VIDEO: Neue Wolfsverordnung in Niedersachsen (1 Min)

Jagd auf Wolf: Bund erteilt Niedersachsen eine Absage

Stand: 13.11.2020 18:55 Uhr

Niedersachsen möchte den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen und damit den Bestand regulieren. Der Bund will jedoch entsprechende Gesetze nicht im Alleingang ändern und verweist auf europäische Richtlinien.

Wenn es eine bestimmte Anzahl von Wölfen in Niedersachsen gibt, sollen sie geschossen werden dürfen. Das hat der Niedersächsische Landtag am Mittwoch beschlossen und die Landesregierung aufgefordert, sich mit diesem Wunsch an den Bund zu wenden, die entsprechenden Gesetze zu ändern. Das Bundesumweltministerium aber erteilt Niedersachsens Anliegen, die Wolfspopulation durch Abschuss kontrollieren zu dürfen, eine Absage.

Bund: Kein nationaler Alleingang möglich

Auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen stellte eine Sprecherin des Ministeriums klar: Auch wenn der Wolf in das niedersächsische Landesjagdrecht aufgenommen werde, dürfe er als streng geschützte Art nicht gejagt werden, sondern unterliege einer ganzjährigen Schonzeit. Deswegen hält es das Bundesumweltministerium für verfassungsrechtlich bedenklich, den Wolf überhaupt in das Landesjagdrecht aufzunehmen. Auch könne man nicht im nationalen Alleingang bestimmen, wann es in einer Region genug Wölfe gibt, so wie sich das Niedersachsen in seinem Landtagsbeschluss vorstelle, heißt es. Das geschehe nämlich nach europaweit einheitlichen Kriterien in einem länder- und ressortabgestimmten Verfahren, an dem auch Niedersachsen beteiligt sei, sagte die Sprecherin des Bundesumweltministeriums.

Mehr Wölfe im Landkreis Celle als in Kanada?

Die Haltung des Bundesumweltministeriums stieß bei der niedersächsischen CDU auf Kritik. Das Ministerium ducke sich in der Wolfsfrage weg und lasse die betroffenen Bürger allein, sagte der CDU-Fraktionsvize Martin Bäumer. Dass man den Erhaltungszustand des Wolfes im vergangenen Jahr als ungünstig bewertet habe, liege auch am bewussten Verwenden von veralteten Zahlen. "Wie festgestellt wurde, gibt es im Landkreis Celle schon heute statistisch mehr Wölfe als in ganz Kanada. Beim Verweis auf die angebliche Unvereinbarkeit der niedersächsischen Vorschläge mit der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU und dem damit verbundenen Hinweis, die Vorschläge wären damit rechtlich ausgeschlossen, wird mit keinem Wort erwähnt, warum der Abschuss von Wölfen in anderen Ländern Europas funktioniert", so Bäumer.

EU verbietet präventiven Abschuss von Wölfen

Der Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland sei im Übrigen noch im vergangenen Jahr als ungünstig bewertet worden. Aber selbst wenn die Population als günstig bewertet würde, wäre ein präventiver Abschuss von Wölfen ohne Anlass trotzdem nicht erlaubt. Denn das sei mit der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU unvereinbar und damit rechtlich ausgeschlossen, hieß es aus dem Bundesumweltministerium. Das habe der europäische Gerichtshof 2019 bestätigt.

Weitere Informationen
Mehrere Wölfe machen Halt auf einem Waldweg und schauen in die Kamera. © NDR

Wolfs-Bestand: Debatte um Aufnahme ins Jagdrecht

Umweltminister Lies verteidigt den Vorstoß der Großen Koalition. Die Grünen halten die Pläne für nicht zielführend. (11.11.20202) mehr

Zwei Wölfe stehen auf einer Wiese vor einem Wald, der vordere hat ein Halsband um. © dpa-Bildfunk Foto: Konstantin Knorr

Niedersachsens Wolfsverordnung kurz vor Veröffentlichung

Sie soll den Abschuss von Wölfen rechtssicherer machen. Das Land plant zudem eine Bundesratsinitiative zu Schutzzäunen. (11.11.2020) mehr

Ein Wolf steht im Wald. © picture alliance Foto: Patrick Pleul

Wolf soll in Niedersachsen ins Jagdrecht aufgenommen werden

Darauf haben sich die Regierungsfraktionen SPD und CDU geeinigt. Am Schutz der Wölfe ändert sich dadurch aber nichts. (03.11.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.11.2020 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Das Bild zeigt eine Raststätte aus der Vogelperspektive. © NDR

Rasthöfe in Niedersachsen: Lkw-Fahrer müssen draußen bleiben

Die Corona-Verordnung verbietet es Brummifahrern, sich in Autohöfen hinzusetzen. Die Trucker sind aufgebracht. mehr

Soldaten stehen auf einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr. © NDR Foto: Andreas Rabe

Rechte Chatgruppe: Bundeswehr ermittelt gegen 26 Soldaten

Viele gehören einem Versorgungsbataillon in Neustadt am Rübenberge an. Drei Soldaten wurden bereits suspendiert. mehr

Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht vor einem Restaurant, nachdem es dort zu einem Brand gekommen war. © dpa-Bildfunk Foto: Thorsten Konkel/NWZ/dpa

Brände im Nordwesten: Experte fordert gebündelte Ermittlung

In Syke, Gnarrenburg und Ganderkesee haben Unbekannte Lokale angezündet - mutmaßlich aus rassistischen Motiven. mehr

Torschütze John Anthony Brooks (VfL Wolfsburg), Ridle Baku (VfL Wolfsburg) klatschen sich ab. © imago images / MIS

Torfestival in Wolfsburg: "Wölfe" bezwingen Werder

Die "Wölfe" beendeten damit nicht nur die 1:1-Serie der Bremer, sondern fügten ihnen auch die erste Pleite seit dem ersten Spieltag zu. mehr