Stand: 16.05.2018 14:27 Uhr

Fünf Suizide in Gefängnissen seit November

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Laut Justizministerium ist die Zahl von Suiziden in Gefängnissen überproportional hoch. (Themenbild)

In Niedersachsens Gefängnissen haben sich in einem Zeitraum von sechseinhalb Monaten fünf Menschen das Leben genommen. Dabei handelt es sich nach Angaben des Justizministeriums um die Haftanstalten Hannover, Oldenburg, Rosdorf, Celle, Lingen und Bremervörde. In dieser Zeit seit dem 1. November habe es zudem 16 Suizidversuche gegeben, sagte ein Sprecher des Justizministeriums NDR.de und bestätigte damit einen Bericht der "Nordwest-Zeitung" (NWZ). Ein weiterer Häftling liege nach einem Suizidversuch mit schwersten Hirnverletzungen im Koma. Im Jahr 2017 hätten sich insgesamt sieben Häftlinge das Leben genommen.

"Kein dramatischer Anstieg"

Der Sprecher des Justizministeriums, Christian Lauenstein, teilte NDR.de jedoch mit, dass es mitnichten einen "dramatischen Anstieg" gebe, wie es in einem Kommentar der "NWZ" zu dem Thema heißt. Das sei eine "Wertung der NWZ, der wir uns angesichts der Statistik nicht anschließen können", so Lauenstein. Sprecher Lauenstein weist zudem darauf hin, dass in Haft Menschen mit psychischen Problemen überproportional repräsentiert seien. Daher liege die Häufigkeit von Suiziden und Suizidversuchen über der in der Gesamtbevölkerung.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bedienstete

In zwei Fällen sollen sich Gefangene das Leben genommen haben, nachdem Gutachter bei ihnen zuvor keine Suizidabsicht erkannt hätten, heißt es in dem Bericht der NWZ weiter. Ein Häftling sei mit einer Kamera überwacht worden. Die Staatsanwaltschaft ermittele nun gegen drei Justiz-Bedienstete wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Der Vorsitzende des Unterausschusses Justizvollzug, Sebastian Zinke (SPD), will die Vorgänge dem Bericht zufolge auf die Tagesordnung des Ausschusses setzen. "Der Staat ist dazu verpflichtet, Leben zu schützen. Gefangene müssen genauso viel wert sein wie andere Menschen", sagte Zinke.

Videodolmetschen soll kommen

Wie Ministeriumssprecher Lauenstein weiter mitteilt, werden zur Einschätzung der Suizidgefahr Gespräche mit den Gefangenen bei Haftantritt geführt. Da Dolmetscherdienste auch außerhalb der regulären Geschäftszeiten erforderlich seien, habe Niedersachsen das Videodolmetschen europaweit ausgeschrieben. Der Zuschlag werde voraussichtlich noch in diesem Monat erfolgen können. In einer JVA werde zudem ein Modellversuch mit sogenannten Listenern (engl. Zuhörer) gestartet. Dies sind Inhaftierte, die als Gesprächspersonen für neu aufgenommene Gefangene freiwillig zur Verfügung stehen. "Listener" ergänzten dabei die übrigen Maßnahmen der Suizidprävention.

Suizide und -versuche in niedersächsischen JVAs
SuizideSuizidversucheInhaftierte gesamt
20098nicht erfasst15.557
20106nicht erfasst15.509
20117nicht erfasst14.389
201251112.885
201351111.712
201421911.645
201562311.578
20165911.381
201771612.258

Quelle: Niedersächsisches Justizministerium

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.05.2018 | 15:00 Uhr

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