Stand: 16.01.2020 20:05 Uhr

Düngeverordnung: Niedersachsen fordert Änderungen

Umweltminister Olaf Lies (SPD) und Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) stehen bei einer Kundgebung auf einer Tribüne. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt
Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) fordern Korrekturen bei der Düngeverordnung.

Im seit Monaten schwelenden Streit um die neue Düngeverordnung stellt sich Niedersachsens Landespolitik in einem zentralen Punkt hinter die Landwirte. Landwirtschafts- und Umweltministerium verlangen vom Bund, dass geplante Vorgaben für das Düngen überarbeitet werden. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) stören sich vor allem an den Vorgaben für die sogenannten roten Gebiete - einem der Kernkritikpunkte der Landwirtschaft an der geplanten Düngeverordnung. In den betroffenen Gebieten gilt das Grundwasser als besonders stark mit Nitrat belastet. Dort sollen Landwirte künftig pauschal mit 20 Prozent weniger Dünger auskommen.

"Berechtigte Interessen der Landwirte"

Landwirte protestieren dagegen. Sie befürchten unter anderem Ertragseinbußen, weil die Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Grundwasser- und damit Trinkwasserschutz sei wichtig, teilten Landwirtschafts- und Umweltministerium am Donnerstag mit. "Die berechtigten Interessen der Landwirte dürfen dabei jedoch nicht aus dem Blick geraten", hieß es.

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"Verursacherprinzip" soll in den Fokus rücken

Otte-Kinast und Lies schlagen stattdessen vor, in den betroffenen Gebieten das "Verursacherprinzip" in den Mittelpunkt zu rücken. Demnach sollen nicht mehr pauschal alle Landwirte in den "roten Gebieten" mit weniger Dünger auskommen müssen, sondern nur diejenigen "deren Düngeverhalten ursächlich für das Nitratproblem ist". Entsprechende Daten lägen vor, teilten die Ministerien mit.

Mehr Rücksicht für trinkwasserschonende Landwirtschaft

In der 18-seitigen Stellungnahme, die laut Landwirtschaftsministerium am Mittwoch versandt wurde, fordern beide Minister zudem, dass die auf den Höfen anfallende Gülle genau dokumentiert wird und dass stärker berücksichtigt wird, wenn Landwirte auf ihren Äckern besonders trinkwasserschonend wirtschaften. Einige Landwirte würden sich schon seit 20 Jahren entsprechend engagieren. Eine weitere Reduzierung der Düngung um 20 Prozent sei vor diesem Hintergrund "nicht vermittelbar", hieß es.

Proteste in Hannover

Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) geplante strengere Düngeverordnung zum Schutz des Grundwassers sorgt seit Monaten auch in Niedersachsen für große Proteste von Landwirten. Am Freitag wollen mehrere Tausend Landwirte mit einer Trecker-Sternfahrt nach Hannover für die Interessen der Landwirtschaft demonstrieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.01.2020 | 08:00 Uhr

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