Greenpeace-Aktivisten halten einen Bund Autoschlüssel in die Kamera. © NDR

Protest gegen Verbrenner: Greenpeace entwendet VW-Schlüssel

Stand: 26.05.2021 17:56 Uhr

Mit einer Aktion haben Umweltschützer von Greenpeace am Mittwoch das Verschiffen von VW-Autos verhindert: Im Verladehafen Emden entwendeten sie bei Hunderten Fahrzeugen die Zündschlüssel.

Über die genauen Zahlen gibt es unterschiedliche Angaben. Die Polizei meldete, dass 15 Greenpeace-Aktivistinnen und Aktivisten über einen Zaun geklettert seien und 300 bis 400 Schlüssel von Neufahrzeugen entwendet hätten. Eine zweistellige Zahl an Schlüsseln sei sichergestellt worden. Eine Greenpeace-Sprecherin sprach hingegen von 20 Aktivisten. Rund 1.000 Schlüssel seien demnach zum Teil mit einem Elektroboot weggeschafft worden. Sie sollen an einen "Ort der Klimazerstörung" in Deutschland gebracht werden. Die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs und besonders schweren Diebstahls und schätzt den Schaden auf eine sechsstellige Summe. Laut einer VW-Sprecherin können die Fahrzeuge derzeit nicht bewegt werden.

Ökologischer Fußabdruck so groß wie die Schweiz

"Dieser Hafen ist ein Schauplatz der Scheinheiligkeit von Volkswagen. Als weltweit zweitgrößter Autobauer entscheidet VW mit seiner Modellpolitik maßgeblich über den globalen CO2-Ausstoß im Verkehr“, sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. Die Autos, die in Emden im Jahr verladen werden, hinterließen laut Greenpeace einen ebenso großen ökologischen Fußabdruck wie die gesamte Schweiz. Die Umweltschutzorganisation fordert von VW daher einen schnellen Ausstieg aus Verbrennungsmotoren. "Will VW seiner Klimaverantwortung gerecht werden, muss der Konzern aufhören, weitere Diesel und Benziner zu entwickeln und in alle Welt zu verkaufen", so Stephan. Nach Angaben der Umweltschützer stellt sich der Konzern zwar als Elektro-Vorreiter dar, produziere jedoch weiter zu mehr als 90 Prozent der Autos mit Verbrennungsmotor. Zudem wolle VW Milliarden in die Entwicklung neuer Verbrenner investieren.

VW nennt kein Datum für Ausstieg

VW ging in einer Stellungnahme nicht näher auf die Aktion ein, teilte aber mit, das Unternehmen sei offen für einen kritischen Dialog. Der Konzern betont immer wieder, Weltmarktführer im Bereich E-Autos und bis 2050 klimaneutral werden zu wollen. Bis 2030 soll es 70 Elektro-Modelle geben und 60 Prozent der Flotte soll mit Batterie fahren. In Emden soll das Werk in einigen Jahren nur noch Elektroautos bauen, die ersten sollen im kommenden Jahr vom Band laufen. Jeder neunte Mitarbeitende fahre jetzt schon ein E-Auto, heißt es.


26.05.2021 17:51 Uhr

Hinweis der Redaktion: Wir haben die Aktion in einer früheren Version dieses Textes als "gewieft" bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine unangemessene Formulierung. Wir bedauern diesen Fehler und haben den Text entsprechend geändert.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.05.2021 | 17:30 Uhr

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