Stand: 05.06.2018 18:51 Uhr

Medikamententests: Leiterin entschuldigt sich

Bis Mitte der 1970er-Jahre sind behinderte Kinder als Patienten der Rotenburger Werke systematisch mit Medikamten ruhiggestellt worden. Dabei wurden auf Wunsch der Pharmaindustrie an den Kindern auch Medikamente getestet, die noch gar nicht zugelassen waren. Nachdem Wissenschaftler im Auftrag der Rotenburger Werke diese dunkle Vergangenheit aufgearbeitet haben, hat sich am Dienstag die Geschäftsführerin der Rotenburger Werke bei allen ehemaligen Patienten entschuldigt. Dies berichtet NDR 1 Niedersachsen.

Schadensersatz für Patienten

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Illegale Medikamententests an Heimkindern

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Bis weit in die 1970er-Jahre wurden an rund 80 Kindern und Jugendlichen mit Behinderung, die in den Rotenburger Werken lebten, illegal Medikamente getestet. Video (04:21 min)

Jutta Wendland-Park bot an, allen betroffenen Patienten juristisch zu helfen, damit sie ihren Anspruch auf Schadensersatz für das vor Jahren erlittene Unrecht geltend machen können. Möglich macht dies eine Gesetzesänderung aus dem vergangenen Jahr: Demnach sind die Ansprüche der Opfer nicht verjährt. Die Schadensersatzforderungen sollen nun nach und nach beim zuständigen Entschädigungsfonds des Bundes eingereicht werden.

Keine Konsequenzen für Täter und Pharmaindustrie?

Für die Täter von damals wird die Aufarbeitung wohl keine Konsequenzen haben. Die meisten Taten seien inzwischen verjährt, sagte Hans-Walter Schmuhl, der die Studie mitverfasst hat. Auch die Pharmaindustrie wird sich wohl nicht für ihre Medikamentenexperimente an Kindern verantworten müssen: Dies war damals zwar moralisch zweifelhaft, aber offiziell erlaubt.

Weitere Informationen

Medikamentenversuche an Kindern in Rotenburg

Ärzte haben bis in die 1970er-Jahre illegal Medikamente an Kindern und Jugendlichen getestet. Die Rotenburger Werke haben diese dunkle Vergangenheit in einem Buch aufgearbeitet. (04.06.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 05.06.2018 | 17:00 Uhr

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