Stand: 25.09.2019 07:48 Uhr

Online-Glücksspiel: Kritik an SH wächst

Schleswig-Holstein gerät hinsichtlich der Werbung für Online-Casinos weiter unter Druck - und das am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht. Nachdem die Glücksspielaufsicht Hamburg schon Mitte September gefordert hatte, Fernsehwerbung für Online-Casinos zu unterbinden, gibt es nun Kritik von der Landesmedienanstalt des Saarlandes. Denn als einziges Bundesland hatte Schleswig-Holstein vor Jahren Online-Casinos legalisiert. Von der Landesmedienanstalt des Saarlandes heißt es, solche Alleingänge gefährdeten eine wirksame Bekämpfung von Glücksspielsucht.

Betreiber von Online-Casinos werben in Spots weiterhin mit den Lizenzen aus Schleswig-Holstein. Diese gelten in einer Übergangsfrist noch bis 2021. Schleswig-Holstein habe zugesagt, Fernsehwerbung zu begrenzen - davon sei aber nichts zu spüren, kritisieren die Medienwächter aus dem Saarland.

Sportförderung durch Glücksspiel-Werbung

Inzwischen wird allerdings auch im Norden selbst erneut über die Werbung diskutiert. Am deutlichsten beziehen die Grünen in Schleswig-Holstein Stellung gegen die Glücksspielwerbung. Der finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Lasse Petersdotter, fordert, dass diese im Rahmen von Fernseh-Sportübertragungen stark eingeschränkt wird. Auch die SPD im Land verweist auf das hohe Suchtpotential beim Glückspiel. CDU und FDP wollen von einem Verbot hingegen nichts wissen. Der rechtspolitische Sprecher der Liberalen, Jan-Marcus Rossa, verweist darauf, dass ein erheblicher Teil der staatlichen Einnahmen aus dem Glückspiel der Sportförderung zugutekomme. Ein grundsätzliches Werbeverbot im Sport wäre somit sehr widersprüchlich.

Spielsüchtige meistens sehr jung

Laut Landesstelle für Suchtfragen sind knapp 20.000 Schleswig-Holsteiner spielsüchtig. Am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht wurde am Mittwoch auch in Schleswig-Holstein flächendeckend über Glücksspiele und das Risiko, süchtig zu werden, informiert. An vielen Orten im Land besuchten Suchtexperten Spielhallen und Wettbüros, um aufzuklären. Sie standen für Fragen zur Verfügung und verteilten Infomaterial.

Vor allem Glücksspielautomaten hätten eine enorme Anziehungskraft. Laut Landesstelle für Suchtfragen berichten mehr als 80 Prozent derer, die Hilfe wegen ihrer Spielsucht suchen, dass es vor allem die bunten und klimpernden Automaten sind, die sie in den Ruin treiben. Nach Angaben des Experten für Spielsucht bei der Stadt.mission.Mensch in Kiel sind die meisten Hilfesuchenden noch sehr jung. Und viele von ihnen spielen und wetten auch online. Darum informieren die Suchtberater in Kiel heute in den zehn Sportwettbüros der Stadt.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.09.2019 | 07:00 Uhr

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