Stand: 15.05.2020 19:56 Uhr

Neue Verordnung: Wolfsabschuss wird erleichtert

Ein Wolfsauge. © NDR
Durch die neue Verordnung können auch andere Tiere eines Rudels abgeschossen werden, wenn sich in diesem ein gesuchter Wolf befindet, der aber nicht eindeutig identifiziert werden konnte (Symbolfoto).

Wölfe sollen in Niedersachsen künftig leichter getötet werden können. Das geht aus der neuen Wolfsverordnung hervor, die Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Freitag vorgestellt hat. Mit der Verordnung werden einige Bereiche des Landes faktisch zu wolfsfreien Zonen erklärt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. So etwa an der Küste. "Am Deich hat der Wolf nichts zu suchen", sagte Lies. Wenn Wölfe sich dort ansiedeln und in der Folge Schafe reißen, dürfen sie geschossen werden.

Schutzzäune nicht mehr pauschal empfohlen

Auch in der Lüneburger Heide gelten Sonderregeln. Hier müssen die Schafe nicht eingezäunt werden, es reicht wenn der Schäfer sie bewacht. Wölfe, die Tiere reißen, können dann ebenfalls sofort geschossen werden. Weidertierhaltern wird entsprechend nicht mehr pauschal empfohlen, Elektroschutzzäune in Höhe von 1,20 Meter zu errichten. "Wo Hüteschäfer über weiträumige Naturschutzflächen - wie in der Lüneburger Heide - ziehen, sind wolfsabweisende Zäune keine Option", sagte Lies.

Lies: Rechtssicherheit für Jäger

Für das ganze Land gilt: Nähert ein Wolf sich auf weniger als 30 Meter einem Menschen oder greift er ihn gar an, kann dieses Tier auch sofort getötet werden. Und wenn ein Wolf zweimal einen fachgerecht aufgestellten Zaun überwindet und Schafe reißt, wird er ebenfalls sofort zum Abschuss freigegeben. Sollte ein gesuchter Wolf nicht eindeutig identifiziert werden können, dürfen auch andere Wölfe aus diesem Rudel abgeschossen werden. Erster Ansprechpartner für das behördlich angeordnete Töten von Wölfen sind die Jäger. Mit der Verordnung hätten sie jetzt Rechtssicherheit, so Lies.

Bund soll Obergrenze für Zahl der Wölfe definieren

Auch wenn Abschüsse jetzt erleichtert werden, stehe Niedersachsen ohne Wenn und Aber zum Schutz des Wolfes, sagte Lies. Er erneuerte gleichzeitig aber auch seine Forderung nach Art Obergrenze für die Zahl der Wölfe in Deutschland. "Wie viele Wölfe und Rudel bedarf es, um zu vermeiden, dass der Wolf wieder ausstirbt?", fragte Lies mit Blick auf die im Dezember beschlossene Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes. Der Bund müsse eine Zahl definieren, diese könne sich auch jährlich ändern.

Kritik von den Grünen

Der Entwurf der am Dienstag im Landtag vorgestellten Wolfsverordnung befindet sich in der Abstimmung mit anderen niedersächsischen Ministerien und kann vermutlich in einigen Wochen in Kraft treten. Scharfe Kritik kommt von den Grünen: Der Landtagsabgeordnete Christian Meyer geht davon aus, dass die Verordnung nur ein Papiertiger bleibe und Lies damit vor dem Europäischen Gerichtshof scheitern werde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.05.2020 | 15:00 Uhr

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