Stand: 30.05.2020 08:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Macht der Bund Hohn zum Drohnenstandort?

von Christian Wolf

Umgeben von Wäldern, dem Fockbeker Moor und dem Hohner See liegt der Flugplatz Hohn. Noch ist hier, keine vier Kilometer von der Kreisstadt Rendsburg entfernt, das Lufttransportgeschwader 63 stationiert. Doch die Tage der noch verbliebenen rund ein Dutzend Transall-Flugzeuge sind gezählt. Ende kommenden Jahres wird das Geschwader aufgelöst. Viele dachten schon an ein Ende des Flughafens. Doch dann gab das Bundesverteidigungsministerium Ende vergangenen Jahres für viele überraschend bekannt, dass der Standort weitergenutzt werden soll. "Es ist für uns als Land eine gute Nachricht, dass wir einen weiteren Flugplatz in der Größenordnung haben", kommentierte damals Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Entscheidung aus Berlin. Möglicherweise könnten dabei auch Drohnen eine Rolle spielen.

Stationierung der Global 6000?

Doch was kommt nach der Transall, diesem Jahrzehnte alten Lastenesel der Lüfte, dessen lautes Dröhnen der Propeller unverwechselbar ist? Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte auf Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein dazu: "Derzeit laufen Untersuchungen zu einer möglichen darüber hinausgehenden Nutzung. Allerdings befinden sich diese Untersuchungen aktuell noch in einer sehr frühen Phase." Der Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul (CDU) ist für den Kreis Rendsburg-Eckernförde zuständig, also der Heimat des Flugplatzes. Er hofft auf die Stationierung von Flugzeugen vom Typ Global 6000, die jetzt mit dem Aufklärungssystem Pegasus ausgerüstet werden.

Zusammenschluss von Jagel und Hohn

Flugplatz Hohn © Bundeswehr Foto: Jane Schmidt

Vom Transall-Stützpunkt zum Drohnen-Cluster?

NDR Info - Streitkräfte und Strategien -

Weitere Themen: Open Skies-Ausstieg - USA verabschieden sich von Rüstungskontrolle | Cororona-Krise - Mit weitreichenden Folgen für Verteidigungsausgaben?

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Vor allem sollten aus Sicht des CDU-Politikers der Flugplatz Hohn und der nur wenige Kilometer entfernte Flugplatz Jagel zusammengelegt werden, gerade wenn es dort zur Stationierung von Drohnen kommt. Hohn könne dann als Ausweichflugplatz genutzt werden. Darüber hinaus bietet nach Meinung von Johann Wadephul die mehr als 2.500 Meter lange Start- und Landebahn noch mehr Möglichkeiten: "Der Luftraum über Hohn ist praktisch frei. Dazu kommt die Nordsee, die Ostsee, das heißt große Lufträume, wo man sehr viel Übungen machen kann und wo es sehr viel Freiheit gibt." So sieht es auch Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP): Er kann sich sogar ein Technologiezentrum in der Nähe vorstellen, wo künftig Drohnen entwickelt, gebaut und getestet werden. "Drohnen werden künftig möglicherweise für bestimmte Vertriebsformen eingesetzt werden, aber auch im Bereich der medizinischen Versorgung. Zum Beispiel muss bei der Versorgung von Inseln und Halligen ja nicht immer ein bemannter Flugkörper unterwegs sein", erklärt Buchholz.

GFD-Geschäftsführer: "'Win-Win' Situation"

Die GFD GmbH - nach eigener Beschreibung Dienstleister für Luftfahrt und Simulation - hat auf dem Hohner Flugfeld ein Dutzend Lear-Jets stehen. Damit bietet das Unternehmen Trainings an, vor allem im Bereich der Flugzieldarstellung. Mit Hilfe der Jets könnten beispielsweise Eurofighter-Piloten ausgebildet werden. Ein Zentrum für die Entwicklung von Drohnen, für den GFD-Geschäftsführer Stefan Müller das Beste, was Hohn passieren könnte: "Weil es für alle Beteiligten eine 'Win-Win'-Situation ist." Außerdem habe die Landesregierung in ihren industriepolitischen Zielen tatsächlich die Förderung von unbemannten Luftfahrzeugen, deren Entwicklung und auch Instandhaltung und deren Betrieb in Schleswig-Holstein definiert, so Müller.

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Ende 2021 ist Schluss. Dann wird das LTG 63 aufgelöst und die letzten Transall der Luftwaffe aus dem Flugverkehr gezogen.
Neue Unternehmen und Jobs in Hohn?

Sowohl Politik als auch Wirtschaft sehen großes Potenzial in Hohn. Auch wenn die endgültige Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums noch fehlt, stehen nach Meinung aller Akteure die Zeichen für ein Technologie-Zentrum anscheinend nicht schlecht. Auf dem Weg dorthin ist laut GFD-Geschäftsführer Stefan Müller aber noch einiges zu tun. Auch werde es noch einige Jahre dauern, bis Drohnen von Hohn aus abheben und über Nord- und Ostsee getestet werden können, so Müller. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz ist sich zwar nicht sicher, ob es solch einen Luftfahrt-Cluster in Schleswig-Holstein je geben wird. Allerdings muss aus seiner Sicht das Land trotzdem die Chance ergreifen und alles versuchen, das zu erreichen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.05.2020 | 08:00 Uhr

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