Wissenschaft rät zur Vorsicht beim Lockern

Stand: 24.02.2021 05:06 Uhr

Vor zu schnellen Corona-Öffnungen hat der Greifswalder Professor für Bioinformatik Lars Kaderali gewarnt. Die Situation sei fragil. "Wir könnten in eine dritte Welle reinsteuern", sagte Kaderali bei NDR MV live zum Thema "Lockern oder Lockdown?", eine Sendung, die erstmals im Internet übertragen wurde.

Kaderali plädiere dafür, dass die Inzidenzen heruntergehen und die Infektionen von den Gesundheitsämtern nachverfolgt werden können. So könnte mit einer dritten Corona-Welle besser umgegangen werden. Auch Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) wünschte sich Vorsicht bei Lockerungen. Wissenschaftler hätten im vergangenen Herbst die zweite Corona-Welle vorausgesagt. Dem sei die Politik nicht gefolgt. Jetzt möchte er nicht noch einmal erleben, dass 1.000 Schüler in seiner Stadt in Quarantäne geschickt werden müssten. Ein wichtiger Schlüssel im Umgang mit der Pandemie sei, möglichst viele Menschen zu impfen, die mit vielen anderen Menschen in Kontakt stehen müssen - etwa Lehrer.

Sack: Es gibt keinen goldenen Weg aus der Krise

Michael Sack (CDU), Landrat im Kreis Vorpommern-Greifswald, hielt vorsichtige Öffnungen etwa für Friseure für vertretbar. Es gebe keinen goldenen Mittelweg aus der Corona-Krise. Den richtigen Weg zu finden, sei Aufgabe der Politik: "Nicht Leichtsinnig sein, aber wir brauchen eine Perspektive." Er würde sich freuen, wenn das kulturelle Leben noch in diesem Jahr wieder starte.

Plädoyer für einen Stufenplan

Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der IHK zu Rostock, sagte, die Menschen müssten sich auf ein Leben mit dem Virus einstellen. Ein Leben "von Lockdown zu Lockdown" werde auf Dauer nicht funktionieren. Vor allem die kleinen Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern seien am Ende ihrer Leistungskraft angekommen. Prof. Eva-Lotta Brakemeier, Lehrstuhlinhaberin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Greifswald, plädierte für einen Stufenplan. Für die Menschen sei es wichtig zu wissen, worauf sie hinarbeiten können. Es sei für viele sehr belastend nicht zu wissen, wie es weitergeht. Es bleibe wichtig, mit guten, wissenschaftlich fundierten Nachrichten Hoffnung zu verbreiten.

Harter Lockdown, um dritte Welle zu verhindern?

Unter den Nutzern von ndr.de wurde das Thema bereits vorab kontrovers diskutiert: Birgit Becker aus Stralsund schrieb: "Wir leiden alle unter diesen Umständen und wirklich viele versuchen alles zu tun, um uns zu schützen und keinen zu gefährden. Doch wir sollten in der jetzigen Phase mit aller Härte und mit mehr Verstand den Lockdown lieber bis April oder Mai durchhalten. Wir wollen alle keine dritte Welle und wir wollen alle unser altes Leben mit Familie und Freunden in unserer Nähe zurück. Ich hoffe, dass dann schon mehr geimpft wurde und die neusten Erkenntnisse uns auch helfen, ein vertretbares Konzept für ein schönes Leben - für unser altes Leben - im Kampf gegen den Virus zu finden."

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Finanzielle Reserven aufgebraucht - raus aus der Starre

Eine andere Nutzerin, die anonym bleiben möchte, meinte: "Ich bin für Lockerungen. Alle sind in einer Art Starre verfallen, nichts ist mehr erlaubt, Depressionen und/oder Aggressionen nehmen zu. Nicht nur die Existenzen von Händlern, Gastronomen, Hoteliers und vielen anderen sind betroffen, auch die aller, die durch Corona ihren Job verloren haben, in Kurzarbeit sind. Wir sind genau so betroffen und ab März wissen wir nicht mehr, wie wir alles bezahlen sollen, unsere Reserven sind bereits im ersten Lockdown verbraucht gewesen. Aber der kleine Mann bekommt ja keine Unterstützung vom Staat oder Einmalhilfen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.02.2021 | 20:00 Uhr

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