Sorgen um den Zustand der Ostsee. "Der Patient 'Ostsee' ist in einem kritischem Zustand, würde ich sagen - aber es ist nicht hoffnungslos", sagte Reusch. Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hatte vorab vom Bund gefordert, stärker bei der Beseitigung von Weltkriegsmunition zu unterstützen. Ein Hauptproblem beim Schutz der Ostsee bleibe aber auch die starke Überdüngung.

Weitere Informationen
Eine Feuerqualle im seichten Meerwasser. © picture alliance/dpa Foto: Thomas Müller

Geomar-Experte: Ökosystem Ostsee braucht andere Landwirtschaft

In Lübeck beraten die Anrainerstaaten über den Schutz der Ostsee. Meeresbiologen beklagen, es gelangen zu viele Nährstoffe ins Meer. mehr

Das aufgewühlte Meer an der Ostsee

Schutz der Ostsee - Albrecht will Überdüngung bekämpfen

Das Meer ist weiter in keinem guten ökologischen Zustand. Am 19. und 20. Oktober tagt in Lübeck die Helsinki-Kommission. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.10.2021 | 08:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Die Spurensicherung untersucht einen Tatort nach einem Bankeinbruch in die HASPA-Norderstedt.  Foto: Daniel Friederichs

Nach spektakulärem Einbruch in Norderstedt: 55.000 Euro Belohnung

Unbekannte waren im August gewaltsam in eine Haspa-Filiale eingedrungen. Bei dem Einbruch entstand ein Schaden in Millionenhöhe. mehr

Videos