Stand: 01.11.2019 16:08 Uhr

Leonie-Prozess: Zeugen erlebten Angeklagten als "aggressiv"

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Leonies Stiefvater wird Mord durch Unterlassen vorgeworfen. (Archivbild)

Im Mordprozess um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Kreis Vorpommern-Greifswald) haben Zeugen den Angeklagten als "gewaltbereit" und "aggressiv" beschrieben. Gehört wurde am Freitag unter anderem der 26-jährige Verlobte der Schwester des Angeklagten. Er berichtete, dass er im Sommer 2018 aus nichtigem Anlass von dem Angeklagten bedroht worden sei. Zu einer Verabredung zum gemeinsamen Grillen seien der Stiefvater von Leonie und deren Mutter bereits laut streitend eingetroffen.

Streit aus Eifersucht

Vermutlich sei es dabei um Eifersucht gegangen, so der Zeuge. Als er Leonies Stiefvater aufforderte, ruhig zu sein, habe dieser ihn bedroht. Der Stiefvater, Leonie, ihr Bruder und die Mutter seien sofort wieder abgefahren. Der Zeuge sagte zudem aus, dass der Angeklagte unmittelbar nach seiner Flucht vor der Polizei in Pasewalk zu ihm nach Hause nach Torgelow gekommen sei. Dabei habe er ihm versichert, Leonie niemals angefasst zu haben. Eine Schwester des Angeklagten sagte aus, dass Leonie von ihrer Mutter geohrfeigt worden sein soll. Bei einer früheren Vernehmung durch die Polizei hatte die Zeugin allerdings davon nichts gesagt.

Richter erlebte Angeklagten als latent aggressiv

Amtsrichter Gerald Fleckenstein aus Pasewalk, der im Januar den Haftbefehl gegen den angeklagten Stiefvater ausstellte, sagte, er habe den Beschuldigten als überaus latent aggressiv eingeschätzt. Außerdem seien die Aussagen des Mannes damals beim Haftprüfungstermin nicht schlüssig gewesen.

Angeklagter schweigt bislang

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Leonie so stark misshandelt zu haben, dass sie im Januar dieses Jahres an den Folgen starb. Der 28-Jährige hatte behauptet, das Mädchen sei eine Treppe heruntergefallen. Während der Ermittlungen verstrickte er sich in zahlreiche Widersprüche. Vor Gericht schweigt er bisher. Auch gegen Leonies Mutter wird ermittelt, weil sie nicht eher Hilfe für Leonie geholt habe.

Bruder offenbar auch misshandelt

Bei Leonies zweijährigen Bruder waren ebenfalls Verletzungen festgestellt worden, die auf grobe Misshandlungen schließen lassen. Eine Kinderärztin aus Wolgast hatte vor Gericht erklärt, dass Leonie und ihr Bruder bis zur Trennung der leiblichen Eltern Ende 2016 keine auffälligen Verletzungen hatten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.11.2019 | 16:00 Uhr

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