Stand: 09.11.2017 15:32 Uhr

Mehr zu tun für die Antidiskriminierungsstelle

Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe nicht in die Disko kommen. Sehbehinderte Patienten, die ihren Blindenhund nicht mit in die Augenarzt-Praxis nehmen dürfen. Solche Beispiele erlebt die landesweite Antidiskriminierungsstelle immer wieder: Am Donnerstag hat deren Leiterin, die Bürgerbeauftragte Samiah El Samadoni, den Tätigkeitsbericht für 2015/16 vorgestellt. Die Zahl der Beratungsgespräche stieg in den beiden Jahren im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum um mehr als das Doppelte - auf insgesamt 325. El Samadoni spricht aber nicht von einer steigenden Diskriminierung in Schleswig-Holstein. Die Stelle, die es seit 2013 gibt, werde lediglich bekannter.

Frauen besonders oft im Job benachteiligt

Die Antidiskriminierungsstelle sei noch im Aufbau, erklärt die Leiterin - deswegen gebe es einfach zu wenig Vergleichszahlen. Die meisten Menschen kommen laut El Samadoni zur Beratung, weil sie wegen ihrer Behinderung, ihres Geschlechts oder auf Grund ihrer ethnischen Herkunft diskriminiert wurden. In der Beratung bekämen die Betroffenen dann Hilfsangebote, welche Möglichkeiten sie zum Beispiel haben, wenn sie im Job diskriminiert würden. Das trifft besonders häufig Frauen.

Niedrigere Position wegen Schwangerschaft

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Arbeitnehmerinnen sollten nicht wegen ihrer Schwangerschaft diskriminiert werden - dennoch passiert es häufig.

In einem Fall, der der Bürgerbeauftragen besonders im Gedächtnis geblieben ist, wandte sich die schwangere Leiterin der Kommunikations- und Presseabteilung eines Unternehmens an die Antidiskriminierungsstelle. "Wegen ihrer Schwangerschaft sollte sie aus einer Leitungsposition zurückgedrängt werden und in eine Referentenfunktion wechseln", erinnert sich El Samadoni. Der Frau sollte das Gehalt gekürzt werden und zudem sollte sie künftig auf ihren Dienstwagen verzichten - allein wegen der Schwangerschaft. In dem Fall konnte die schwangere Arbeitnehmerin beweisen, dass die Vorgehensweise nicht rechtmäßig war und ihren alten Job behalten, so El Samadoni.

Falscher Pass - nicht ins Fitnessstudio

Ein anderer Fall für die Bürgerbeauftragte: Ein Türke, der in Deutschland geboren ist, wollte sich in einem Fitnesscenter anmelden. Ihm wurde die Mitgliedschaft verweigert, weil er keinen deutschen Pass vorweisen konnte. "Das ist natürlich eine rassistische Diskriminierung, eine Mitgliedschaft in einem Fitnesscenter abhängig zu machen von der Staatsangehörigkeit", sagte El Samadoni. "Der junge Mann wollte natürlich nicht nur wegen der Mitgliedschaft in einem Fitnesscenter die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen." Der Betroffene hat daraufhin geklagt und bekam eine Entschädigung von 700 Euro. In das Fitnesscenter wollte er trotzdem nicht mehr.

Verstärkung wegen mehr Fällen

Angesichts der stark gestiegenen Zahl der Beratungsfälle sieht El Samadoni die Kapazitätsgrenze für ihr Team erreicht. Die Bürgerbeauftragte, die auch für soziale Angelegenheiten zuständig und zudem Polizeibeauftragte ist, hat für Diskriminierungsfälle an ihrer Seite nur einen Juristen und eine Assistentin. Der Zeitaufwand für Beratungen sei hoch.

"Eine Verstärkung wäre sicherlich sinnvoll", sagte sie. Die Landesregierung müsse dem gestiegenen Bedarf Rechnung tragen, meinte auch der der SPD-Landtagsabgeordnete Tobias von Pein. Die Antidiskriminierungsstelle leiste einen unersetzlichen Beitrag für ein lebenswerteres Miteinander, lobte CDU-Fraktionsvize Katja Rathje-Hoffmann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.11.2017 | 12:00 Uhr

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