Eine Frau in weißem Schutzanzug, mit Maske und Visier steht in einem Container am Fähranleger Norddeich. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt

Urlaub: Inseln legen Konzept für doppelte Test-Strategie vor

Stand: 20.03.2021 09:27 Uhr

Urlaub auf Mallorca ist wieder möglich - nicht jedoch auf einer der Ostfriesischen Inseln. Insel-Bürgermeister und Touristiker haben Ideen vorgestellt, wie auch dorthin wieder Reisen möglich wären.

Die Verantwortlichen auf den Inseln wollen "keine Öffnung um jeden Preis", sondern "eine verantwortungsvolle und der Pandemie gerecht werdende Lösung", sagte der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Ostfriesischen Inseln GmbH, Wilhelm Loth, am Freitag. Deshalb schlagen die Inseln eine doppelte Test-Strategie vor.

Erster Test vor Anreise, zweiter auf der Insel

Diese sieht vor, dass Urlauber nur mit einem negativen PCR-Test anreisen dürfen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Ein solcher Nachweis sei gut kontrollierbar, da die Gäste nur mit Fähren oder Flieger auf die Inseln kommen können, sagte Wangerooges Inselbürgermeister Marcel Fangohr (parteilos). Zwei bis vier Tage später sollen sich die Gäste dann dem Vorschlag zufolge auf ihrer Urlaubs-Insel einem Corona-Schnelltest unterziehen. Halten sie sich länger dort auf, soll dies wöchentlich wiederholt werden. Abgesichert durch die Tests könnten Hotels, Unterkünfte und Restaurants wieder öffnen, sagte Fangohr. "Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass die Inzidenzzahlen und die Risikobewertung auch eher gering sind." Tagestourismus solle zunächst nicht möglich sein.

Wie können Infizierte die Inseln sicher verlassen?

Ein Konzept mit dieser doppelten Teststrategie wollen die Inseln dem Land vorschlagen. Einige Fragen sind allerdings noch nicht geklärt, etwa wie positiv getestete Gäste die Inseln sicher wieder verlassen können - und wer genau die Tests kontrollieren darf.

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Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sieht die Probleme, die die Inseln durch den Tourismus-Ausfall haben. "Nach einem Jahr Corona-Pandemie ist die Situation in der Tourismusbranche und ganz besonders auf den Ostfriesischen Inseln mehr als ernst." Die steigenden Infektionszahlen durch das mutierende Coronavirus mögen zwar besorgniserregend sein, aber die Tourismusbranche und das Wirtschaftsministerium arbeiteten an Konzepten, wie erste Öffnungen bei umfassendem Gesundheitsschutz möglich sein könnten. "Mit betrieblichen Hygienekonzepten, kommunalen Teststrategien, beschränkten Kapazitätsauslastungen und einer digitalen Kontaktnachverfolgung sollte dies nicht nur den Ostfriesischen Inseln ermöglicht werden", sagte Althusmann weiter.

Schnelltest-Zentrum am Fähranleger in Norddeich

Die Reederei Norden-Frisia hat bereits ein Schnelltest-Zentrum am Fähranleger in Norddeich eingerichtet. "Für den Fall, dass eine verpflichtende Test-Regelung kommt, sind wir vorbereitet", sagte Reederei-Sprecher Fred Meyer. Geschäftsreisende oder Handwerker können sich dort bereits freiwillig auf Corona testen lassen. Das Angebot werde bereits gut angenommen, sagte Meyer. Ein weiteres Testangebot soll in der kommenden Woche auf Norderney eingerichtet werden. Die Reederei sei "verhalten optimistisch", dass Osterurlaube auf den Inseln noch möglich sein werden, sagte Meyer.

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Göran Sell von der Ostfriesische Inseln GmbH machte auf das besondere Problem aufmerksam, dass die Inseln durch die fehlender Urlauber haben: Die Wirtschaft hänge vom Tourismus ab, der seit Anfang November brach liege. Normalerweise verzeichneten die sieben Inseln zusammen jährlich rund zehn Millionen Übernachtungen und einen Umsatz von etwa einer Milliarde Euro. Die Verantwortlichen auf den Inseln sind zudem verärgert, dass Urlaub auf Mallorca wieder problemlos möglich ist. Es könne nicht sein, dass Ferienflieger zu den Balearen dürften, die Menschen aber nicht auf die heimischen Inseln kommen könnten, sagte der Vorsitzende der Insel-Gesellschafterversammlung Loth.

Hoffnung auf Bund-Länder-Beratungen

Wie es nun weitergeht, dürfte auch Thema bei den kommenden Bund-Länder-Beratungen am Montag sein. Wirtschaftsminister Althusmann erwartet, dass dort Perspektiven für die Tourismusbranche aufgezeigt werden. Allerdings hat die Landesregierung zuletzt einem Osterurlaub in Niedersachsen aufgrund der deutlich steigenden Zahl der Neuinfektionen wenig Chancen eingeräumt. "So gern wir das alles möglich machen würden: Die Situation ist leider im Moment noch eine andere und wir befinden uns in einer problematischen Phase", hatte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Montag auf der wöchentlichen Pressekonferenz des Krisenstabs gesagt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.03.2021 | 18:00 Uhr

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