Stand: 05.12.2018 19:15 Uhr

Geplante Besenderung: Wölfe tricksen Experten aus

Nach der angeblichen Wolfs-Attacke auf einen Mann in Steinfeld (Landkreis Rotenburg) hat Umweltminister Olaf Lies (SPD) angekündigt, dass dort beheimatete Wolfsrudel intensiv beobachten zu lassen. Sowohl die beiden Elterntiere als auch ihre sieben Jungen sollen mit Sendern versehen werden, sagte Lies. Diese Maßnahme scheint allerdings eine erhebliche Herausforderung darzustellen. Wie eine Sprecherin des Umweltministeriums bestätigte, wird seit etlichen Wochen erfolglos versucht, einen Wolf eines Rudels im Raum Munster zu besendern. Bislang sei kein Tier in die auf dem Bundeswehrgelände aufgestellte Kastenfalle gelaufen.

Der Wolf vor der Kamera.

Wölfe: Besseres Monitoring durch Sender

Hallo Niedersachsen -

Ein Sender könnte dabei helfen, Wolfsangriffe eindeutig zu identifizieren. Eine Idee, die auch Tierschützer befürworten. Doch dafür muss man sie erst mal einfangen.

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Besenderung: Neues Verfahren geplant

Bei der geplanten Besenderung des Steinfelder Wolfsrudels wollen die Experten deshalb anders vorgehen. Nach Angaben der Ministeriumssprecherin seien dazu am Dienstag Gespräche mit einem externen Unternehmen geführt worden. Dabei wurde beschlossen, dass die Tiere mit einer Schlinge oder einer sogenannten Soft-Catch-Falle eingefangen werden sollen. Dabei handelt es sich um eine Tretfalle, deren Schlagbügel mit weichem Material ummantelt sind, um die Verletzungsgefahr für die Wölfe zu minimieren. Ob diese Methode am Ende schneller zu einer erfolgreichen Besenderung führt, sei offen, so die Sprecherin. Lies sagte, es könne Wochen oder gar Monate dauern.

NABU hält Besenderung für problematisch

Der Naturschutzbund (NABU) bezweifelt den Nutzen der geplanten Besenderung. Die gesammelten Daten könnten sogar Ängste hervorrufen, sagte Landeschef Holger Buschmann NDR 1 Niedersachsen. Schließlich könnten die Daten zeigen, dass Wölfe nachts auch mal durch Wohngebiete liefen, was völlig normal sei. Buschmann kritisierte zudem den aus seiner Sicht "hysterischen Umgang" mit dem Thema Wolf. Das erinnere ihn an die Hexenjagd im Mittelalter. Politiker und Lobbyisten verbreiteten bewusst Panik, um den Wolf loszuwerden.

DNA-Analyse lässt Fragen offen

Auslöser für die geplante Besenderung ist der Vorfall aus Steinfeld: Ein 55-jähriger Gemeindemitarbeiter hatte am vergangenen Mittwoch der Polizei geschildert, dass am Tag zuvor bei Arbeiten an einer Friedhofsmauer ein Wolf nach seiner Hand geschnappt habe. Drei weitere Wölfe hätten die Szene beobachtet. Eine DNA-Analyse bestätigte dies jedoch nicht. In den untersuchten Proben wurden lediglich Spuren von Reh, Katze und Hund nachgewiesen. Eine Wolfs-Attacke sei dennoch nicht auszuschließen, sagte Lies. Er betonte, er habe sich ein klareres Ergebnis gewünscht, um zielgerichteter agieren zu können.

CDU will weiteres Gutachten

Die niedersächsische CDU fordert nun ein zweites Gutachten. "Der Verdacht konnte nicht ausgeräumt werden", sagte Generalsekretär Kai Seefried. "Das Umweltministerium sollte den vermeintlichen Wolfs-Angriff daher nicht einfach abtun." Er könne sehr gut verstehen, wenn sich die Anwohner nun Sorgen machen würden, betonte Seefried.

Angst vor Wölfen auf dem Land besonders groß

Tatsächlich scheint in der Bevölkerung Verunsicherung zu herrschen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von t-online hat in ländlichen Regionen jeder vierte Bewohner Angst vor Wölfen, in dichter besiedelten Gebieten ist es jeder Siebte. Besonders besorgt zeigten sich dabei Menschen über 65 Jahre. Von den unter 29-Jährigen brachte dagegen nur jeder Zehnte Befürchtungen zum Ausdruck.

Video zeigt Wolf bei Osterholz-Scharmbeck

Unterdessen ist am vergangenen Freitag bei Osterholz-Scharmbeck (Landkreis Osterholz) von einem Jäger erneut ein Wolf gesichtet worden. Ein Video, das zunächst Radio Bremen veröffentlichte, zeigt, wie das Tier durch ein Waldgebiet streift. Die Landesjägerschaft Niedersachsen hat bereits bestätigt, dass es sich dabei eindeutig um einen Wolf handele.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 05.12.2018 | 17:00 Uhr

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