Stand: 10.12.2018 12:37 Uhr

Schwerin: Angler sammeln Unrat

Aus den Augen, aus dem Sinn. So müssen Menschen denken, die ihren Müll illegal in der Natur entsorgen. Was zum Beispiel in den Seen im Nordosten lange im Verborgenen lag, kommt in diesen Tagen wieder an die Oberfläche. Denn nach der Trockenheit des Sommers steht das Wasser historisch niedrig. So liegt uralter Unrat zum Greifen nah. In Schwerin haben sich Anglerinnen und Angler an diesem Wochenende zu einer Müllsammelaktion getroffen.

Zwei Männer holen ein altes Fahrrad aus dem Wasser in der Nähe des Schweriner Schlosses.

Angler beseitigen Müll aus den Schweriner Seen

Nordmagazin -

Wegen des Regenmangels sind die Wasserstände der Seen in Schwerin stark gesunken. Der Landesanglerverband hat nun aus der Not eine Tugend gemacht - und Müll gesammelt.

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Ungemütliches Wetter, perfekter Zeitpunkt

Eine dichte, graue Wolkendecke spiegelt sich im Schweriner See, ein paar Enten spazieren am Ufer umher, es nieselt. Einige Hartgesottene haben sich am Wasser zusammengefunden. In Gruppen schwärmen sie aus, um Unrat einzusammeln und aus dem Wasser zu ziehen. Trotz des ungemütlichen Wetters, erklärt Anngret Rüß vom Angelverein Heidensee Süd, ist es ein ganz besonders guter Zeitpunkt: "So tief, so niedrig haben wir den Schweriner See noch nicht erlebt. Wir sind seit 40 Jahren am Schweriner See und sogar unser Boot im Bootshaus lag richtig im Modder, das hatten wir überhaupt noch nicht. Das sind ja ungefähr 70 Zentimeter, die der See tiefer ist, da kommt natürlich alles zum Vorschein."

Aufräumen am Adventswochenende

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Niedrigwasser spielt den Anglern bei ihrer Müllsammelaktion in die Karten - innerhalb einer Stunde ist der Handwagen voll.

Rund um das Schweriner Schloss sammeln die Anglerinnen und Angler diesmal, auf der Marstall-Halbinsel, auf Kaninchenwerder, aber auch am Ufer des Ziegelaußensees und am Lankower See. Jörg Zucknik findet es erschreckend, was sich schon nach einer Stunde alles im Handwagen am Ufer stapelt. Der Aufruf zum Müllsammeln, erklärt er, kam ursprünglich von der Stadt Schwerin, die den Müll später entsorgen wird.

70 Leute finden eine halbe Tonne Müll

Insgesamt sind an diesem Sonnabend rund 70 Anglerinnen und Angler im Einsatz. Am Ende des Tages ist rund eine halbe Tonne Müll im Container gelandet: Drei Fahrräder, jede Menge alter Reifen, weitere Autoteile, zwei Verkehrsschilder, Regenschirme, Krücken, Schuhe und sehr, sehr viele Flaschen - sogar eine aus DDR-Zeiten. Am Ufer des Schweriner Sees in der Nähe des Schlosses ist dabei offenbar auch Weltkriegs-Munition entdeckt worden. Teilnehmer der Müllsammelaktion hatten den Fund gemeldet, am Montagvormittag haben Experten vom Munitionsbergungsdienst dann zwei 7,5 Zentimeter lange Granaten geborgen. Beide enthalten jeweils rund eineinhalb Kilogramm Sprengstoff.

Auf ihre Aktion sind die Müllsammler stolz. Sie wollen auch zeigen, dass Angler zu Recht anerkannte Naturschützer sind, sagt Jörg Zucknik: „Es gibt natürlich von vielen Seiten auch Angriffe gegen die Angler, wo uns immer vorgeworfen wird, dass wir eigentlich die Natur stören und dass wir Tiere quälen etc.. Aber wir wollen eben zeigen, dass wir wirklich Naturschutz leben und nicht nur drüber reden!“ Bald, sagen alle Beteiligten, wollen sie wieder in großer Runde losziehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.12.2018 | 12:40 Uhr

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