Stand: 11.12.2019 15:00 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Nach Schneemassen: Millionenschaden in Tierparks

Die Schneemassen vom Ostersonntag haben in einigen Tierparks in Mecklenburg-Vorpommern schwere Schäden angerichtet. Allein in den Parks in Marlow, Güstrow und Rostock liegt die Schadenssumme insgesamt bei mehr als einer Million Euro. Unter der Schneelast brachen vor allem die Volieren zusammen. Die Landesregierung sicherte den Zoos finanzielle Unterstützung zu.

"Ganze Baumkronen abgebrochen"

Im Wildpark MV in Güstrow (Landkreis Rostock) sind 90 Prozent aller Außenvolieren zerstört. "Es sind unter der Schneelast ganze Baumkronen abgebrochen und auf unsere schönen, großen Flugvolieren gefallen", sagte Tierparkleiter Klaus Tuscher NDR 1 Radio MV. "Wir haben nach und nach eine Voliere nach der anderen verloren." Außerdem wurden Elektrozäune der Raubtier-Gehege von Bären, Wölfen und Wildkatzen beschädigt. Es habe jedoch keine Gefahr bestanden, dass Tiere in die Freiheit entkommen konnten.

Wildparkchef schätzt Schaden auf 400.000 Euro

Tuscher ging am Dienstag von einem Schaden in Höhe von 400.000 Euro aus. Reparaturen seien nicht möglich, die Volieren müssten neu gebaut werden. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sicherte dem Tierpark bei einem Besuch Unterstützung zu: "Wir werden wie im Vogelpark Marlow Fördermittel im Rahmen der touristischen Infrastruktur mit bis zu 90 Prozent zur Verfügung stellen." Der Wildpark könne mit Fördermitteln von mehr als 300.000 Euro rechnen.

Vogelpark Marlow: "Eine kleine Naturkatastrophe"

Im Vogelpark Marlow (Landkreis Vorpommern-Rügen) ist der Schaden noch größer. Die Tierparkleitung bezifferte ihn am Montag auf rund eine halbe Million Euro. Auch dort waren bei fast allen Außenvolieren die Netze unter der Schneelast zusammengebrochen. Mehrere Tiere wie Waldrappen, Loris, Schwarzstörche, Schnee-Eulen und auch ein See- und zwei Schreiadler waren durch die löchrigen Netze davongeflogen. "Uns gibt es seit 24 Jahren, es hat ja bei uns auch schon einmal geschneit und all die von uns ergriffenen Maßnahmen haben bisher geholfen, aber dieser Schnee war eine kleine Naturkatastrophe", sagte Franziska Haase vom Vogelpark NDR 1 Radio MV.

Park am Wochenende wieder geöffnet

Der Vogelpark will trotz der Schäden am Sonnabend wieder für Besucher öffnen. Die beschädigten Volieren sind nach Angaben einer Sprecherin nicht zugänglich, Tier- und Flugshows würden aber wieder stattfinden. Der Park will den vollen Eintrittspreis erheben. Besucher könnten sich ein Bild von den Schäden machen und zum Wiederaufbau der zerstörten Anlagen beitragen.

Auch Rostocker Zoo betroffen

Der Rostocker Zoo rechnete mit Schäden von rund 300.000 Euro durch die Schneemassen. In der riesigen Seevogel-Voliere sei das gesamte Netz eingerissen, so Zoodirektor Udo Nagel. 20 Bäume seien entweder ganz umgeknickt oder hätten ihre Kronen verloren. Mehr als 150 teils 20 Zentimeter dicke Äste seien abgebrochen und auf verschiedene Volieren gefallen. "Das Positive ist, dass kein Tier zu Schaden gekommen ist", so Nagel. Der Zoo musste für zwei Tage geschlossen bleiben.

Weitere Tierparks melden Schäden

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums meldeten auch die Zoos Stralsund und Schwerin, der Tierpark Greifswald und der Haustierpark Lelkendorf Schäden. In den Tierparks in Wolgast, Wismar und Grimmen habe es Einnahmeverluste gegeben. Der Schaden in diesen sieben Einrichtungen summiere sich auf 65.000 Euro. Insgesamt liege die bislang gemeldete Schadenssumme bei knapp 1,3 Millionen Euro. 90 Prozent der Kosten für Aufräum- und Reparaturarbeiten will das Land übernehmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.12.2019 | 15:00 Uhr

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