Ein Feld mit Maisanbau vor einem Gewässer. © NDR Foto: Screenshot NDR

Agrarforscher: Neue Düngeverordnung nicht ausreichend

Stand: 28.08.2021 11:36 Uhr

Ende 2020 ist die neue Landes-Düngeverordnung in Kraft getreten. Sie soll das Grundwasser vor Nitrat-Verunreinigungen durch Überdüngung schützen. Ein Agrarforscher kritisiert die Verordnung.

Die neue Düngeverordnung funktioniert nicht wie geplant, sagt der Agrar- und Umweltforscher Friedhelm Taube von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Seine Kollegen und er haben auf dem ökologischen Versuchsgut der Uni Kiel in Lindhöft in einem Langzeitexperiment untersucht, ob die neue Düngeverordnung die Wasserqualität verbessert. Taubes Fazit: "Die Stickstoffüberschüsse werden niedriger, das steht außer Frage. Aber es reicht noch nicht aus. Die Stickstoffüberschüsse müssen weiter sinken."

Strenge Regeln gelten auf weniger Gebieten als vorher

Ein Mann (Prof. Friedhelm Taube) steht vor einem Maisfeld und spricht. © NDR Foto: Screenshot NDR
Agrarforscher Friedhelm Taube plädiert für 20 Prozent weniger Stickstoffeinsatz landesweit.

Das Problem: In Schleswig-Holstein haben sich die Gebiete, auf denen strenge Regeln gelten, mit der neuen Düngeverordnung verkleinert. Galten zuvor mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen als gefährdet, was das Grundwasser angeht, sind es jetzt nur noch fünf Prozent. Nur dort müssen Landwirte zusätzlich verschärfte Regeln anwenden, zum Beispiel pauschal 20 Prozent weniger düngen. Doch laut Friedhelm Taube müssten alle Gewässer im Land vor zu viel Düngung geschützt werden.

Staatssekretärin: Müssen überall Stickstoffdüngung reduzieren

Ähnlich sieht das Staatssekretärin Doris Kuhnt: "Eigentlich müssten wir überall die Stickstoffdüngung reduzieren. Wir dürfen nicht nur auf das Grundwasser schauen, sondern auch auf die Oberflächengewässer, auf die Meere, in denen der Stickstoff ja auch landet, und auf die Naturschutzgebiete."

Auf zehn Prozent der Flächen gar nicht düngen

Friedhelm Taube plädiert für 20 Prozent weniger Stickstoffeinsatz landesweit. Er schlägt für die Umsetzung vor, dass die Landwirte auf 90 Prozent ihrer Flächen zehn Prozent weniger düngen, das wirke sich kaum auf die Erträge aus. Und auf den restlichen zehn Prozent der Flächen sollten sie gar nicht düngen. Dafür solle der Landwirt dann eine Ausgleichszahlung bekommen.

Bauernverband: Großer volkswirtschaftlicher Schaden

Ein Mann (Stephan Gersteuer) steht vor einem Gebäude und spricht. © NDR Foto: Screenshot NDR
Stephan Gersteuer vom Bauernverband hält nicht viel von Taubes Vorschlägen.

Der Bauernverband ist von diesem Vorschlag nicht angetan und setzt auf eine flächendeckende Düngeberatung, um den Stickstoffeinsatz weiter zu senken. Der Generalsekretär des Bauernverbandes, Stephan Gersteuer, betont: "Es würde kein Landwirt verstehen, wenn die Düngeverordnung nochmal geändert wird." Die vorgeschlagenen 20 Prozent weniger Stickstoffeinsatz würden zu einem großen volkswirtschaftlichen Schaden führen "und es wäre juristisch nicht zu rechtfertigen", so Gersteuer. Taubes Pläne seien nicht finanzierbar, so der Bauernverband. Laut Staatssekretärin ist die Idee von Taube bundesweit kaum durchsetzbar.

Taube sagt: Mit seiner Idee würden am Ende alle gewinnen: die Landwirtschaft und die Umwelt.

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