Mehrere Strauße stehen an einem Zaun neben einem Schild mit dem Hinweis auf eine Straußenfarm bei Lübz © Franziska Drewes Foto: Franziska Drewes

Mit dem Wohnmobil auf der Straußenfarm

Stand: 02.06.2021 14:00 Uhr

Urlaub mit dem Wohnmobil boomt in Zeiten von Corona. Kurz vor Beginn der Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern sind viele Campingplätze allerdings nahezu ausgebucht. Eine Alternative, die immer beliebter wird, ist Campen beim Landwirt.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Die Landschaft ist idyllisch. Kurz vor Lübz liegt die Straußenfarm Riederfelde mitten in einem Naturschutzgebiet. Die blauen Moorfrösche quaken. Seltene Vögel zwitschern. Große Bäume spenden Schatten. Unter ihnen sind auch Jahrhunderte alte Eichen. Gastgeberin ist Monika Helfrich. Sie erklärt die Spielregeln für das Campen: "Das Prinzip von allen Anbietern dieses naturnahen Campens ist: Bei uns stehen die Leute wirklich ohne Wasser und ohne Strom. Sie müssen völlig autark sein. Das ist sowieso die Grundvoraussetzung. Und es ist nur für eine Nacht ausgelegt". Das bedeutet, dass die Urlauber über bestimmte Apps oder Internetseiten spontan ihren Stellplatz für eine Nacht buchen.

Win-Win-Situation

Mittlerweile haben sich diverse Plattformen darauf spezialisiert. Sie heißen beispielsweise "Landvergnügen", "Alpacacamping", "staybetter" oder "roadsurfer spots" und wollen die regionale Landwirtschaft unterstützen. Spezielle Landkarten zeigen deutschlandweit alle Höfe an, die Stellplätze anbieten. Die Urlauber zahlen je nach Anbieter pro Nacht um die 15 Euro, teilweise können sie auch selbst einen Preis festlegen. Bei "Landvergnügen" erwerben sie eine Vignette für 34,90 Euro, die ein Jahr lang gilt. Deutschlandweit machen bereits mehrere hundert Agrarbetriebe mit. Unter ihnen sind Imker, Winzer, traditionelle Familienbauernhöfe und Landwirte, die Ackerbau und Viehzucht betreiben. Die Stellplätze liegen an Seen, auf Obstwiesen, im Wald oder am Weinberg.

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Chance für Landwirte

Monika Helfrich von der Straußenfarm Riederfelde ist mittlerweile auf drei Portalen angemeldet. "Durch Corona ist ein richtiger Run auf diese exklusiven Stellplätze entstanden. Die Leute wollen einfach allein sein, weit weg von Corona, und einfach nur Ruhe haben." Auf dem riesigen parkähnlichen Gelände der 18 Hektar großen Straußenfarm ist immer Platz. Nebenbei wirbt Monika Helfrich im Hofladen für die regionale Landwirtschaft und für die Direktvermarktung. "Das schätzen die Urlauber auch. Die fragen: Ist das Fleisch von Ihnen? Ist die Wurst von Ihnen? Sind die Eier von Ihnen, das Leder? Wir haben tolle Lederprodukte, Taschen zum Beispiel. Ja, das ist alles von unseren Tieren, die wir hier schlachten. Und das ist das, was die Leute wirklich stark steigend wollen". Ihr Mann Frank Löhr schlachtet selbst nach Bedarf.

Landwirte aus Leidenschaft

Seit 17 Jahren halten Monika Helfrich und ihr Mann Strauße im Nebenerwerb. Frank Löhr arbeitet als Tierwirt in einem Rinderstall der Umgebung, seine Frau Monika ist kaufmännische Angestellte. Jede freie Minute schenken sie ihren Tieren. Die Urlauber können die Strauße jederzeit beobachten, mit ihrem Wohnmobil ganz nah bei ihnen übernachten – quasi wie in einem Safariurlaub in Afrika. 2004 ist Frank Löhr über eine Fernsehdokumentation auf den größten Vogel der Welt gekommen. "Es ist schon etwas Besonderes hier in Mecklenburg. Es gibt Schweine, es gibt Rinder, es gibt Hühner. Und wir wollten unbedingt Tiere halten. Und so haben wir den Strauß nach Mecklenburg gebracht". Die rund 80 Tiere leben das ganze Jahr über draußen auf der Weide. Die Wiesen dienen auch als Hauptnahrungsquelle. Gerade sind rund 20 Küken geschlüpft. Die Tiere bekommen keine Medikamente. Deswegen schätzen Einheimische und Touristen das Fleisch, erzählt Monika Helfrich. "Viele Kunden, die Allergien haben, kommen extra zu uns, weil ihnen das Fleisch sehr gut bekommt."

Warten auf die Gäste

Nun dürfen wieder Urlauber nach Mecklenburg-Vorpommern reisen. Und so hoffen Frank Löhr und seine Frau Monika Helfrich auf viele spontane Gäste, die bei ihnen eine Nacht unter riesigen Bäumen und dicht neben den Straußen bleiben möchten. "Ich glaube alle Wohnmobile stehen in den Startlöchern und wollen einfach nur raus und Urlaub machen." Und so ist sich Monika Helfrich ziemlich sicher, dass sie schon bald ihre ersten Gäste auf der Straußenfarm Riederfelde kurz vor Lübz begrüßen darf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.06.2021 | 12:00 Uhr

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