Stand: 25.04.2019 09:16 Uhr

Experten informieren in Kiel über Atommüll-Endlagersuche

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BfE-Präsident Wolfram König informiert in Kiel über das Verfahren zur Endlagersuche für Atommüll.

Der Bund will bis 2031 einen Endlager für hoch radioaktive Abfälle aus deutschen Kernkraftwerken finden. Die Standortsuche ist jedoch keine leichte Sache. Wie und nach welchen Kriterien bundesweit der beste Standort gesucht werden soll, war am Mittwochabend erstmals Thema bei einer Informationsveranstaltung für Bürger im Landeshaus in Kiel. Rund 100 Bürger hatten sich angemeldet. Die Atmosphäre war ruhig und sachlich. Es war die bundesweit erste von vielen weiteren Infoveranstaltungen vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE).

Deren Präsident Wolfram König hat vor politischen Querschüssen bei der Endlagersuche gewarnt. "Politische Interventionen können bei den Bürgern das notwendige Vertrauen in das von allen Bundesländern mitgetragene Verfahren zur Endlagersuche beschädigen", sagte er. Dies gelte etwa, wenn Einzelinteressen verfolgt würden und nicht mehr allein die wissenschaftliche Eignung von möglichen Standorten anerkannt werde.

Neubeginn mit "weißer Landkarte"

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Jahrzehntelang wurde darum gestritten, ob das Bergwerk in Gorleben ein möglicher Standort eines Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll sein könnte.

Seit Jahrzehnten sucht Deutschland ein Endlager. Ursprünglich war es im niedersächsischen Salzstock Gorleben geplant. Der Salzstock war jahrzehntelang auf seine Tauglichkeit als Endlager für hoch radioaktiven Müll untersucht worden. Im Jahr 2013 wurden die Erkundungsarbeiten im Zuge des Neustarts bei der Endlagersuche eingestellt. Im Zusammenhang mit der Energiewende wurde aber beschlossen, das Auswahlverfahren neu zu starten und mit einer sogenannten "weißen Landkarte" zu beginnen. Seit Mai 2017 regelt das Standortauswahlgesetz die Suche nach einem Endlager. Und das sieht unter anderem die Beteiligung der Öffentlichkeit und der betroffenen Gemeinden vor. Das BfE überwacht das Suchverfahren.

Deutschlands Atommüll soll in 1.900 Behälter passen

Bis 2031 will der Bund einen geeigneten Ort finden. Ziel ist es laut König, einen unterirdischen Ort zu finden, an dem der strahlende Abfall eine Million Jahre möglichst sicher lagern kann. Er betonte dass es bisher weltweit noch kein solches Endlager gebe. Nach Angaben des BfE-Präsidenten wird der radioaktive Atommüll Deutschlands am Ende in 1.900 Behälter passen. Mengenmäßig entspreche dies 25.000 Kubikmetern oder einem elf Kilometer langen Güterzug.

Mindestanforderungen und Ausschlusskriterien

Auf Basis festgeschriebener Kriterien suchen Experten geeignete Regionen aus. Unter anderem gelten folgende Mindestanforderungen:

  • Zwischen Erdoberfläche und Endlager müssen 300 Meter Gestein liegen
  • Das Endlager selbst muss von einer 100 Meter starken Schicht aus Granit, Salz oder Ton umgeben sein

Ausgeschlossen sind Gebiete, deren Untergrund beschädigt oder gefährdet ist. Es soll etwa kein atomares Endlager dort gebaut werden, ...

  • wo Erdbeben möglich sind
  • wo es Bergwerke gibt oder gab und
  • in denen es Vulkane gibt.

Erste Ergebnisse für 2020 geplant

Auch in Schleswig-Holstein werden wohl - wie im gesamten Bundesgebiet - Orte nach ihrer Eignung geprüft werden. Im Land wurde in den vergangenen Jahren immer wieder über Namen verschiedener Gemeinden spekuliert, die bereits in früheren Gutachten als Endlager in Betracht gezogen worden waren. So taucht zum Beispiel die Gemeinde Sterup im Kreis Schleswig-Flensburg in einem alten Gutachten von Mitte der 90er-Jahre auf.

Beauftragt mit der Suche ist ein bundeseigenes Unternehmen - die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Es wertet derzeit geologische Daten aus ganz Deutschland aus. Aus den Ergebnissen erstellt sie dann eine Karte mit Regionen, in denen ein Endlager gebaut werden könnte. Erste Ergebnisse, welche Gebiete möglicherweise für weitere Erkundungen in Frage kommen, hat das Unternehmen für das nächste Jahr angekündigt. Die Entscheidung über einen Endlager-Standort treffen am Ende Bundestag und Bundesrat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.04.2019 | 22:00 Uhr

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