Stand: 23.01.2020 21:30 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Nach Warnstreik: Busse und Bahnen fahren wieder

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Die Gewerkschaft fordert für die rund 1.500 Beschäftigten unter anderem Einkommensverbesserungen von gut zwei Euro pro Stunde.

Ein Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr hat am Donnerstag in Mecklenburg-Vorpommern zu zahlreichen Ausfällen bei Bussen und Bahnen geführt. Die Gewerkschaft ver.di zeigte sich am Abend zufrieden mit der Beteiligung. Sie hatte rund 1.500 Beschäftigte zu dem Streik aufgerufen. Im ganzen Land waren Tausende Schüler und Berufspendler betroffen. Bus- und Bahnfahrer streikten in vielen Regionen und Städten.

Streik geht bis in die Nachtstunden

Die betroffenen Regionen waren Rostock, Greifswald und sämtliche Landkreise außer Vorpommern-Greifswald. In Greifswald übernahmen private Busunternehmen den Schülerverkehr und in Neubrandenburg und Umgebung deckten unter anderem Mitarbeiter aus der Verwaltung des öffentlichen Nahverkehrs einen Notfahrplan ab.

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Die Stadtverkehre von Schwerin, Neubrandenburg und Neustrelitz wurden regulär bedient. Der Streik hatte um 3 Uhr morgens begonnen und sollte bis in die frühen Morgenstunden am Freitag dauern, wie ver.di-Landesstreikleiter Karl-Heinz Pliete sagte.

Schlechte Vorabinformation kritisiert

Eltern betroffener Schüler zeigten vielerorts Verständnis für den Streik, wünschten sich aber gleichzeitig eine frühere Information. Ver.di hatte den Streik erst am Mittwochnachmittag bekannt gegeben. Die Gewerkschaft fordert unter anderem 2,06 Euro mehr pro Stunde sowie 100 Euro zusätzlich pro Monat. Die nächste Tarifverhandlung ist am kommenden Dienstag. Der kommunale Arbeitgeberverband hält die Forderungen der Gewerkschaft für wirtschaftlich nicht tragbar.

Arbeitgeber reagieren mit Unverständnis

Die Verhandlungsführerin der Arbeitgeber, Gabriele Axmann, kritisierte das Vorgehen von ver.di: "Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Gewerkschaft ihre Forderungen auf dem Rücken der Fahrgäste durchsetzen will." Vom Warnstreik waren hauptsächlich Schüler betroffen. Wie beim ersten Warnstreik in der vergangenen Woche waren laut Bildungsministerium Schüler, die nicht in die Schule kommen konnten, entschuldigt. Angaben, wie viele Schüler tatsächlich streikbedingt fehlten, lagen zunächst nicht vor.

Lange Staus auf Rostocker Zufahrtsstraßen

In Rostock kam es am Morgen zu langen Staus auf den Zufahrtsstraßen. Da keine Verkehrsunfälle gemeldet wurden, ging die Polizei davon aus, dass die Störungen auf den Streik und das Umsteigen vieler Menschen aufs Auto zurückzuführen waren. Nach Angaben der Rostocker Straßenbahn AG mussten sich rund 45.000 Menschen um eine Alternative zu Bussen und Bahnen kümmern. Dabei seien die Auswirkungen deutlich mehr zu spüren gewesen als vergangene Woche, als nur bis 10 Uhr morgens gestreikt wurde, sagte eine Sprecherin.

13-Jähriger geht wegen Streik nachts zur Schule

Einen gehörigen Schrecken jagte ein pflichtbewusster 13-Jähriger aus Rostock seiner Mutter ein. Laut Polizei meldete diese in der Nacht gegen 2:30 Uhr, dass ihr Junge mitsamt seiner Schultasche verschwunden sei. Er habe einen Zettel hinterlassen, dass er schon zur Schule unterwegs sei. Wegen des Streiks hatte er befürchtet, nicht rechtzeitig in seiner einige Kilometer entfernten Schule anzukommen. Die Polizei suchte das Kind aus dem östlichen Stadtteil Toitenwinkel, aber erst ein Anruf der Schulsekretärin gegen 7 Uhr brachte Erleichterung. Der Junge sei wohlbehalten in der Schule im Ortsteil Reutershagen angekommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 23.01.2020 | 20:00 Uhr

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