Stand: 01.07.2019 21:58 Uhr

Waldbrand Lübtheen: Mehr Hubschrauber angefordert

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Die Zahl der eingesetzten Hubschrauber soll am Dienstag verdoppelt werden.

Der Brand in dem munitionsverseuchten Wald bei Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hat sich weiter ausgedehnt: Am Montagabend brannte es auf einer Fläche von rund 470 Hektar. Die Einsatzleitung forderte weitere Löschhubschrauber an. Bisher waren vier Hubschrauber im Einsatz, ab Dienstagmorgen sollen insgesamt acht Hubschrauber aus der Luft helfen, den Brand zu bekämpfen.

Zahl der Wasserwerfer wird deutlich aufgestockt

Außerdem werden dann zwölf statt bislang zwei Wasserwerfer die Arbeit der Feuerwehren unterstützen. Sie können jeweils bis zu 10.000 Liter Wasser fassen. Wasserwerfer, Panzer und Hubschrauber werden von Landes- und Bundespolizei und der Bundeswehr gestellt. Für die gute Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte bedankte sich Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

Helikopter, der einem See entnimmt.

Lübtheen: Größter Waldbrand in der Geschichte

Nordmagazin -

Mehr als 300 Feuerwehrleute kämpfen beim Waldbrand bei Lübtheen inzwischen gegen die Flammen. Umweltminister Backhaus spricht vom größten Waldbrand in der Geschichte des Landes.

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Drehender Wind macht Voraussagen unmöglich

Der Landrat von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg, bekräftigte den Ernst der Lage. Vom Löschen des Brandes könne keine Rede sein. Die Arbeit der Einsatzkräfte konzentriere sich darauf, das Feuer von den kleinen Ortschaften in der Nähe fernzuhalten und zu verhindern, dass es über die Brandschneisen springt. Ob weitere Evakuierungen nötig werden, konnte der Landrat nicht sagen. Der Wind drehe sich so schnell, dass man keine Vorhersagen treffen könne, in welche Richtung sich das Feuer ausbreite. Insgesamt kümmern sich rund 2.000 Helfer im Schichtsystem um Feuerschutz und Sicherheit, wie Sternberg sagte.

Mehrere Hundert Menschen in Sicherheit gebracht

Zunächst mussten drei Orte evakuiert werden: Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs. 650 Menschen sind betroffen, sie mussten zum Teil mitten in der Nacht ihre Häuser verlassen. Einige sind jetzt in einer Turnhalle in Lübtheen untergebracht, andere sind bei Bekannten oder Verwandten untergekommen. Auch ein Ferienlager mit rund 100 Kindern wurde aufgelöst. Am Montagabend wurde auch noch der Ort Volzrade mit seinen rund 100 Einwohnern geräumt.

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05:27
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Brand bei Lübtheen: Orte werden evakuiert

Nordmagazin

Wegen des Brandes bei Lübtheen müssen mehrere Ortschaften evakuiert werden: Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs sind betroffen. 600 Einwohner mussten bereits ihr Zuhause verlassen. Video (05:27 min)

Größter Brand der Landesgeschichte

Bei dem Brand haben es die Feuerwehren nach Angaben von Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit dem "größten Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns" zu tun. Einen Brand dieser Ausdehnung habe es auch zu DDR-Zeiten nicht gegeben, hieß es auf einer Pressekonferenz in Lübtheen. Laut Innenminister Caffier könnte es sich bei der Brandursache um Brandstiftung handeln, da bereits mehrere Brandstellen festgestellt wurden.

Polizei sucht Zeugen für mögliche Brandstiftung

Die Kriminalpolizei sucht Zeugen und fragt: "Wer hat im Waldgebiet südlich von Jessenitz-Werk Beobachtungen beziehungsweise Fotos und/oder Videos gemacht, die zur Aufklärung der Waldbrände beitragen können?" Die Ermittler interessieren sich besonders für folgende Zeiten: Am 25. Juni gegen 15.50 Uhr und am 30. Juni um etwa 13.25 Uhr. Hinweise nimmt das Polizeipräsidium Rostock unter (038208) 888 22 22 sowie jede andere Polizeidienststelle oder die Internetwache entgegen.

