Stand: 16.04.2018 11:04 Uhr

Schatz des Dänenkönigs Blauzahn entdeckt

Auf einem Acker auf Rügen sind Archäologen auf einen spektakulären Silberschatz mit Münzen des einstigen Dänenkönigs Harald Blauzahn (um 910 - 987 n. Chr.) gestoßen. Die Bodendenkmalpfleger gruben am Wochenende in der Nähe von Schaprode zahlreiche Hals- und Armreife, Perlen, Fibeln, einen Thorshammer sowie Ringe aus.

Münzen eines Wikingerschatzes in Nahaufnahme.

Wikingerschatz auf Rügen gefunden

Nordmagazin -

Auf einem Acker auf Rügen haben Archäologen einen spektakulären Fund gemacht: Sie stießen auf den Wikingerschatz des Dänenkönigs Harald Blauzahn aus dem zehnten Jahrhundert.

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Münzen aus Blauzahns Regentschaft entdeckt

Außerdem fanden sie rund 600 Münzen - teilweise zerhackt -, von denen Experten mehr als 100 der Regentschaft Harald Blauzahns zuordnen konnten. Die sogenannten Kreuzbrakteate sind mit einem christlichen Kreuz versehen und wiegen lediglich 0,3 Gramm. Die in ihrer Stückzahl limitierten und deshalb besonders wertvollen Münzen wurden überwiegend an hohe dänische Gesellschaftsschichten ausgegeben.

Fund von "herausragender Bedeutung"

"Dieser Schatz ist der größte Einzelfund von Blauzahn-Münzen im südlichen Ostseeraum und damit von herausragender Bedeutung", sagte Grabungsleiter Michael Schirren vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. Die eigentlichen Entdecker sind René Schön und der erst 13-jährige Luca Malaschnitschenko. Sie gehören zu den rund 150 aktiven ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern in Mecklenburg-Vorpommern, die in ihrer Freizeit mit Metalldetektoren und GPS-Geräten über Felder im Nordosten streifen - in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt. "Mit dem romantischen Bild vom Schatzsucher, der reich werden will, hat das aber nichts zu tun", sagte Schirren NDR.de. "Das ist harte Arbeit." Trotzdem interessierten sich gerade auch junge Menschen für dieses Hobby, so Schirren weiter. Nachwuchssorgen gebe es bei den Bodendenkmalpflegern nicht.

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"Ich dachte, das ist Alu-Schrott"

Im Januar waren Malaschnitschenko und Schön dem Verdacht nachgegangen, dass in der Nähe eines zerpflügten Hügelgrabs noch bedeutsame Stücke im Boden schlummern könnten. Tatsächlich fand der junge Hobby-Archäologe Malaschnitschenko eine Münze, die erst später als Haithabu-Silbermünze identifiziert wurde. Die Bedeutung des Fundes war dem Schüler zunächst überhaupt nicht bewusst: "Ich dachte, das ist Alu-Schrott." Er und Schön informierten damals sofort die Spezialisten vom Landesamt, die sich schnell sicher waren, dass die beiden Hobby-Archäologen etwas ganz Besonderes aufgespürt hatten. In der Folgezeit hieß es drei Monate lang Stillschweigen bewahren, bis der "Versteckfund" an einem bronzezeitlichen Grabhügel nun am Wochenende komplett gehoben wurde.

Hobby-Archäologen finden Schatz auf Rügen

Dänen-Reformer und Funkstandard-Namensgeber

Der als Wikinger geborene Blauzahn gilt als Begründer des dänischen Reichs. Er einte das Land, führte das Christentum ein und setzte Reformen durch. Blauzahn war historischen Quellen zufolge nach einer verlorenen Ostseeschlacht gegen seinen Sohn Sven Gabelbart im Jahr 986 nach Pommern geflohen, wo er ein Jahr später auf der Jomsburg (wohl beim heutigen Wolin/Swinemünde) starb. Für die heutzutage weitverbreitete Funktechnologie "Bluetooth" war der Dänenkönig zudem Namensgeber. Zu seinen Ehren bezogen sich die an der Entwicklung des Bluetooth-Funkstandards beteiligten skandinavischen Firmen Ericsson und Nokia auf den einstigen Herrscher.

Mythenwelt trifft auf Christentum

Der Chronist Adam von Bremen (1050 - 1081/85) berichtet in seiner Chronik vom Schicksal Blauzahns und der Auseinandersetzung mit seinem Sohn. "Wir haben hier den seltenen Fall, dass dieser Fund mit historischen Quellen zusammenzugehen scheint", sagte Landesarchäologe Detlef Jantzen. In dem Vater-Sohn-Konflikt spiegele sich das Hin-und-Hergerissensein dieser Epoche zwischen Christentum und dem in der altnordischen Mythenwelt verhafteten Wikingertum wider. Harald habe bei der Einigung der Dänen auf Hilfe der christlichen Kirche gesetzt, sein Sohn hingegen sei dem Denken der Wikingerzeit verpflichtet gewesen, so Jantzen: "Der Schatz von Schaprode ist ein einzigartiger und beispielloser Fund."

Ein weiterer Blauzahn-Schatz ganz in der Nähe

Nur wenige Kilometer vom aktuellen Fundort entfernt - auf der Insel Hiddensee - war in den Jahren 1872 und 1874 der berühmte Hiddenseer Goldschmuck entdeckt worden. Dieser Wikinger-Schatz wird ebenfalls dem Dänenkönig Blauzahn beziehungsweise seinem engen Umfeld zugeschrieben. Eine Verbindung zwischen beiden Funden liege nahe, sagt Archäologe Schirren. Möglicherweise wurde der bei Schaprode gefundene Schatz auf der Flucht Haralds vergraben - wie der Hiddenseer Goldschmuck auch. Der Wissenschaftler warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen. Es warte nun in Kooperation mit den dänischen Kollegen viel kleinteilige Arbeit auf die Experten, um das Rätsel zu lösen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.04.2018 | 07:00 Uhr

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