Rostocker Tafel schließt Ausgabe für ukrainische Geflüchtete

Stand: 25.05.2022 16:08 Uhr

Der Rostocker Tafel gehen die Lebensmittel aus: Drei Wochen nach ihrer Eröffnung muss die Lebensmittelausgabestelle für ukrainische Geflüchtete in Schutow wieder schließen. Auch landesweit stehen die Tafeln wegen des Krieges und den Folgen der Pandemie vor Herausforderungen. Sie sehen die Politik in der Pflicht.

Am heutigen Mittwoch war die letzte Ausgabe. Die 15.000 Euro Spenden, mit denen Lebensmittel für die ankommenden Familien hinzugekauft wurden, seien verbraucht, hieß es von der Geschäftsführung der Tafel. Zudem würden die gespendeten Lebensmittel kaum noch ausreichen, um den Bedarf der bisherigen Kunden zu decken.

Appell: Stadt soll Versorgung sicherstellen

Die Geschäftsführung wies darauf hin, dass die Zukäufe nur eine Ausnahme waren. Die Tafel verhindere Lebensmittelverschwendung und hole von Supermärkten und anderen Lebensmittelhändlern nicht verkaufte Waren ab, um sie an Bedürftige zu verteilen. Jedoch könne man nicht verteilen, was nicht da ist. Die Rostocker Stadtmission als Träger der Tafel appelliert an die Stadt Rostock, die Versorgung der ukrainischen Geflüchteten mit Lebensmitteln sicherzustellen. Bei den betroffenen Flüchtlingen stieß das Aus auf Bedauern. "Es ist jetzt nicht mehr so einfach für mich und für die anderen", sagte ein ukrainischer Flüchtling dem NDR.

Pandemie, Krieg und Energiekosten hinterlassen Spuren

Auch landesweit haben die Tafeln derzeit mit Problemen zu kämpfen, wie die Landesvorsitzende Kerstin Dauer bei NDR MV Live sagte. Pandemie, Krieg, weniger Spenden und weniger Freiwillige häten Spuren hinterlassen. Die Sitution sei "angespannt": "Es ist der Situation unter anderem geschuldet mit den ukrainischen Flüchtlingen, vorangegangen noch die Corona-Pandemie. An den Folgen knabbern wir immer noch und das wird auch noch eine ganze Weile so sein", so Dauer. "Es fehlt an Lebensmitteln, es fehlt an Geld und an Personal. Das sind die drei Säulen."

"Jede Tafel versucht da ihr Bestmöglichstes zu geben"

Die Pandemie und die entsprechenden Maßnahmen hätten zu "finanziellen Strapazen" geführt, außerdem habe sich das Personal verringert. "Die personellen Verluste haben wir nicht aufholen können. Jetzt sind ja aktuell durch den Ukraine-Krieg ganz, ganz viele Flüchtlinge da, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Jede Tafel versucht da ihr Bestmöglichstes zu geben," so Dauer weiter. Und obendrauf bereiteten noch die steigenden Ernegiepreise Schwierigkeiten: "Da haben wir ganz besonders mit zu kämpfen."

Tafeln sehen Politik in der Pflicht  

Laut Dauer hat inzwischen auch die Spendenbereitschaft deutlich nachgelassen. "Die Menschen spenden jetzt sehr viel in die Ukraine, für die Ukrainer, die bei uns angekommen sind. Irgendwo gibt es Grenzen. Die Grenze ist dann irgendwo erreicht, wo die Menschen sagen: 'Halt! Stop! Ich spende jetzt da oder da. Beide Stellen sind für mich nicht machbar.'"

Und wie könnte eine Lösung aussehen? "Hier ist eindeutig die Politik gefragt", meint Dauer. "Wir bekommen wenig Fördergelder. Unser Bundesland hat bis jetzt als Tafel Mecklenburg-Vorpommern noch gar keine öffentlichen Gelder bekommen. Irgendwann ist das Ehrenamt erschöpft. Irgendwann sind auch die finanziellen Mittel erschöpft."

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 25.05.2022 | 16:00 Uhr

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Flüchtlinge

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