Stand: 25.01.2018 15:05 Uhr

Aus und vorbei für Ahrensburger Luxus-Toilette

von Sabine Alsleben

Luxus-Toilette: Das klingt nach Marmorfliesen, Armaturen aus Gold und einem Duft von Lilien in der Luft. In Ahrensburg bedeutete das in den letzten Jahren vor allem Ärger. Ärger über zu hohe Kosten, Ärger über mangelnde Alternativen. Ärger über Geldverschwendung. Das alles hat jetzt ein Ende: Das sogenannte Luxus-Klo von Ahrensburg wurde am Donnerstagabend abgebaut.

Pro Klogang 57 Euro - rein rechnerisch

"Ich hätte mir gewünscht, dass Ahrensburg aus anderen Gründen bekannt wird", sagt Bürgermeister Michael Sarach (SPD). 2016 schaffte es die Luxus-Toilette in das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler - und gelangte damit deutschlandweit zu Ruhm und zweifelhafter Ehre. Der Vorwurf: Während im Durchschnitt zwei Menschen täglich die öffentliche Toilette nutzten und dafür 50 Cent zahlten, hat die Stadt diesen Toilettengang rein rechnerisch jeweils mit 57 Euro subventioniert. Ein Rechenergebnis aus Bau, Unterhaltungskosten und Nutzung. Die Empörung in der Bevölkerung war groß - der Begriff "Luxus-Klo" geboren.

Auch der Abbau kostet einiges

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Die Posse um die Luxus-Toilette von Ahrensburg hat ein vorläufiges Ende.

Die Stadt handelte im vergangenen Jahr. Sie kündigte erst den Mietvertrag mit dem Betreiber, ruderte dann aber wieder zurück. Immerhin: Die Miete wurde auf rund die Hälfte reduziert. Nun kostete jeder Toilettengang die Stadt nur noch rund 30 Euro. Die Stadt wollte aber sicherstellen, dass es im Zentrum weiter eine behindertengerechte Toilette gibt. Nach 15 Jahren wurde diese Toilette nun nach einem Beschluss der Stadtverordneten abgebaut. Die Kosten dafür beziffert Bürgermeister Sarach auf bis zu 15.000 Euro.

Neue Toilette für 150.000 Euro geplant

Aber wohin dann bei einem dringenden Bedürfnis? Dafür haben die Stadtverordneten eine Lösung parat. Es wird eine neue öffentliche Toilette gebaut, ein paar Straßen weiter in der Großen Straße auf städtischem Grund. Betreiber wird die Stadt selbst. "Auch das wird sich wirtschaftlich nicht tragen", sagt Bürgermeister Sarach, "aber man kann nicht alles unter wirtschaftlichen Aspekten betrachten. Wichtig ist, dass auch Menschen mit Handicap ihre Notdurft in Ahrensburg verrichten können." Für die neue Toilette sind in dem bislang noch nicht genehmigten Haushalt 150.000 Euro eingestellt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.01.2018 | 17:00 Uhr

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