Lübtheen: Aufatmen nach dem Brand

Caffier beruft Führungsstab ein

In Schwerin war am Montagnachmittag der Interministerielle Führungsstab zusammengetreten. "Besonnenheit und Professionalität haben jetzt oberste Priorität. Hektik und Unsicherheit sind in den kommenden Tagen die schlechtesten Berater", erklärte Innenminister Caffier nach dem Treffen. Das Gremium der Landesregierung werde im Bedarfsfall weitere überörtliche Hilfe für die Brandbekämpfung organisieren. Der Einberufung des Führungsstabs war die Ausrufung des Katastrophenfalls durch den Landkreis vorausgegangen.

Interministerieller Führungsstab (ImFüSt)

Ein Interministerieller Führungsstab wird unter Federführung des Innenministeriums gebildet, wenn zur Abwehr oder Bekämpfung eines außergewöhnlichen Ereignisses einschließlich des Katastrophenfalls eine ressortübergreifende Zusammenarbeit erforderlich ist. Das Ministerium koordiniert als höchster Katastrophenschutzstab dann das Zusammenspiel zwischen den Landesbehörden, Katastrophenschutzbehörden, privaten Hilfsorganisationen, Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr und anderen Helfern, wenn der Landkreis Ludwigslust-Parchim Hilfe benötigt. Die Einsatzleitung vor Ort verbleibt in der Zuständigkeit und Verantwortung der Unteren Katastrophenschutzbehörde, dem Landkreis.

Unterstützung vom Bund gefordert

Wegen der im Boden lagernden Munition müssen Einsatzkräfte tausend Meter Abstand zum Brand halten. Das betreffe Löschfahrzeuge genauso wie Löschflugzeuge, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Am Montag konnte nur ein Löschpanzer sich den Bränden auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz nähern. Bedroht von dem Feuer wurde auch ein Munitionszerlegebetrieb des Munitionsbergungsdienstes auf dem ehemaligen militärischen Schießplatz. Die Flammen seien nur 50 Meter entfernt, sagte Backhaus. Backhaus forderte Unterstützung von der Bundesregierung. "Wir brauchen Taktik und Technologie." Sonst sei das Land nicht in der Lage, ein Feuer dieses Ausmaßes unter Kontrolle zu bringen.

Weitere Informationen

Der Ticker zum Waldbrand bei Lübtheen zum Nachlesen

Der Brand auf dem Truppenübungsplatz bei Lübtheen ist weiter eingedämmt. Das teilte Landrat Sternberg auf einer Pressekonferenz mit. Alt Jabel bleibt weiter evakuiert. mehr

Etwa zehn Prozent des Landes munitionsbelastet

Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Innenministerium sind etwa zehn Prozent der Landesfläche "hochgradig kampfmittelbelastet". Das Ministerium spricht von 175 Flächen, zu denen etwa 28.400 Hektar Wald gehören, auf denen Kampfmittel-Beseitigung "erforderlich" sei. Etwa 109.000 Hektar gelten darüberhinaus als "kampfmittelbelastet". Damit hat Mecklenburg-Vorpommern nach Brandenburg die bundesweit zweithöchste Belastung.

Hohe Waldbrandgefahr in weiten Teilen des Landes

Die Waldbrandgefahr in Mecklenburg-Vorpommern ist nach wie vor hoch. Eine Karte der Landesforstämter zeigt die höchte Waldbrandgefahrenstufe für Usedom und Teile des Landkreises Vorpommern-Greifswald sowie die südliche Mecklenburgische Seenplatte rund um Mirow. Bereits Anfang vergangener Woche war in dem benachbarten 30 Hektar großen Waldstück bei Lübtheen eine ca. 6,5 Hektar große Fläche in Brand geraten. Die Löscharbeiten dauerten mehrere Tage.

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Brand bei Lübtheen: Orte werden evakuiert

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Die Löscharbeiten nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen gehen voran. Auch Feuerwehrleute aus Niedersachsen sind bei Lübtheen im Einsatz. Rauch war bis Amt Neuhaus zu sehen. mehr

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Waldbrandeinsatz bei Lübtheen beendet

28.06.2019 06:30 Uhr

Das Feuer auf dem munitionsbelasteten Waldgebiet bei Lübtheen ist gelöscht. Am Donnerstagabed hatten sich erneut Glutnester entzündet. Der Brand dehnte sich aber nicht aus. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.07.2019 | 20:00 Uhr

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