Stand: 08.06.2019 11:57 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Ein halbes Jahr Streik: Klima-Aktivisten im Stress

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Der Klima-Aktivist Jakob Blasel aus Kronshagen ist mittlerweile deutschlandweit bekannt.

Es ist Freitag, und auch heute werden wieder Tausende Schüler auf die Straße gehen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Der Kronshagener Jakob Blasel, einer der führenden Köpfe der Jugendbewegung, bleibt heute ausnahmsweise mal zu Hause. Abistress. Sein Handy hat er dennoch immer im Blick. "Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Nachrichten ich in den vergangenen drei Monaten empfangen habe: Das waren 100.000. Oder anders gesagt: Ich kriege mehr als 1.000 Nachrichten pro Tag." Unvorstellbar.

"In jedem Ort gibt es drei, vier aktive Leute"

Die "Fridays for Future"-Bewegung hat sich in den vergangenen sechs Monaten immer weiterentwickelt. Vor genau einem halben Jahr, am 7. Dezember, gab es bundesweit die erste Demo in Bad Segeberg. Später gingen dann auch junge Leute in großen Städten wie Kiel, Lübeck und Flensburg auf die Straße, doch auch in kleineren Orten wie Eckernförde oder Wedel wurden zum Teil imposante Demonstrationszüge organisiert. Dahinter steckt viel Planung und Vernetzung. "In jedem Ort gibt es mindestens drei, vier Leute, die was machen. In Kiel zum Beispiel sind bestimmt 20 bis 30 Leute aktiv", erzählt der 18-jährige Jakob Blasel. Nicht immer läuft alles rund.

30 Ortsgruppen in Schleswig-Holstein

Mittlerweile haben sich 30 Ortsgruppen zwischen Nord- und Ostsee gegründet. Sie organisieren Protestaktionen mithilfe von Internetchats und stimmen sich in wöchentlichen Telefonkonferenzen mit den anderen Gruppen in Deutschland ab. "Am Anfang war alles spannend. Wie komme ich an Lautsprecher? Wie schreibe ich eine Pressemitteilung?", erinnert sich Jakob Blasel an die Anfänge. Mittlerweile ist bei der Organisation Routine eingekehrt." Allerdings kommen auch immer wieder neue Leute ins Team, so dass es immer spannend bleibt."

Umweltschutz ist in vielen Köpfen

Die bisherige ganze Arbeit hat sich zumindest in einer Hinsicht gelohnt: Alle reden über Klimaschutz - oder wie Jakob Blasel es ausdrückt: über die "Klimakrise". "Nahezu alle Menschen machen sich Gedanken, was man gegen die Klimakrise tun kann." Auch die Europawahl und das gute Abschneiden der Grünen zeigen, dass der Umweltschutz in vielen Köpfen angekommen ist. In Städten wie Bad Segeberg, Kiel und Lübeck gibt es inzwischen den Klimanotstand. Und die Studierendenschaften der drei Lübecker Hochschulen haben jetzt in einer Erklärung die Studenten in der Hansestadt aufgerufen, zusammen mit den "Fridays for Future"-Schülern in den Klimastreik zu treten.

Blasel: Landesregierung hat keinen richtigen Plan

Jakob Blasel und die vielen anderen Organisatoren wollen aber noch viel mehr. "Selbst die Grünen vertreten noch keine Klimapolitik, die ausreicht", sagt der Abiturient, der sich in der Jugendorganisation der Partei in Kiel engagiert. Die Emissionen müssten viel schneller auf null sinken - Stichwort "2035er-Ziel". "Und ich finde, auf Landesebene müsste noch mehr passieren. Hier haben wir noch keine verbindlichen Klimaziele. Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat leider keinen richtigen Plan." Apropos Plan: Den sollte der 18-Jährige auf jeden Fall haben. Fernsehauftritte, mit Politikern diskutieren, Tausende Mails und What's App-Nachrichten beantworten, selber auf die Straße gehen - und dann noch das Abi meistern.

Was kann ich im Alltag für Klima und Umwelt tun?

Technik

  • energiesparende Geräte kaufen
  • Standby-Modus bei Geräten ausschalten oder den Stecker ziehen
  • sparsame LED-Leuchten nutzen
  • Fairphone nutzen
Beim Einkaufen
  • eigene Tragetasche beim Einkaufen nutzen
  • unverpackte Produkte kaufen
  • Mehrwegbecher statt Papierbecher benutzen
Zu Hause
  • "Bitte keine Werbung"-Sticker auf den Briefkasten kleben
  • beim Kochen den Deckel auf den Topf legen und nicht zu große Platte nutzen
  • duschen statt baden
  • Wäsche bei maximal 60 Grad waschen
  • Recycling(klo-)papier nutzen
Unterwegs
  • Auf Flugreisen wegen des hohen CO2-Ausstoßes möglichst verzichten
  • Auf Kreuzfahrten wegen des Stickoxid-Ausstoßes möglichst verzichten
  • Autofahrten - vor allem innnerstädtisch - vermeiden
  • Car-Sharing nutzen
  • den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad nutzen
Im Garten

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.06.2019 | 08:00 Uhr

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