Ein Doorsch, Kabeljau (Gadus morhua) im Ozeaneum, Hansestadt Stralsund © picture alliance / imageBROKER Foto: Ingo Schulz

Fischfangquoten: Was kommt nach dem Dorsch?

Stand: 13.10.2021 20:53 Uhr

Kein Dorsch mehr und auch kein Hering - Fischer dürfen sie bald nicht mehr gezielt fangen. Das Ziel ist Rettung der Fischbestände. Auf dem Weg dorthin warten viele Herausforderungen auf Fische, Fischer und Verbraucher.

Schleswig-Holstein ist Fischland - auch deshalb dürften die neuen Fangquoten viele Berufsfischer ärgern. Aber auch die Hobbyangler dürfen weniger fangen. Der Grund: In der Ostsee gibt es von beiden Fischen zu wenig. Eine bestimmte Menge als Beifang bleibt allerdings erlaubt - das hießt, vereinzelt wird es weiterhin Dorsch und Hering geben.

Ein Ansatz: Fisch-Konsum allgemein reduzieren

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Ein Doorsch, Kabeljau (Gadus morhua) im Ozeaneum, Hansestadt Stralsund © picture alliance / imageBROKER Foto: Ingo Schulz

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Forscher und Tierschützer warnen allerdings davor, sich als Verbraucher alternativ einfach auf eine andere Fischart zu stürzen - sonst wären auch sie in der Ostsee bald gefährdet. Fischerei-Expertin Valeska Diemel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schlägt einen anderen Ansatz vor. "Ganz allgemein ist wichtig, dass wir alle unseren Fisch-Konsum reduzieren, einfach den Druck auf die Meere und die Bestände zu reduzieren", sagt sie. Eine weitere Idee sei, den neu aufkommenden pflanzlichen Alternativen für Fische eine Chance zu geben.

Runder Tisch für Unterstützung der betroffenen Fischer

Dennoch: Viele gewerbliche Fischer leben vom Dorschfang. Das Landwirtschaftsministerium hat zugesagt, helfen zu wollen - in Austausch mit der Branche, aber auch in Zusammenarbeit mit Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern, das sich mit Schleswig-Holstein die Ostseeküste teilt. Die ersten Bund-Länder-Gespräche sollen in drei Wochen starten, die Ergebnisse sollen bis April kommenden Jahres vorliegen.

Ein Thema könnten "Abwrack-Prämien" für Fischer sein, die durch die Quote keine Perspektive auf dem Markt mehr haben und ihren Kutter abgeben. Das fordert der Landesfischereiverband. Allerdings könnte auch genau da ein Knackpunkt liegen: Ähnliche Prämien hat es schon gegeben - und die wurden so gut wie gar nicht beantragt, da sich das Programm nicht lohne, wie Fischer kritisierten.

Höhere Fischpreise werden wohl kommen

Ein Preisanstieg auf dem Fischmarkt ist aber so gut wie sicher. Das bestätigen Händler auf Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein. Die wenigen Dorsche und Heringe, die im Beifang mitkommen, seien zu wenig für die Nachfrage - deshalb sei davon auszugehen, dass sie teurer werden.

Aber auch die anderen Fischarten werden wohl davon betroffen sein: Dem Lachs bricht mit dem Dorsch ein Konkurrent weg, der bisher noch den Preis geregelt hat - und auch die Scholle oder der Steinbutt werden laut Fischhändler im Preis steigen, um den Dorschwegfall auszugleichen. Im europäischen Ländervergleich ist dies aber keine dramatische Nachricht: In Deutschland ist der Fisch gemessen am Einkommen aktuell mit am günstigsten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.10.2021 | 18:00 Uhr

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