Stand: 31.01.2019 14:35 Uhr

Der Wolf GW 924m in Südholstein

von Daniel Kummetz, Jörn Schaar, Jörg Jacobsen

Das Hamburger Umland ist dicht besiedelt. Auf den Bahntrassen, Bundesstraßen und Autobahnen im Süden von Schleswig-Holstein fließt viel Verkehr. Die Statistik des Landes zeigt, dass Wölfe sich in dieser Region oft nicht lange aufhalten. Meist bleibt es bei einzelnen Nachweisen. Bei einem Tier ist das anders: Der Rüde mit der Code-Nummer GW 924m ist seit Monaten in Südholstein aktiv. Das geht aus DNA-Proben von getöteten oder verletzten Nutztieren hervor.

Beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) gilt der Wolf inzwischen als "resident". Er fühlt sich in einem Dreieck zwischen A7, A23 und B206 offenbar wohl und ist - zumindest zeitweise - sesshaft geworden. Mindestens ein Mal hat das Tier einen sogenannten wolfssicheren Zaun überwunden und Schafe gerissen. Das LLUR hat in insgesamt sechs Fällen bestätigt, dass die hinter Schutzzäunen gerissenen Tiere Opfer des Wolfes GW 924m geworden sind. Daraufhin hat das Umweltministerium Schleswig-Holstein Ende Januar 2019 den Wolf zum Abschuss freigegeben.

Wolf wandert von Dänemark bis nach Hamburg

Der Wolf mit der Nummer 924 wurde erstmals im März 2018 im dänischen Ulfborg nachgewiesen - als einer von mindestens acht Welpen eines neuen Rudels. Der erste Nachweis gelang dem dänischen Wolfsmanagement, nachdem GW 924m ein Schaf bei Ulfborg gerissen hatte, anhand von DNA-Spuren am Kadaver des Schafs. Weitere Risse belegen, dass er sich im April mit seinem Bruder GW 932m und seinen Schwestern GW 931f und GW 930f auf den Weg nach Süden machte. In Dänemark konnte der junge Wolf letztmalig im April in der Nähe von Ribe nachgewiesen werden.

Während die DNA von GW 930f dabei mehrfach in Dithmarschen nachgewiesen wurde, fiel GW 931f gar nicht auf, bis sie am 12. Mai auf der Autobahn 23 bei Tornesch überfahren wurde. Ihr Bruder GW 924m hielt sich in dieser Zeit ebenfalls bedeckt: Er wird erstmals im Juli in Deutschland registriert - nach einem Schafsriss im Hamburger Stadtteil Schnelsen, unmittelbar hinter der Landesgrenze von Schleswig-Holstein.

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Viele Nachweise in Pinneberg und Steinburg

Seit Mitte Juli 2018 hält sich GW 924m in den Kreisen Pinneberg und Steinburg auf. Dort hat er innerhalb weniger Tage Schafe in Heidmoor, Lutzhorn, Brande-Hörnerkirchen und Langeln gerissen. Danach verliert sich seine Spur für fast einen Monat, bevor GW 924m das nächste Mal wieder nachgewiesen werden konnte. "Das ist gar nicht ungewöhnlich", sagt Rissgutachter und Wolfsbetreuer Heiko Richter. "Es kann auch sein, dass der auf der Suche nach einer Partnerin war und ihm das wichtiger war." Wölfe können bis zu zwei Wochen ohne Nahrung auskommen. Allerdings gab es in dem Zeitraum auch mehrere Risse, bei denen aber nur festgestellt werden konnte, dass es sich um einen Wolf handelte. "Die Gen-Marker, die wir für die Individualisierung brauchen, zersetzen sich recht schnell", sagt Carsten Nowack vom Senckenberg-Institut. "Die Zuordnung ob es ein Wolf oder ein Hund war, benötigt keine so gute Probe, um festzustellen welcher Wolf zugebissen hat, brauchen wir etwas mehr Speichel von dem Tier und die Analyse dauert auch länger."

GW 924m überwindet speziellen Schutzzaun

Ende September und im Oktober gab es wieder mehr Risse: Unter anderem fiel er in Westerhorn und Brande-Hörnerkirchen auf. In Barmstedt attackierte GW 924m Ende September sogar ein Kalb. Im Oktober muss der Wolf deutlich weiter nördlich, in Timmaspe (Kreis Rendsburg-Eckernförde), gewesen sein. Das Tier ist auch für Schafsrisse hinter einem wolfssicheren Zaun in Westerhorn am 28. November verantwortlich. In der Zeit tappte auch ein Wolf in eine Fotofalle in der Nachbargemeinde Moordiek. Anhand der Bilder aus der Wildkamera lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, ob es sich dabei um GW 924m handelt. Allerdings gibt es in der Zeit keine genetischen Spuren von einem anderen Wolf in der Gegend.

Umweltministerium genehmigt Abschuss des Tieres

Zum Jahreswechsel 2018/2019 gab es nach Angaben des Umweltministeriums sieben weitere Rissvorfälle auf Weiden, die Schäfer mit den empfohlenen Herdenschutzzäunen ordnungsgemäß gesichert hatten. In fünf Fällen konnten Genetiker nachweisen, dass ein Wolf dafür verantwortlich ist. "Es hat sich bestätigt, was wir ohnehin vermutet haben: die Risse gehen auf das Konto des Wolfs", sagte Umweltstaatssekretärin Anke Erdmann.

Für das Umweltministerium sprechen viele Faktoren dafür, dass der Wolf GW 924m für die erneuten Risse verantwortlich ist. Das LLUR, das dem Umweltministerium zugeordnet ist, hat inzwischen einen entsprechenden Antrag zur Abschuss des Wolfes genehmigt.

Albrecht: Abschuss im Sinne des Artenschutzes

Minister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hatte Mitte Januar sowohl Antragstellern, als auch Jägern zugesichert, ihre Namen nicht zu veröffentlichen. Der Abschuss eines Problemwolfs solle im Sinne des Artenschutzes verhindern, dass "bestimmte Verhaltenspraktiken" Einzug in die Population halten, sagte Albrecht. Wenn sich dieses Verhalten bei dem Wolf verfestige, könne man nur noch schwer ein Zusammenleben von Wolf und Kulturlandschaft vereinbaren, so Albrecht.

Wolf GW924m unterwegs in Südholstein

Weitere Informationen

Dossier: Wölfe in Schleswig-Holstein

Die Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein bewegt viele im Land. Im Dossier bei NDR.de berichten die NDR Reporter über Aktuelles und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 31.01.2019 | 19:30 Uhr

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