Stand: 01.09.2020 22:11 Uhr

Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst starten

von Marlene Kukral
Frau mit ver.di-Logo auf der Wange und Trillerpfeife im Mund. © dpa Foto: Frank May
Streiks nicht ausgeschlossen: Die Gewerkschaften geben sich kampfbereit. (Themenbild)

In Potsdam haben am Dienstag die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst begonnen. Die Gewerkschaften fordern 4,8 Prozent mehr Lohn für die nächsten zwölf Monate und mindestens 150 Euro zusätzlich im Monat für die Beschäftigten. Die Löhne für Auszubildende und Praktikanten sollen um 100 Euro im Monat angehoben werden. Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) hofft als Verhandlungsführer auf einen "Pakt der Vernunft".

Verhandlungsführer Mädge: "Können sehr wenig verteilen"

Ulrich Mädge – Oberbürgermeister Lüneburg / Verhandlungsführer Arbeitgeberseite © Marlene Kukral Foto: Marlene Kukral
Lüneburgs OB Mädge vertritt die Seite der kommunalen Arbeitgeber. Er sieht kaum Spielraum.

Als "nicht realistisch" bezeichnet Mädge die Forderungen der Gewerkschaften im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Was die Arbeitgeber bereit sind zu zahlen, will er im Vorfeld der Verhandlungen nicht verraten. "Natürlich können wir sehr wenig verteilen, gerade wenn man sieht, dass den Kommunen in diesem Jahr wegen der Pandemie fast 20 Milliarden Euro fehlen, im nächsten Jahr auch und im übernächsten Jahr auch", so Mädge. Er will für einen "Pakt der Vernunft" werben, der für die nächsten drei Jahre gelten soll.

Ver.di Landeschef Ahting: "Applaus hilft niemandem"

Detlef Ahting – Landesleiter ver.di Niedersachsen/Bremen © ver.di Foto: ver.di
Ver.di Landeschef Ahting will die Leistung der Beschäftigten in der Corona-Krise belohnt sehen.

Mehr als 2,2 Millionen Beschäftigte arbeiten in Deutschland im öffentlichen Dienst. Durch die Corona-Pandemie hatten viele deutlich mehr Arbeit, wie etwa Krankenschwestern und Pflegekräfte. "Während der Corona-Pandemie hielten und halten die Beschäftigten im öffentlichen Dienst das Land am Laufen", sagt Detlef Ahting, der Landesleiter ver.di Niedersachsen/Bremen. Das müsse sich auch in der Tarifrunde ausdrücken. "Applaus hilft niemanden, erst recht nicht den Beschäftigten und der Konjunktur", so Ahting.

Krankenkassen bei Pflegekräften in der Pflicht

Auch die Arbeitgeber sagen, dass man sich die Struktur der Bezahlung von Pflegekräften ansehen müsse. Mädge sieht hier aber auch die gesetzlichen Krankenkassen als Kostenträger in der Pflicht. "Viele Häuser, insbesondere kommunale Häuser sind schon in roten Zahlen, nicht zuletzt durch die Pandemie. Und eine Privatisierung von kommunalen Einrichtungen wollen glaube ich Gewerkschaften und wir auch nicht", so Mädge.

Kommunale Arbeitgeber wollen "Arbeitsplätze sichern"

Mädge setzt auf die gemeinsame Verantwortung von Gewerkschaften und Arbeitgebern. Schließlich gehe es um mehr als 2,2 Millionen Beschäftigte in Deutschland. "Und ich will deren Arbeitsplätze sichern und die Ausbildungsplätze sichern, und weiter mehr ausbilden und in Bildung investieren, das ist das Ziel der kommunalen Arbeitgeber und daran kann man uns messen", sagt Mädge.

Gewerkschaften schließen Streiks nicht aus

Die Gewerkschaften haben wiederum keine Angst vor einem tariflichen Konflikt. Drei Verhandlungsrunden sind bereits geplant. Sollten sich die zwei Seiten nicht einigen, sind auch Streiks im öffentlichen Dienst nicht ausgeschlossen.

Weitere Informationen
Zwei Männer mit Ver.di-Fahnen und Mundschutz demonstrieren in Neumünster für mehr Lohn. © screenshot

Ver.di fordert 4,8 Prozent mehr Lohn

Die Gewerkschaft ver.di will mehr Geld für die 56.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Auch Auszubildende sollen eine höhere Vergütung bekommen. Dienstag starten die Verhandlungen. mehr

Eine Teilnehmerin eines Streiks der Hamburger Bezirksämter steht vor dem Bezirksamt Wandsbek und bläst in eine Trillerpfeife. © dpa-Bildfunk Foto: Daniel Bockwoldt

Tarifrunde im öffentlichen Dienst: Gewerkschaft kampfbereit

In der kommende Woche beginnen die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Davon hängen in Hamburg die Löhne von rund 45.000 Menschen ab. Die Gewerkschaft ver.di zeigt sich kampfbereit. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.09.2020 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Jemand macht eine Strichliste neben der Abbildung von Viren. © picture alliance, panthermedia Foto: Image Broker

Hannover überschreitet Grenzwert für Corona-Neuinfektionen

Das Landesgesundheitsamt hat 52,7 Infektionen auf 100.000 Einwohner gemeldet. Weitere Corona-Regeln gelten ab sofort. mehr

Ein altmodischer Wecker steht auf 2:00 Uhr © Christine Raczka Foto: Christine Raczka

Ungeliebte Zeitumstellung: Es wird weiter an der Uhr gedreht

In Niedersachsen hatten sich 2019 viele Menschen bei einer EU-Umfrage gegen den halbjährlichen Wechsel entschieden. mehr

Hannovers Florent Muslija bejubelt sein Tor zum 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf mit Niklas Hult, Marvin Ducksch und Hendrik Weydandt (v.r.) © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen/dpa

Aufstiegskampf? Hannover 96 zeigt Düsseldorf, wie's geht

Hannover 96 hat das vermeintliche Topspiel gegen Fortuna Düsseldorf souverän gewonnen. So spielen die Niedersachsen oben mit. mehr

Ein Formular zur Erhebung der Kontaktdaten liegt in einem Café auf einem Tisch. © picture alliance/Hauke-Christian Dittrich/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich

Verstärkte Corona-Kontrollen in Niedersachsen am Wochenende

In mehreren Regionen gelten seit Kurzem strengere Regeln. Landkreise kündigen teilweise "empfindliche Strafen" an. mehr