Stand: 03.11.2016 07:39 Uhr

Neue Lehrer: Jeder Vierte ist Seiteneinsteiger

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In Mecklenburg-Vorpommern wurden 405 neue Lehrer eingestellt - 302 verfügen über einen Lehramtsabschluss. (Archivbild)

An den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern unterrichten immer mehr Lehrer, die keine Lehrerausbildung haben. Diese sogenannten Seiteneinsteiger machen inzwischen ein Viertel aller Neueinstellungen aus. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Zum Start des neuen Schuljahres hat das Land demnach 405 neue Lehrer eingestellt - 302 verfügen über einen Lehramtsabschluss, 103 dagegen haben keine Lehrerausbildung. Seiteneinsteiger sind vor allem im östlichen Landesteil gefragt - im Schulamtsbezirk Greifswald macht ihr Anteil bei den Neueinstellungen mehr als ein Drittel aus.

Oldenburg: Lehrerberuf attraktiver machen

Die Chefin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, sieht die Einstellungspraxis kritisch. Statt auf Seiteneinsteiger zu setzen, müsse der Lehrerberuf dringend attraktiver werden - mit weniger Bürokratie und weniger Unterrichtsstunden für die einzelnen Lehrer. Außerdem verliere das aufwändige Lehramtsstudium an Wert, wenn sich der Berufswunsch auch als Seiteneinsteiger erreichen lasse. Oldenburg forderte gerade für Grundschullehrer eine Entschlackung der Lehrinhalte mit einer stärkeren pädagogischen Ausrichtung. Der Sprecher des Bildungsministeriums, Henning Lipski, erklärte, bundesweit sei der Bedarf an Lehrern gestiegen, es sei nicht einfacher geworden, gut ausgebildete Lehrer zu finden - deshalb der Rückgriff auf Seiteneinsteiger.

Zweifel an Schüler-Prognose

Oldenburg wirft dem Land außerdem vor, mit falschen Schülerprognosen zu arbeiten und so den Bedarf an Lehrern klein zu rechnen. Hintergrund: Der aktuelle Landeshaushalt geht noch von 127.000 Schülern an staatlichen Schulen aus, tatsächlich aber werden laut Ministerium 130.000 Schüler unterrichtet, 3.000 mehr als angenommen. Dieses Schüler-Plus mache Neueinstellungen von 250 Lehrern nötig, um die Schüler angemessen zu unterrichten und die anderen Lehrer zu entlasten, so Oldenburg. Möglicherweise aber verzichte das Land darauf, um die knapp 19 Millionen Euro einzusparen, die diese Neueinstellungen kosten würden, sagte die Linkspolitikerin.

Ministeriumssprecher Lipski wies die Kritik zurück. Steigende Schülerzahlen würden nicht automatisch zusätzliche Lehrerstellen erfordern. "Daher können wir diese Rechnung von Frau Oldenburg zum wiederholten Male nicht nachvollziehen", so Lipski. Wenn es an einigen Schulen wenige Schüler mehr gebe, müssten für sie aber keine neuen Klassen eingerichtet werden, sie würden einfach mit anderen Schülern in der jeweiligen Klassen gemeinsam lernen. Zusätzliche Lehrer benötige man dafür nicht.

Verzögerung bei Lehrer-Werbekampagne des Landes

Unterdessen gibt es eine leichte Verzögerung bei der geplanten Fortsetzung der Lehrerwerbekampagne des Landes. Auf die europaweite Ausschreibung haben sich zwar Agenturen beworben, allerdings erfüllten die nicht die strengen Vorgaben des Vergaberechts. Das Land hat die Auftragsausschreibung kassiert. Allerdings bedeute das nicht, dass die Kampagne gestorben ist, so ein Sprecher. Jetzt könnten einzelne Agenturen gezielt angefragt werden - die Lehrerwerbekampagne werde fortgesetzt. Mit der Werbeaktion soll dringend gesuchter Lehrernachwuchs nach Mecklenburg-Vorpommern geholt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.11.2016 | 07:00 Uhr

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