Stand: 08.03.2018 18:22 Uhr

Gabriel: Karriere-Stopp nach Achterbahnfahrt

Die Spatzen pfiffen es schon länger von der Dächern, doch jetzt ist es offiziell: Der bisherige Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wird - wie auch Noch-Umweltministerin Barbara Hendricks - nicht Teil der neuen Bundesregierung sein. Über diese Entscheidung hätten ihn der kommissarische SPD-Vorsitzende Olaf Scholz und die designierte neue Parteichefin Andrea Nahles informiert, teilte der aus Goslar stammende Gabriel am Donnerstag auf Twitter mit. Ein Verbleib von Gabriel im Auswärtigen Amt war bereits zuvor weitgehend ausgeschlossen worden, da ihm spätestens seit seiner Abrechnung mit Ex-Parteichef Martin Schulz ein zerrüttetes Verhältnis zu Scholz und Nahles nachgesagt wird.

Gabriel will Abgeordneter bleiben

Kommentar

Gabriel hat sich selbst ins Aus geschossen

Sigmar Gabriel wird nur noch als Abgeordneter im Bundestag sitzen: Im neuen Kabinett ist für den bisherigen Außenminister kein Platz reserviert. Jens Wiening kommentiert. mehr

In seiner Erklärung auf Twitter schrieb Gabriel, dass für ihn nun nach 18 Jahren die Zeit ende, in der er politische Führungsaufgaben für die SPD wahrgenommen habe. "Das war eine große Ehre, für die ich eine große Dankbarkeit empfinde", so Gabriel. Der 58-Jährige betonte allerdings auch, dass er nach wie vor gewählter Abgeordneter des Bundestags sei. Der neuen Regierung wünsche er "von Herzen" Erfolg für die Bewältigung der großen Herausforderungen zum Wohle Deutschlands und Europas.

Ein Politiker, der polarisiert

An Gabriel scheiden sich schon länger die Geister. Kritiker, auch in der eigenen Partei, werfen ihm häufig vor, egoistisch, unzuverlässig und wankelmütig zu sein. Seine Fürsprecher dagegen loben seinen Ehrgeiz und Fleiß. Mit seinen strategischen Fähigkeiten macht er sich einen Namen. Dass der SPD-Chef sich mit seinem Auftreten nicht nur Freunde macht, weiß er selbst. "Wenn man zehn Leute fragt, dann sagen fünf Leute, boah, super Typ - und fünf Leute sagen: ein Riesenarschloch. Ich scheine zu polarisieren."

Verspottet und beachtet

Gabriels Karriere in der Partei gleicht einer Achterbahnfahrt: Er wird 1999 in Niedersachsen mit 40 Jahren als jüngster Ministerpräsident Deutschlands gefeiert, als er den Posten von Gerhard Glogowski übernimmt. 2003 will Gabriel bei der Landtagswahl erstmals von den Niedersachsen ins Amt gewählt werden - und scheitert an seinem CDU-Kontrahenten Christian Wulff. Gabriel übernimmt das Amt des "Beauftragten für Popkultur und Popdiskurs" der SPD und wird als "Siggi Pop" verspottet. Von 2005 bis 2009 erwirbt sich Gabriel großes Ansehen als Bundesumweltminister und wird zu einem politischen Schwergewicht - im besten Sinne. Aber auch hier gibt es Rückschläge - etwa, als er wegen angeblich überzogener Nutzung der Flugbereitschaft der Bundeswehr in die Schlagzeilen gerät. Nach dem Wahldebakel der SPD 2009 ist Gabriel einer der wenigen Gewinner seiner Partei. Grund: sein Einsatz gegen die von Union und FDP angekündigte Atom-Laufzeitverlängerung. Im Anschluss schafft er es als Vorsitzender, die zerrütteten Sozialdemokraten zu einen. Unter anderem stärkt er die innerparteiliche Mitbestimmung.

Von Goslar nach Berlin: Sigmar Gabriel

Erfolge als "Superminister"

Als kleinen Triumph für Gabriel werten Medien im März 2012 die Wahl des DDR-Bürgerrechtlers Joachim Gauck - gegen den Wunsch Merkels - zum neuen Bundespräsidenten. Gabriel hatte Gauck bereits bei der vorhergehenden Wahl im Juni 2010 als Kandidaten von SPD und Grünen präsentiert. Allerdings macht damals der Unions-gestützte Christian Wulff das Rennen. Ende 2013 geht die SPD eine weitere Große Koalition mit CDU und CSU ein. Sigmar Gabriel wird Vizekanzler und "Superminister" für Wirtschaft und Energie. Dem in seiner Partei umstrittenen SPD-Chef - 2015 wird er mit nur 74,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt - gelingen Erfolge. Er setzt das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen CETA und seinen Genossen Frank-Walter Steinmeier als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt durch, rettet Tausende Jobs beim Einzelhandelsunternehmen Kaiser's Tengelmann. Seine persönlichen Beliebtheitswerte liegen in Umfragen allerdings weit hinter denen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.03.2018 | 10:00 Uhr

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