Ein Mann wird per Stäbchen in einem Testzentrum auf das Coronavirus getestet. © Lino Mirgeler/dpa

Arbeitgeberverband gegen Corona-Testpflicht am Arbeitsplatz

Stand: 11.04.2021 09:50 Uhr

Braucht es eine Corona-Testpflicht am Arbeitsplatz? Der Unternehmerverband Niedersachsenmetall will das verhindern. Die Arbeitgeber fürchten Aufwand und Kosten.

Viele Unternehmen investierten schon freiwillig in den Infektionsschutz, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt mit Verweis auf eine branchenübergreifende Umfrage des Verbandes. "Ihnen jetzt eine Testpflicht aufzuerlegen, käme einer Missachtung der bisherigen Anstrengungen gleich". Verpflichtende Corona-Tests am Arbeitsplatz, die unter anderem Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fordert, würden es den Unternehmen zudem schwerer machen, weil damit eine Menge Bürokratie verbunden sei. Dazu kämen die damit verbundenen Kosten: "Von staatlicher Seite hat es unserer Kenntnis nach bisher kein substanzielles Angebot gegeben, den Firmen für diese Leistungen finanziell unter die Arme greifen zu wollen", sagte Schmidt. Unklar sei auch, ob Unternehmen haften müssen, wenn sie nicht ausreichend Tests beschaffen können.

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Corona-Ausgaben von 50 Euro bis 600.000 Euro

Die Unternehmensbefragung von Niedersachsenmetall, auf die sich Schmidt stützt, stammt aus dem Jahr 2020. Sie kommt zu dem Schluss, dass damals fast alle Arbeitgeber in Corona-Schutzmaßnahmen, wie Desinfektionsmittel, medizinische Masken und die Erstellung von Hygienekonzepten, investiert haben. Von den rund 200 befragten Unternehmen aus 27 Branchen gaben demnach 42 Prozent an, dafür zwischen 10.000 und 40.000 Euro bezahlt zu haben. Auf der anderen Seite variierten die Ausgaben stark: Die Bandbreite liegt laut Umfrage zwischen 50 Euro und 600.000 Euro. Entscheidend dafür sei gewesen, wie viele Mitarbeiter zu Hause arbeiten konnten, welche Hygieneanforderungen an die Branche gestellt wurden und wie stark sich die Unternehmen von selbst für das Thema engagierten.

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Bund: 61 Prozent der Unternehmen bietet Corona-Tests an

Die bereits seit längerem anhaltende Debatte nimmt derweil Fahrt auf: Bundesarbeitsminister Heil will schon an diesem Dienstag eine Corona-Testpflicht für Unternehmen in ganz Deutschland im Kabinett durchsetzen. "Alle müssen jetzt ihren Beitrag im Kampf gegen Corona leisten, auch die Arbeitswelt. Um die zu schützen, die nicht von zu Hause arbeiten können, brauchen wir flächendeckend Tests in den Betrieben", sagte Heil der "Bild am Sonntag". Eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Umfrage hatte zuvor ergeben, dass aktuell 61 Prozent der Beschäftigten einen Arbeitgeber haben, der Corona-Tests anbietet. Dies sei zu wenig.

Weil gegen Testpflicht

Anders als SPD-Bundesminister Heil hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) mehrfach gegen eine Testpflicht ausgesprochen. Die Arbeitgeber hätten ihm zugesichert, dass es große Anstrengungen in Sachen Tests gebe - darauf setze er, sagte Weil vor wenigen Tagen. "Mir ist es viel lieber, wir kommen praktisch voran, und zwar auf freiwilliger Basis, als dass die Politik gezwungen ist, mit Zwang und Pflichten zu arbeiten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.04.2021 | 12:00 Uhr

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