Stand: 25.02.2020 16:27 Uhr

Carstensen wird Antisemitismus-Beauftragter

Peter Harry Carstensen und Karin Prien lächeln in die Kamera. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder
Kulturministerin Prien (r.) stellte den neuen Antisemitismus-Beauftragten vor - Ex-Ministerpräsident Carstensen.

Er soll eine starke Stimme für das jüdische Leben in Schleswig-Holstein sein: Der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen wird das neu geschaffene Amt als Landesbeauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus übernehmen. Das hat Kulturministerin Karin Prien (CDU) am Dienstag im Jüdischen Museum Rendsburg bekannt gegeben. "Antisemitismus und Rassismus sind leider brandaktuelle Themen", sagte Prien. "Wir stellen uns unmissverständlich gegen jede Form von Antisemitismus und wollen mit Peter Harry Carstensen gemeinsam neue Wege gehen." Nicht erst die schrecklichen Taten von Halle und Hanau hätten gezeigt, "dass Rassismus und vor allem Antisemitismus im Besonderen mehr als nur Gift in den Köpfen sind", erklärte Prien.

3.000 Juden leben in Schleswig-Holstein

Der 72-jährige Carstensen tritt sein Amt am 1. März an. Das gemeinsame Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen müsse zu einer Selbstverständlichkeit werden, sagte Carstensen. "Toleranz" sei ihm in diesem Zusammenhang zu wenig. Es habe in Schleswig-Holstein früher Glaubensfreiheit in Glückstadt, in Friedrichstadt oder auf Nordstrand gegeben. "Aber das Dulden ist immer von oben gekommen - das war gönnerisch", sagte Carstensen. In Schleswig-Holstein leben rund 3.000 Jüdinnen und Juden, davon sind rund 2.000 in jüdischen Gemeinden organisiert.

Carstensens neues Amt ist im Kieler Bildungsministerium angesiedelt. Ausgestattet ist es mit einer Referentenstelle. Er selbst habe keine direkten familiären Bezüge zum Judentum, erklärte Carstensen. Er werde in den ersten Wochen vor allem Kontakte mit den jüdischen Gemeinden und den Antisemitismus-Beauftragten der anderen Bundesländer knüpfen.

Der erste große, öffentliche Termin ist der 2. April in Lübeck. Dann wird in der Hansestadt zusammen mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Ministerpräsident Daniel Günther (beide CDU) und der jüdischen Gemeinde mit einem großen Fest die Carlebach-Synagoge eingeweiht.

Prominente Beauftragte in NRW

Zwölf Bundesländer haben bereits einen Antisemitismus-Beauftragten berufen. Eine ähnlich prominente Besetzung wie in Schleswig-Holstein gibt es in Nordrhein-Westfalen mit der ehemaligen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Im Mai 2018 hat Felix Klein sein Amt als Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland angetreten.

Nachfolger von Simonis

Carstensen war von 2005 bis 2012 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. An die Macht kam er wegen des "Heide-Mordes" von 2005. Die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) wollte eine vom SSW (Südschleswigscher Wählerverband) tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung führen. Weil ihr in vier Wahlgängen eine Stimme aus den eigenen Reihen fehlte, scheiterte das Projekt. Nach der gescheiterten Abstimmung trafen sich SPD und CDU erneut zu Verhandlungen über eine Große Koalition. Am 27. April 2005 wählte das Parlament Carstensen zum Ministerpräsidenten.

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Schleswig-Holstein Magazin | 25.02.2020 | 19:30 Uhr

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