Stand: 27.12.2019 07:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Böllerboykott: Märkte verkaufen kein Feuerwerk

von Julian Marxen

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Einige Läden im Land verkaufen in diesem Jahr kein Silvesterfeuerwerk.

Lauter, höher, bunter: Die Werbeprospekte überschlagen sich aktuell wieder im Anpreisen von Raketen, Böllern und Co. Da gibt es zum Beispiel die Feuerwerksbatterie namens "Showbox Bürgermeister" mit 1,5 Kilogramm Pulverfüllung. Ihr Abbrennen soll den Hobby-Feuerwerker so bekannt machen, dass er sich laut Werbetext zur nächsten Bürgermeisterwahl aufstellen lassen kann. Manche mögen nun fragen: Passt dieser Werbegag noch ins Jahr 2019? Erntet derjenige mit dem größten Feuerwerk denn heutzutage wirklich noch die meisten Sympathien? Oder wird man in Zeiten von Klimawandel und Feinstaubbelastung nicht eher schief angeguckt, wenn man auf der Straße seine großkalibrige Pyroshow abzieht? Die Debatte darüber jedenfalls wird schon längst geführt. Und offenbar plagt auch in Schleswig-Holstein immer mehr Menschen das schlechte Gewissen. Mit 57 Prozent der Befragten spricht sich in einer aktuellen Umfrage eine deutliche Mehrheit der Deutschen für ein generelle Böllerverbot aus.

Supermärkte wollen keine Böller verkaufen

Einige Händler im Land haben sich dazu entschlossen, in diesem Jahr erstmals keine Feuerwerkskörper zu verkaufen. Um einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, wie sie sagen. Als ein Baumarkt in Mölln als einer der ersten einen Böller-Boykott angekündigt hat, ging das bundesweit durch die Medien. Der Inhaber möchte stattdessen für ein lokales Tierheim spenden. Mittlerweile sind einige Supermärkte diesem Vorbild gefolgt. So werden auch in Märkten in Neumünster, Flintbek oder Rendsburg keine Knaller über die Ladentheke gehen. Und auch ein Baumarkt in Eckernförde verzichtet erstmals auf den Pyro-Verkauf. Im Vorfeld gab es genügend Mahner. Unter anderem die Deutsche Umwelthilfe hatte zuvor davor gewarnt, welche Folgen die exzessive Knallerei haben kann.

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Kein generelles Knall-Verbot in Städten

"In nur wenigen Stunden werden bis zu 5.000 Tonnen Feinstaub (in Deutschland) freigesetzt. Dies entspricht etwa 16 Prozent der gesamten jährlichen Feinstaubmenge, die im Straßenverkehr entsteht", erklären die Umweltschützer. Die Deutsche Umwelthilfe hatte deshalb mehrere Städte wie Kiel, Brunsbüttel, Flensburg oder Hamburg aufgefordert, ein striktes Feuerwerksverbot durchzusetzen. Ohne Erfolg. Generell sind private Feuerwerke in den Städten weiterhin erlaubt. Nur eben nicht - wie jedes Jahr - in der Nähe von Kliniken, Seniorenheimen, Kirchen oder Reetdachhäusern. Wer auf den Straßen überhaupt keine Knaller sehen und hören möchte, sollte auf die Inseln fahren. Auf Sylt und Amrum darf nicht geböllert werden.

Zukunftsvision "Bio-Böller" umsetzbar?

Timmendorfer Strand geht da einen anderen Weg. Der Tourismusort verzichtet bei seiner Silvesterparty an der Ostsee zum ersten Mal auf ein Höhenfeuerwerk, setzt dafür aber nach eigenen Angaben auf eine "umweltgerechte Laser- und Pyro-Show". Ein lautes und farbenprächtiges Feuerwerk ganz ohne Umweltbelastung bleibt allerdings erst einmal nur Wunschvorstellung. Nur vereinzelt wird daran geforscht. Die Effekte von "Öko-Raketen" und "Bio-Böllern" wären mau, die Produktion kostspielig, erklären Chemiker. Außerdem dürften sich die Feuerwerkshersteller nicht gezwungen sehen, etwas zu ändern. Der Umsatz jedenfalls stimmt. Im vergangenen Jahr haben Kunden in Deutschland insgesamt 133 Millionen Euro fürs Heimfeuerwerk ausgegeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.12.2019 | 07:00 Uhr

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