Ein Strandhotel auf Juist im Sonnenuntergang, Strandkörbe stehen auf dem Strand. © picture alliance | Jochen Tack Foto: Jochen Tack

Mallorca erlaubt, Nordsee-Urlaub nicht: Frust im Gastgewerbe

Stand: 16.03.2021 21:33 Uhr

Reisen nach Mallorca und in andere europäische Regionen sind wieder ohne Testpflicht und Quarantäne möglich. Wann Hotels in Niedersachsen öffnen dürfen, ist dagegen ungewiss. Das erzeugt Frust.

"Für uns Gastronomen war es ein Schlag in die Magengrube, als diese Nachricht mit Mallorca kam", sagte der Vorsitzende des Stadtverbands Wilhelmshaven des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Olaf Stamsen. "Wir haben uns verraten gefühlt von der bundesdeutschen Politik, diese Gebiete freizugeben."

Niedrige Inzidenz auch auf Ostfriesischen Inseln

Vor allem an der Nordseeküste können die Gastronomen, Hoteliers und Ferienwohnungsbesitzer die Entscheidung nicht nachvollziehen. Stamsen weist darauf hin, dass es auch in Deutschland Regionen mit einem niedrigen Inzidenzwert gibt - etwa die Ostfriesischen Inseln. Hotels und Gaststätten hätten umfassende Hygienestrategien erarbeitet.

TUI verdoppelt Zahl der Flüge nach Mallorca

Doch während die Tourismusbranche hierzulande noch mindestens bis zum 28. März geschlossen bleibt, verzeichnete der Reisekonzern TUI in den vergangenen Tagen doppelt so viele Buchungen für Mallorca wie im gleichen Zeitraum 2019 - also im Jahr vor der Corona-Pandemie. Der Konzern hat deshalb auch sein Kontingent verdoppelt und bietet eigenen Angaben zufolge in den Osterferien 300 Hin- und Rückflüge nach Mallorca an. Auch sein Hotelangebot auf der spanischen Insel weitet der Reiseveranstalter aus.

Eilantrag gegen Beherbergungsverbot und Restaurant-Schließungen

Die Ungleichbehandlung wollen der Betreiber eines Ferienparks im Landkreis Goslar und ein Restaurant-Besitzer aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg nicht hinnehmen. Mit Unterstützung vom Branchenverband Dehoga ziehen sie vor Gericht. Beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg haben sie Eilanträge eingereicht, die sich gegen das Beherbergungsverbot und die Schließung der Gastronomie richten.

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Düstere Prognose für Osterurlaub in Niedersachsen

Bei den am Montag, 22. März, anstehenden Bund-Länder-Beratungen soll es auch um Perspektiven für die Tourismusbranche gehen. Die Landesregierung hatte einem Osterurlaub in Niedersachsen aufgrund der deutlich steigenden Zahl der Neuinfektionen im Land zuletzt wenig Chancen eingeräumt. "So gern wir das alles möglich machen würden: Die Situation ist leider im Moment noch eine andere und wir befinden uns in einer problematischen Phase", hatte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Montag auf der wöchentlichen Pressekonferenz des Krisenstabs gesagt.

Test vor Inselurlaub gibt keine Gewissheit

Selbst wenn Urlauberinnen und Urlauber etwa vor dem Betreten der Fähren zu den Nordseeinseln getestet würden, gäbe ein negatives Ergebnis keine Gewissheit. Denn die Betroffenen könnten sich bereits in den Tagen zuvor oder auf der Bahnfahrt zur Fähre infiziert haben - was der Test jedoch nicht anzeige. In der Folge bestünde die Gefahr, dass die Viruslast dann während des Inselurlaubs ansteige, so Pörksen.

Regierungssprecherin warnt vor Infektionsgefahr auf Mallorca

Gleichzeitig warnte die Regierungssprecherin vor Reisen nach Mallorca. Die Menschen müssten sich darüber bewusst sein, dass diese ein Risiko bergen - diesem müsse man sich nicht aussetzen. Dort träfen sich Menschen aus ganz Deutschland und Europa - und es bestehe die Gefahr, dass sich Infektionen verbreiten. Dass aktuell bei der Rückkehr weder Quarantäne noch Tests vorgesehen sind, sei problematisch. Niedersachsen werde deshalb beim Bund noch einmal wegen der Sicherheit der Reiserückkehrerinnen und -rückkehrer nachhaken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.03.2021 | 12:00 Uhr

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