Stand: 03.08.2020 09:13 Uhr

Schulstart in MV: Mit Hygieneplan, aber ohne Masken

Schwerin: Eine Schülerin gibt ihrem Vater auf dem Schulhof der Grundschule Lankow vor dem Start zum ersten Schultag nach den Sommerferien einen Kuss. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner
In Mecklenburg-Vorpommern beginnt für rund 153.000 Schüler das neue Schuljahr - in Corona-Zeiten eine echte Herausforderung.

Mecklenburg-Vorpommern ist heute als erstes Bundesland in das neue Schuljahr gestartet. Knapp 153.000 Schüler sollen von nun an wieder trotz Corona täglich Präsenzunterricht an den Schulen erhalten. Die Grundschulen sollen mindestens vier Stunden Unterricht garantieren, die weiterführenden Schulen fünf Stunden. Ergänzend dazu ist Distanzunterricht mit digitalen Lernangeboten geplant.

Keine Maskenpflicht im Schulalltag

Das Land hat sein Schulkonzept mit einem Hygieneplan verknüpft. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) verwies bei dessen Vorstellung auf die niedrigen Corona-Infektionszahlen in Mecklenburg-Vorpommern. Vor diesem Hintergrund sei es höchste Zeit, die Belange der Kinder und Jugendlichen wieder in den Vordergrund zu rücken und ihr Recht auf Bildung einzulösen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) versicherte, dass schnell gehandelt und getestet werde, sobald neue Verdachtsfälle auftreten. Maskenpflicht gilt im Schulalltag nicht. Allerdings kündigte Landesbildungsministerin Martin am Montag auf NDR Info an, im Kabinett die Einführung der Maskenpflicht an Schulen vorzuschlagen. Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte sich zuletzt für eine solche Maskenpflicht in Schulen ausgesprochen.

Schulen müssen feste Schülergruppen bilden

In Mecklenburg-Vorpommern sollen dagegen andere Maßnahmen eine Ausbreitung des Coronavirus in den Schulen verhindern. So muss jede Schule feste Schülergruppen bilden - mit maximal 400 Mädchen und Jungen. Grundschulen werden dabei als eine Gruppe betrachtet, an den weiterführenden Schulen werden jeweils zwei Jahrgänge zusammengefasst. Diese Gruppen sollen sich im Schulalltag nicht begegnen, damit Kontakte begrenzt und mögliche Infektionsfälle nachvollziehbar bleiben. Die Mindestabstandsregel gilt innerhalb der Gruppen jedoch nicht.

Lehrer können sich auch symptomfrei testen lassen

Zum Schulstart hat der Landeselternrat alle Eltern in einem Brief gebeten, die Hygieneregeln gemeinsam mit den Kindern strikt einzuhalten und damit sich und andere zu schützen. Schüler, die in Risikogebieten waren, müssen nach einem Beschluss der Landesregierung für 14 Tage in Quarantäne, sofern sie nicht zwei negative Corona-Tests vorlegen. Dazu müssen Familien zum Schulstart in einem Formular Auskunft erteilen. Das Land begleitet die Schulöffnung mit dem Angebot an seine Lehrer, sich freiwillig auch symptomfrei testen zu lassen. Fünf Tests können Lehrkräfte bis zu den Herbstferien kostenlos wahrnehmen. Etwa 400 der insgesamt rund 13.000 Lehrer im Bundesland können aufgrund ihres hohen Risikos für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung lediglich im Homeoffice arbeiten.

Schule in Rostock geht auf Nummer sicher

Gut klappte der Start etwa am Gymnasium Reutershagen in Rostock, wo mehr als 600 Schüler unterrichtet werden. "In den Fluren des Hauses herrscht Maskenpflicht", sagte Schulleiter Jan Bonin. Er geht damit über die bisher geltenden Vorschriften hinaus. Kein Pardon gab es für Schüler, die sich nicht an diese Pflicht hielten. Sie wurden aufgefordert, sofort den Schutz anzulegen. Allerdings wurden vor Schulbeginn in Reutershagen Masken für die Schüler verteilt, die ihre vergessen hatten. Bonin zeigte sich davon überzeugt, einen regulären Unterricht anbieten zu können.

Lehrergewerkschaft mit "Bauchgrummeln" - Sorgen um Schülertransport

Die Lehrergewerkschaft VBE blickt dem Schulstart angesichts steigender Infektionszahlen und wachsender Sorglosigkeit in der Gesellschaft mit "Bauchgrummeln" entgegen, wie der VBE-Landesvorsitzende Michael Blanck am Wochenende erklärte. Auch bei konsequenter Einhaltung aller Hygieneregeln an den Schulen sei den Lehrkräften klar, "dass es nach und auch schon vor der Schule zu einer Vermischung der Gruppen kommen wird, die in den Schulen strikt getrennt werden", sagte Blanck. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht insbesondere bei der Schülerbeförderung Probleme. In den Bussen komme es unweigerlich zu mehr Risikokontakten für die Schülerinnen und Schüler, kritisierte GEW-Landeschef Maik Walm.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 03.08.2020 | 09:00 Uhr

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Coronavirus

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