Stand: 10.01.2019 18:44 Uhr

Schutzstatus für Wolf: Weiter Gesprächsbedarf

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Wie geht es weiter mit dem Wolf? Bei einem Spitzengespräch in Berlin ist offenbar noch keine Lösung gefunden worden.

Nach einem Spitzengespräch zwischen Bundes- und Landesebene zum Umgang mit Wölfen gibt es unterschiedliche Lesarten der Ergebnisse. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und ihre Umweltkollegin Svenja Schulze (SPD) teilten nach dem Treffen in Berlin mit, es sei noch keine schnelle Lösung gefunden worden.

 

Backhaus: Bundesnaturschutzgesetz wird geändert

Dagegen erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) im Gespräch mit NDR 1 Radio MV, die Runde habe sich auf eine Lockerung des Wolfsschutzes geeinigt. Backhaus sagte nach dem Treffen, an dem neben Klöckner und Schulze auch sein sächsischer Kollegen Thomas Schmidt (CDU) teilnahm: "Wir sind uns einig geworden, dass wir das Bundesnaturschutzgesetz ändern werden."

Abschuss-Erlaubnis für "notorische" Wölfe?

In dem Gesetz sind Wölfe bisher streng geschützt, es gilt ein Abschussverbot. Laut Backhaus gibt es jetzt ein Einvernehmen der Bundesministerinnen, auffällige Einzelwölfe oder auch - "wenn es ganz schlimm kommt" - ein ganzes Rudel "rechtssicher zu töten". Nämlich dann, wenn sie schwere Schäden bei Nutztieren anrichten oder sich "notorisch" dem Menschen und Siedlungen nähern. Der handlungsfähige Staat müsse Farbe bekennen, sagte Backhaus NDR 1 Radio MV.

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"Wir sind noch in Gesprächen"

Die beiden Bundesministerinnen dämpften jedoch Erwartungen auf eine schnellen Einigung. "Wir sind noch in Gesprächen", hieß es nach dem Treffen. Dabei will Agrarministerin Klöckner offenbar eine weitgehendere Regelung als ihre Umweltkollegin Schulze. Klöckner will nicht nur auffällige Wölfe schießen lassen, sondern sie schlägt eine allgemeine "Bestandsregulierung" vor. Für die macht sich auch die Agrar-Expertin der CDU-Landtagsfraktion, Beate Schlupp, stark. Sie meinte mit Blick auf das Treffen, die Ergebnisse seien wenig praxistauglich. Ein Wolf, der sich einer Siedlung nähere, warte sicher nicht darauf, bis ein zum Abschuss Berechtiger informiert wird und vor Ort ist. Es müsse wolfsfreie Zonen und für eine Bestangsregulierung auch eine Abschussquote geben.

Mehr Wölfe, mehr Attacken auf Nutztiere

Vor allem Schäfer und andere Tierhalter verlangen ein härteres Vorgehen gegen Wölfe. Die Zahl der Wölfe nimmt auch in Mecklenburg-Vorpommern zu, 2018 lebten im Land sechs Rudel, zwei mehr als ein Jahr zuvor. Es gab 21 sogenannte Rissvorfälle, dabei wurden knapp 120 Weidetiere getötet, rund 50 mehr als 2017. Sind die Herden ausreichend gesichert, bekommen die Halter nach Wolfsattacken eine Entschädigung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.01.2019 | 19:00 Uhr

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