Stand: 17.03.2020 06:29 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Equal Pay Day: Ab jetzt verdienen auch Frauen Geld

von Sophie Mühlmann
Die Figuren eines Mannes und einer Frau sitzen auf Stapeln aus Geldmünzen (gestellte Szene). © picture alliance Foto: Andrea Warnecke
Der Unterschied der Bezahlung zwischen Männern und Frauen in Deutschland beträgt aktuell 21 Prozent. (Themenbild)

Der Aktionstag "Equal Pay Day" macht jedes Jahr auf eine große Ungerechtigkeit aufmerksam: Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen in Deutschland im Durchschnitt ohne Bezahlung, während Männer schon ab dem 1. Januar Geld für ihre Arbeit bekommen. 2020 entspricht dieser Unterschied 77 Tagen ohne Bezahlung. Der Equal Pay Day ist in diesem Jahr deshalb am Dienstag, 17. März.

Vielfältige Ursachen für unterschiedliche Bezahlung

Laut Statistischem Bundesamt beträgt der Unterschied der Bezahlung zwischen Männern und Frauen in Deutschland aktuell 21 Prozent. Die Ursachen für diese Ungerechtigkeit seien vielfältig, als wesentliche Gründe werden Teilzeitarbeit und Minijobs genannt, die deutlich mehr von Frauen in Anspruch genommen werden. Die sogenannten "Frauenberufe" seien tariflich schlechter bewertet und dadurch geringer bezahlt. Frauen seien in den gutbezahlten Führungspositionen außerdem nach wie vor deutlich seltener vertreten als Männer. Und oft bekämen Frauen auch für gleichwertige Arbeit weniger Lohn.

"Auf Augenhöhe verhandeln"

"Die langjährige Kampagnenarbeit rund um den Aktionstag hat erreicht, dass in der Öffentlichkeit breit über die Ursachen der Lohnlücke diskutiert wird", sagt Silke Steffen-Beck, die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Wedemark. "In dieser Diskussion wird die Lohnlücke aber auch gern der Zurückhaltung der Frauen angelastet. Oftmals wird behauptet, Frauen würden ihre Chancen insbesondere in Verhandlungssituationen seltener nutzen oder andere Prioritäten setzen." Das diesjährige Kampagnenmotto "Auf Augenhöhe verhandeln" setze deshalb genau dort an.

Was ist der "Equal Pay Day"?

1966 riefen in den USA Frauen- und Bürgerrechtsbewegungen gemeinsam mit Gewerkschaften und kirchlichen Gruppen zum ersten "Equal Pay Day" auf. In Deutschland fand der Tag erstmals 2008 auf Initiative des Netzwerkes Business and Professional Women Germany statt. Die roten Taschen stehen für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen aufgrund der ungleichen Bezahlung. Zum Equal Pay Day wird in zahlreichen Ländern aufgerufen, jedoch an unterschiedlichen Terminen. In Deutschland ist der "Equal Pay Day" der Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahreseinkommen der Männer zu kommen.

Rollenbilder beeinflussen Verhandlungen

"Frauen wollen nicht nur verhandeln, Frauen wollen auch mehr", so Steffen-Beck. "Geschlechtstypisches Verhalten, das diese Verhandlungen beeinflusst, findet auf beiden Seiten des Verhandlungstisches statt und das ist oftmals durch tradierte Rollenbilder beeinflusst." Aus diesem Grund sei es besonders wichtig, die Personalverantwortlichen der Unternehmen zu erreichen, so die Gleichstellungsbeauftragte.

Frauen bekommen seltener Gehaltserhöhungen

Die Studie "Gendertypische Verhandlungskompetenz und Ihre Auswirkungen auf Gehalts- und Aufstiegsverhandlungen" von Martina Voigt und Andrea Ruppert von 2017 zeigt laut Steffen-Beck auf, dass Frauen seltener Gehaltserhöhungen erhalten, selbst wenn sie gleich häufig danach fragten. Um selbstsicher auftreten zu können, brauchen Frauen demnach mehr Informationen als Männer über den Ablauf und die Bewertungskriterien in Verhandlungen. Vorgesetzte hingegen neigten dazu, die Ambitionen ihrer weiblichen Mitarbeiterinnen zu unterschätzen. "An dieser Stelle mein Appell an die Frauen: Stellen Sie ihre Kompetenz nicht in Frage und bleiben Sie hartnäckig in den Verhandlungen", so die Gleichstellungsbeauftragte.

Familienarbeit gleichberechtigt teilen

"Ohne konkrete Handlungskonzepte seitens der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, insbesondere zu den Themen Vereinbarkeit und Wiedereinstieg, werden wir da nicht wirklich weiterkommen", so Steffen-Beck. "Entgeltgleichheit wird nur erreicht werden, wenn wir bei dem Verhandlungsbegriff auch das Private in den Blick nehmen. Nur wenn Familien- und Sorgearbeit gleichberechtigt geteilt wird, ist die Voraussetzung für alle geschaffen, berufliche Chancen voll wahrzunehmen."

Weitere Informationen
"Extra 3"-Moderator Christian Ehring.
4 Min

Christian Ehring: Equal Pay Day

Ab Ende März arbeiten Frauen nicht mehr umsonst. Samstag war Equal Pay Day. Bis zu diesem Tag verdienen Frauen im Jahr statistisch gesehen kein Geld. Sie machen sozusagen ein unfreiwilliges soziales Vierteljahr. 4 Min

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 17.03.2020 | 19:30 Uhr

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