Stand: 09.03.2020 13:30 Uhr

Helios Schleswig: Noch mehr Arbeit für Pfleger

Pflegekräfte werden in Schleswig-Holstein händeringend gesucht. Immer wieder berichten Angestellte von Arbeit am Rande der Belastungsgrenze. Die Bundesregierung wollte das per Gesetz ändern und hat die Finanzierung der Pflege in Krankenhäusern mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz umgestaltet. Laut ver.di führt das in Schleswig (Kreis Schleswig-Flensburg) am Helios Klinikum zu neuen Problemen. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein hat die Klinik sogenannte Serviceassistenten entlassen. Deren Aufgaben - wie zum Beispiel die Essensversorgung der Patienten - müssen die Krankenschwestern und -pfleger übernehmen.

Pfleger leiden unter Gesetz - das eigentlich entlasten soll

Ein Krankenpfleger hat mit NDR Schleswig-Holstein darüber gesprochen. Er sagt, er leide unter einem Gesetz, dass ihn eigentlich entlasten sollte. Laut Pflegepersonal-Stärkungsgesetz übernehmen die Krankenkassen seit Jahresbeginn die Kosten für jede ausgebildete Pflegekraft für die Krankenhäuser. Dadurch sollen diese mehr Pflegekräfte einstellen können. Ungelernte Pflegekräfte fallen bislang nicht unter diese Regelung und sind daher für die Kliniken zu teuer.

Helios: Qualitativ besser werden

Der Geschäftsführer des Helios Klinikums Schleswig John Näthke erklärt: "Das hat uns zu der Überlegung gebracht, dann auch die Servicetätigkeiten von qualifizierten Pflegemitarbeitern durchführen zu lassen." Der Hauptgrund: Man wolle qualitativ noch besser werden. Das hat jetzt zur Folge, dass auf den Stationen Servicekräfte fehlen. Die Aufgaben muss das Pflegepersonal übernehmen. Das Klinikum in Schleswig hat zwar neue Fachkräfte eingestellt - nach eigenen Angaben fehlen aber aktuell noch zehn bis zwölf Mitarbeiter.

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Ver.di wirft dem Krankenhaus vor, nicht alles unternommen zu haben, damit die ungelernten Angestellten weiter auf den Stationen helfen können. Sieben üben inzwischen andere Tätigkeiten aus, sechs von ihnen wurde gekündigt. "Wir haben kein Personal auf dem Markt. Es ist widersinnig, Personal, das bewährt ist, zu kündigen - ohne schon in der Hinterhand qualifiziertes Personal zu haben, das man einstellen kann", meint ver.di Bezirksgeschäftsführerin Ute Dirks.

Kaum noch Pausen

Der Pfleger sagte, auf seiner Station gebe es keine zusätzlichen Fachkräfte. Alle Aufgaben blieben an ihm und seinen Kollegen hängen. Rund zweieinhalb Stunden zusätzlich dauere es, alle Patienten mit den drei Mahlzeiten zu versorgen. Auch müssten die gelernten Mitarbeiter jetzt alle Patienten zu ihren Untersuchungen bringen. Das hätten vorher auch die Servicekräfte gemacht. Pausen seien jetzt kaum noch möglich. Die Belastungen seien so hoch, dass er und weitere Kollegen kurz davor ständen, die Kündigung einzureichen, sagte der Helios Pfleger NDR Schleswig-Holstein.

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Schleswig-Holstein Magazin | 09.03.2020 | 19:30 Uhr

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