Ein rund 2.000 Jahre alter Schuh aus einem Moor bei Diepholz. © Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege

Archäologen entdecken wohl ältesten Schuh Norddeutschlands

Stand: 14.06.2021 17:36 Uhr

Am Rande des "Bohlenwegs Pr 6" im Landkreis Diepholz haben Archäologen einen mehr 2.000 Jahre alten Schuh entdeckt. Sein Besitzer hatte ihn einst womöglich infolge eines Unfalls im Morast verloren.

Wie das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege am Montag mitteilte, handelt es sich um eine Art Sandale, die am vorderen Ende gerafft und mit einem Lederriemen zusammengehalten wurde. Der Schuh sei das älteste, sicher datierte Exemplar, das aus Norddeutschland bekannt ist. Bisherige Funde sind demnach einige Jahrzehnte bis Jahrhunderte jünger.

Zeuge eines Unfalls?

Unweit des Schuhs fanden die Archäologinnen und Archäologen eine zerbrochene Wagenachse sowie weitere Wagenbruchstücke. Es sei möglich, dass die Trägerin oder der Träger des Schuhs mit dem hölzernen, vermutlich von Rindern gezogenen Wagen auf dem Bohlenweg unterwegs war, als die Achse brach. Beim Versuch, die Wagenteile zu bergen, könnte der Schuhbesitzer oder die -besitzerin gestürzt oder neben den Bohlenweg getreten sein, so die Vermutung der Forschenden. Dabei könnte der Mensch mit dem Schuh im Morast steckengeblieben sein - wo der Schuh jetzt gefunden wurde, heißt es.

"Bohlenweg Pr 6" überquerte das große Moor

Ein rund 2.070 alter Bohlenweg, der durch ein Moor bei Diepholz führt. © Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Einst bauten die Menschen Wege und Straßen aus Holz, um die Moorgebiete zu überqueren. Entlang dieser Wege gibt es immer wieder besondere Funde.

An den Grabungen an dem prähistorischen Bohlenweg waren Archhäologinnen und Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege Der Lederschuh und einer Grabungsfirma aus Vechta beteiligt. Der "Bohlenweg Pr 6" überquerte den Angaben zufolge in der späten Eisenzeit das große Moor zwischen Diepholz und Lohne.

Moore als Archiv

Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler (CDU), lobte die Arbeit der Forschenden und betonte die Wichtigkeit der Moore als Archiv. "Dichter kann man den damaligen Menschen kaum kommen. Es ist eines jener Zeugnisse, die Zeit wie unter einer Lupe erfahrbar machen." Um die einst ausgedehnten Moorgebiete im Norden zu überqueren, bauten die Menschen Wege und Straßen aus Holz. Aus Niedersachsen sind mehr als 500 solcher Wege bekannt. Der "Bohlenweg Pr 6" gilt mit seiner Länge von mehr als vier Kilometern als einer der weltweit längsten Moorwege. Er wird seit Juni 2019 untersucht.

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