Stand: 27.10.2017 15:21 Uhr

Das Netz findet Hannah #schwerinordnung

Hannah Kiesbye findet, dass niemand in irgendeine Schublade gesteckt werden sollte. Sie ist 14 Jahre alt. Sie wohnt im Kreis Pinneberg. Sie hat das Down-Syndrom. Menschen mit Down-Syndrom bekommen in Deutschland einen Schwerbehindertenausweis. Hannah findet, dass dieser Ausweis nicht zu Menschen wie ihr passt. "Ich lese gerne Bücher und schreibe Geschichten. Ich habe meine Bücher schon tausendfach durchgelesen", sagt sie. Die 14-Jährige bastelt sich ein neues Ausweisdokument - einen "Schwer-in-Ordnung"-Ausweis. Als das öffentlich wird, klingelt das Handy fast pausenlos.

Tweet erhält bei Twitter Tausende von Likes

Hannah hatte ihre Geschichte in der Zeitschrift von "Kids Hamburg" veröffentlicht, einem Verein für Menschen mit Down-Syndrom und ihre Angehörigen. Ein Spender des Vereins teilt die Geschichte bei Twitter. Der Tweet erhält Tausende Likes. Menschen sind begeistert, teilen und unterstützen Hannahs Idee. Viele Anrufer sind Journalisten, die mit der 14-Jährigen über ihre Geschichte sprechen wollen. Die "Tagesschau" berichtet.

Hannah ist es gelungen, "emotional für Inklusion zu werben", findet ihre Mutter Inge Kiesbye. Auch beim Namen für einen Ausweis müssten Behörden "nicht immer vom Defizit ausgehen". Hannah nickt.

Hannah ist sprachbegabt, kreativ, musikalisch

Die Geschichte zeige ganz deutlich, wie wichtig Inklusion von Geburt an ist, sagt Regine Sahling von "Kids Hamburg". Menschen, die Gelegenheit haben teilzuhaben, könnten sich ungeahnt entwickeln und "unglaubliche Dinge" machen, sagt Sahling. Hannah geht nach Angaben ihrer Eltern auf eine Schule, an der Inklusion gelebt wird. Die 14-Jährige reitet, seit sie klein ist. Sie ist sprachbegabt und kreativ, ist musikalisch und merkt sich Songtexte. Menschen mit Down-Syndrom müssten einfach viel mehr in das normale Leben einbezogen werden, findet Sahling.

"Ich finde, dass alle schwer in Ordnung sind"

Der Artikel über den "Schwer-in-Ordnung"-Ausweis sollte neben der Vereinszeitschrift eigentlich nur in der Schülerzeitung an Hannahs Schule erscheinen. Dass er jetzt so viele Menschen begeistert, sei "schon okay", sagt die 14-Jährige zurückhaltend. Der Name des Ausweises sei zustandegekommen, "weil ich finde, dass alle schwer in Ordnung sind". Es gehe darum, dass niemand in Kategorien eingeordnet werde, sagt Vater Kai Bruhn: "Besser als Hannah hätte man es gar nicht auf den Punkt bringen können." Die Netz-Gemeinde stimmt zu. Schwer in Ordnung, diese 14-Jährige.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein 18:00 | 27.10.2017 | 18:00 Uhr

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