Polizeibeamte bei Ermittlungen © NDR Foto: NDR

Rostock: Dritter Vorfall mit falschem Paketboten

Stand: 17.01.2022 18:09 Uhr

In Rostock-Evershagen hat ein bislang unbekannter Täter zwei Senioren in ihrer Wohnung mit einem Messer verletzt. Einer Rentnerin wurde die Handtasche geraubt. Der Mann hatte sich als Paketbote ausgegeben. Bei einem dritten Vorfall am Montagvormittag in einer Wohnung in Lütten Klein blieb die Mieterin unverletzt.

Wie die Polizei mitteilte, hat ein Mann am Montagvormittag versucht, sich gewaltsam Zutritt zu einer Wohnung im Rostocker Stadtteil Lütten Klein zu verschaffen. Betroffen ist demnach eine 31-Jährige. Sie verwehrte dem Mann jedoch den Zutritt und rief sofort die Polizei. Sowohl die Beschreibung des Mannes als auch seine Tarnung als angeblicher Paketbote weisen darauf hin, dass es sich um denselben Täter handeln könnte wie bei den Vorfällen am Sonntag.

66-Jährige am Sonntag in ihrer Wohnung überfallen

Ein bislang unbekannter Täter hat am Sonntag in Rostock-Evershagen eine Rentnerin in ihrer Wohnung mit einem Messer verletzt und ihr die Handtasche geraubt. Nach Angaben der Polizei hatte der Mann sich als Paketbote ausgegeben und ist gewaltsam in die Wohnung der Frau eingedrungen. Er verletzte sie mit einem Messer am Hals und schlug ihr drei Zähne aus. Nach der Tat verschwand der Mann. Die Frau befindet sich derzeit noch zur Beobachtung im Krankenhaus.

Weiterer Überfall kurze Zeit später

Kurze Zeit später kam es nach Angaben der Polizei in der Nähe zu einem ähnlichen Überfall. Knapp eine halbe Stunde später wurden Polizeibeamte zu einem Mehrfamilienhaus gerufen. Sie fanden einen 82 Jahre alten Mann, der ebenfalls am Hals verletzt war. Die Beschreibung des Angreifers soll mit den vorherigen Attacken übereinstimmen. Den Opfern gehe es den Umständen entsprechend gut, so die Polizei.

Polizeiermittlungen laufen auf Hochtouren

Die Polizei hat bereits erste Zeugenaussagen aufgenommen. Demnach suchen die Beamten nach einem Mann zwischen 35 und 40 Jahren, der gebrochen Deutsch spricht und zwischen 1,70 und 1,80 Meter groß ist. Er soll dunkle, links gescheitelte Haare haben, eine Adidas-Jacke sowie einen Adidas-Rucksack tragen. Auf ihrer Internetseite hat die Landespolizei auch erste Fahndungsfotos veröffentlicht. Ob es zwischen den Vorfällen einen Zusammenhang gibt, ist Gegenstand der Ermittlungen. Bislang ist die Fahndung trotz des Einsatzes von Fährtenhunden und Polizeihubschraubern erfolglos verlaufen. Die Polizei bittet dringend darum, dass sich Zeugen, die etwas beobachtet haben, melden.

Weißer Ring bietet Hilfe für Opfer

Der Verein "Weißer Ring" bietet verschiedene Hilfestellungen für Menschen, die Opfer eines Verbrechens geworden sind. Der wichtigste Schritt sei erst einmal, dass sich die Opfer überhaupt melden, sagt Matthias Höhne vom Weißen Ring in Rostock. "Da genügt ein Anruf, und wir sind innerhalb von wenigen Stunden bei Ihnen", betonte er bei NDR MV Live. Die erste Hilfe sei dann der emotionale Beistand. "Wir hören zu und begleiten Sie bei allem, was ansteht", sagte Höhne. Aber auch materielle Hilfen seien möglich: Es gebe Sofortauszahlungen für Menschen, die einen hohen Sachschaden erlitten haben. Auch biete der Weiße Ring Hilfe bei der Suche nach psychologischer oder rechtlicher Betreuung.

Wie kann man sich selbst schützen?

Höhne hat mehrere Tipps, wie man sich vor Angriffen wie in Rostock-Evershagen und Lütten Klein schützen kann. "Halten Sie die Türen geschlossen und schauen Sie, wenn Fremde sich an der Tür zu schaffen machen", rät er. "Betreuen Sie Leute, die im Urlaub sind, und leeren Sie die Briefkästen", so Höhne weiter. Somit erwecke man nicht den Eindruck, dass das Haus leer stehe. Außerdem könne es helfen, wenn Hausgemeinschaften sich in WhatsApp-Gruppen zusammenfinden und dort austauschen. "Es muss nur einer den Anfang machen, und Sie werden sehen, wie schnell man miteinander ins Gespräch kommt", sagte Höhne.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.01.2022 | 15:55 Uhr

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