Zahlreiche Segelschiffe sind bei der Windjammerparade 2020 in der Kieler Förde unterwegs. © Daniel Friederichs

Kieler Woche fällt doch kleiner aus - Frust bei Veranstaltern

Stand: 29.07.2021 16:43 Uhr

Eigentlich sollte die Kieler Woche in diesem Jahr vom 4. bis 12. September fast so "wie früher" gefeiert werden. Weil jetzt aber die Corona-Zahlen wieder steigen, hat sich die Stadt entschieden, die Planungen anzupassen.

Die Corona-Inzidenz in Schleswig-Holstein steigt - am höchsten ist sie momentan in Kiel. Die Stadt geht davon aus, dass die Zahl durch Reiserückkehrer und den Beginn des neuen Schuljahres in den kommenden Wochen noch weiter ansteigt. Deshalb wird die Kieler Woche nun doch nicht so groß stattfinden wie ursprünglich geplant. Bürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) sieht keine andere Möglichkeit: "Wir hatten uns auf eine Kieler Woche mit mehr Leichtigkeit und mehr Spontanität als im vergangenen Jahr gefreut. Der Impffortschritt und die ausgebauten Testmöglichkeiten schienen das auch möglich zu machen, aber die Hürden für eine ausgelassene Kieler-Woche-Stimmung sind nach wie vor hoch."

In der Pandemie fahre man immer auf Sicht und plane, ohne zu wissen, ob die Dinge letztendlich so funktionieren, so Kämpfer. "Aus meiner Sicht wäre es natürlich die einfachere, aber auch mutlosere Entscheidung gewesen, einfach alles abzusagen."

Auf große Bühnen wird verzichtet

Windjammerparade, ein Feuerwerk, Segeln, dezentrale Stadtteilfeste und das Segelkino sollen trotzdem stattfinden. "Aber für die Eventflächen und Märkte wäre eine kurzfristige Absage aufgrund einer angespannten Infektionslage mit einem hohen wirtschaftlichen Risiko für alle Partnerinnen und Partner verbunden", erklärt der Kieler Bürgermeister. Deshalb habe man sich erneut für eine an die Pandemie-Situation angepasste Kieler Woche entschieden. Konkret heißt das: Auf große Bühnen, ausgedehnte Flanier- und Spielbereiche wird verzichtet.

Gesundheit steht an erster Stelle

Auch der Leiter des Kieler-Woche-Referats, Philipp Dornberger, steht hinter dieser Entscheidung: "Die Gesundheit und der Schutz aller Gäste, Beschäftigten, Partnerinnen und Partner sowie der Kielerinnen und Kieler steht immer an erster Stelle. Daher ist diese Entscheidung zwar eine sehr traurige Nachricht, aber die aus jetziger Sicht einzig vernünftige", sagt Dornberger: "Wir werden uns jetzt auf die Elemente konzentrieren, die wir für einschätzbar halten."

Veranstalter sind gefrustet

Für Frust sorgt diese Entwicklung in der Veranstaltungsbranche. Das Unternehmen Opus Showtechnik aus Kiel hätte zum Beispiel eine Bühne auf der Kieler Woche ausgestattet. Geschäftsführer Hans Fintzen fürchtet, dass auch andere Veranstaltungen über den Sommer nicht wie geplant stattfinden - und für einen sechsstelligen Verlust sorgen: "Man spricht in letzter Zeit mit den Kunden eigentlich mehr über Stornobedingungen als über Preise. Na klar ist das ein Schlag ins Kontor", sagt Fintzen. Es breche Umsatz weg. Die Politik sei gefragt. Man baue auf Überbrückungshilfen. "Lieber würden wir unsere Aufträge ausführen."

IHK: Pandemie-Konzept für Herbst nötig

Die Kieler Woche ist für die gesamte Region ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Laut Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel trifft es ausgerechnet die Branchen, die ohnehin von der Pandemie gebeutelt sind - die Einbußen seien noch gar nicht richtig zu beziffern. Aus Sicht der IHK ist dringend ein Konzept zum Umgang mit der Pandemie für den Herbst nötig.

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Zahlreiche Segelschiffe sind bei der Windjammerparade 2020 in der Kieler Förde unterwegs © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.07.2021 | 17:00 Uhr

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