Stand: 20.11.2018 20:50 Uhr

Berlin ignoriert Europa-Kandidat der Landes-SPD

Vor zwei Wochen kürten die SPD-Abgeordneten auf ihren Landesparteitag Enrico Kreft zum Spitzenkandidaten für die Europawahl. Nun ist klar: Diese Wahl ist der Bundes-SPD ziemlich egal. Der Bundesvorstand setzte Kreft nun nur auf Platz 32 der Vorschlagsliste. Dieser Platz gilt als aussichtslos.

Burkhardt käme ins Europaparlament

Die stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende Delara Burkhardt kam dagegen auf Platz fünf der Bundesliste, obwohl die SPD-Abgeordneten auf dem Landesparteitag Kreft bevorzugt hatten. Mit Listenplatz 5 käme Burkhardt sicher ins Europaparlament.

Stein: Welchen Wert haben Landeswahlkonferenzen?

Aus dem Norden gibt es viel Kritik am Verhalten der Bundes-SPD. Der Kieler Bundestagsabgeordnete Mathias Stein sieht die Entscheidung aus Berlin ebenfalls kritisch. Welchen Wert hätten Landeswahlkonferenzen noch, wenn die Reihung eines Landesverbandes unberücksichtigt bleibe, fragt er. Enrico Kreft selbst schreibt auf Facebook zu dem Geschehen, der Vorschlag mache ihn wütend und angriffslustig zugleich.

Stegner: Entscheidung nicht akzeptabel

SPD-Chef Ralf Stegner sagte, er finde die Entscheidung "nicht akzeptabel". Es sei ein gravierender Eingriff in das demokratische Ergebnis der Landesdelegiertenkonferenz.

Stegner betonte aber auch, er könne den Wunsch der SPD-Führung nach mehr Frauen als Mandatsträger und einer Verjüngung gut nachvollziehen. Da nur wenige Frauen als Spitzenkandidatinnen in den Ländern für die Europawahl nominiert worden seien, habe der SPD-Vorstand mit großer Mehrheit für die gute Platzierung von Burkhardt entschieden. Hinzu komme, dass Männer und Frauen bei der SPD im Reißverschlusssystem abwechselnd auf die Nominiertenliste kommen müssen. Stegner hatte Burkhard bei der Spitzenkandidatenwahl auf dem Landesparteitag unterstützt.

SPD Lübeck fordert Haltung von Stegner

Vor allem der Kreisverband der SPD in Lübeck, wo Enrico Kreft herkommt, ist sauer über die Entscheidung der Bundes-SPD - und fordert Ralf Stegner auf, Haltung zu zeigen. Sollte der Beschluss des Parteivorstandes bis zur Bundesdelegiertenkonferenz Bestand haben, solle Stegner von seinem Amt als stellvertretender Bundesvorsitzender aus Protest zurückzutreten, so die Forderung. Es sei Zeit, hier Haltung auch zu leben, heißt es in einem vom SPD-Vorsitzenden Thomas Rother unterzeichneten Schreiben. SPD-Chef Stegner wollte sich auf Nachfrage zu dieser Forderung nicht positionieren.

Endgültig entscheiden die Delegierten am 9. Dezember über die Liste für das Europaparlament.

Weitere Informationen

Schleswig-Holsteins SPD fordert Sonderparteitag

Ob die SPD in der GroKo bleiben soll, darüber sollte nach dem Willen von Schleswig-Holsteins SPD ein Sonderparteitag beraten. Außerdem kürte die Partei ihren Spitzenkandidaten für die Europawahl. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Menschen in Schleswig-Holstein | 20.11.2018 | 12:00 Uhr

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