Stand: 29.08.2020 11:38 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

SPD will "Kulturwandel" in der Arbeitswelt

Serpil Midyatli, SPD-Landesvorsitzende, spricht während des Parteitags der SPD Schleswig-Holstein. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter
SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli strebt einen Kulturwandel in der Arbeitswelt an.

"Weniger ist mehr" steht auf den Flyern, die auf den Tischen im Hohen Arsenal in Rendsburg (Kreis Rendsburg-Eckernförde) verteilt liegen. Es geht um die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich - eine der Maßnahmen, die der SPD vorschwebt, wenn es darum geht, wie wir zukünftig arbeiten. Aus Sicht der Sozialdemokraten ändert sich die Arbeitswelt rasant. Verstärkt noch durch die Corona-Pandemie. Das Arbeiten von Zuhause aus etwa "war Anfang des Jahres noch ein sehr exklusives Phänomen. Heute hat rund ein Fünftel der Beschäftigten damit Erfahrungen gemacht", sagt die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli.

SPD erwartet "harte Auseinandersetzungen"

Doch mit den neuen Möglichkeiten steigt auch der Bedarf nach neuen Regeln und Rahmenbedingungen. Die will die SPD liefern. Deshalb dreht sich an diesem Abend vieles darum, wie die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geschützt werden können. Ziel ist eine 30-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich.

Dass das kein Selbstgänger ist, weiß Midyatli: "Hier wird es harte Auseinandersetzungen geben, denn es geht letztendlich um einen Kulturwandel, den wir hier gemeinsam voranbringen. Es geht letztendlich um die Humanisierung der Arbeitswelt." Und den will die SPD zusammen mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern erreichen. "Wir sind davon überzeugt, dass dieses tatsächlich gemeinsam gelingen kann."

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Am Beispiel Pflege zeige sich etwa, dass Pflegekräfte schon jetzt mit den Füßen abstimmen - und nur in Teilzeit arbeiten - bezahlt von Zeitarbeitsfirmen. Für die Arbeitgeber ist das teurer - aus Midyatlis Sicht ein gutes Argument für eine geringere Arbeitszeit mit vollem Lohnausgleich.

Unaufgeregte Diskussion zwischen den Genossen

Für die Pläne gab es Zuspruch von den anwesenden Gewerkschaftern. Auch die Parteimitglieder waren sich im Wesentlichen einig, diskutierten aber auch über die konkrete Umsetzung der Pläne. So merkte der Bundestagsabgeordnete Sönke Rix etwa an, mit einem Recht auf Homeoffice müsse auch ein Recht auf Ganztagsbetreuung von Kindern einhergehen. Die Kosten für Kinderbetreuung müssten steuerlich komplett absetzbar sein, forderte der Landtagsabgeordnete Kai Dolgner.

Der Antrag des Landesvorstandes, der neben der 30-Stunden-Woche auch ein Recht auf Homeoffice und auf Nicht-Erreichbarkeit vorsieht, wurde mit verschiedenen Änderungen beschlossen.

Optimismus trotz schlechter Umfragewerte

Kritik ging an die Adresse der Landesregierung. Parteichefin Midyatli monierte etwa, die Jamaika-Koalition habe die Windkraftbranche geschwächt. Und sich nicht ausreichend für die Karstadt-Beschäftigten eingesetzt. Die SPD sei die einzige Partei gewesen, die sich bei den Beschäftigten gemeldet habe, betonte Karin Kinnert vom Karstadt-Betriebsrat in ihrer Rede. "Bleiben Sie an den Menschen dran", riet sie der Partei und bekam dafür viel Applaus.

SPD-Fraktionschef Ralf Stegner schwor die Genossen selbstbewusst auf die kommenden Wahlkämpfe ein: "Ich glaube, wir sind ganz gut davor. Und wenn wir mit Leidenschaft für vernünftige Ziele eintreten, dann werden wir weit besser abschneiden bei der Bundestags- und bei der Landtagswahl, als es die Umfragen bisher zeigen."

Eigentlich wollte die SPD im Frühjahr einen Landesparteitag abhalten. Der wurde Corona-bedingt abgesagt. Stattdessen tagte nun der Parteirat - das höchste Gremium der Partei - öffentlich. An den Tischen war gemäß Hygienekonzept nur jeder zweite Platz besetzt - auf den Wegen mussten die Teilnehmer Masken tragen.

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